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Aktuelle Kunst : Hans-Peter Feldmann im Bastlerglück

  • -Aktualisiert am

Hans-Peter Feldmann ist omnispräsent auf dem Kunstmarkt. Auf der Biennale in Venedig zeigt er sein eindrucksvolles Schattenspiel. Jetzt ist es auch in New York in der 303 gallery zu sehen - neben vielen anderen verspielten Werken des Deutschen

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          Ich habe es ja am liebsten schön voll. Petersburger Hängung“, schmunzelt Hans-Peter Feldmann in der 303 Gallery in Chelsea. Es ist die fünfte Einzelausstellung, die man Feldmann in der Galerie ausrichtet - doch seinem Wunsch nach vollen Galeriewänden ist man auch diesmal nicht nachgekommen. Sparsam wird der rheinische Meister des Absurd-Lakonischen mit nur vier neuen Werkgruppen in den neuen Räumen an der 21. Straße inszeniert. Der Künstler selbst nimmt es entspannt, unterläuft er doch die Sehnsucht des Markts nach Verknappung wie gewohnt auf seine ganz persönliche Weise: Alle Arbeiten des Düsseldorfers, Jahrgang 1941, werden wie immer unsigniert und unlimitiert verkauft.

          Schattenspiel in Venedig

          Feldmanns Erfolg tut dies keinen Abbruch. Seine Arbeiten scheinen mit ihrem skurrilen eigenwilligen Humor inzwischen überall zu funktionieren. Und auch überall verstanden zu werden; das war noch anders bei Feldmanns Erscheinen auf internationalem Parkett, anlässlich der Documenta 5 im Jahr 1972. Zuletzt wurde seine „Schattenspiel“-Installation, die im Zentralpavillon der diesjährigen Venedig-Biennale noch bis zum 22. November präsentiert ist, begeistert aufgenommen. Längst ist der sich betont unauffällig gebende Künstler ein Star, dabei blieb er seiner Heimatstadt stets verbunden.

          Und während er Düsseldorf jüngst mit einer sechs Meter hohen, rosafarbenen Variante von Michelangelos David beglückte, den er für ein Jahr mitten in der Stadt aufstellte, hat Feldmann nach New York ein Stück ganz persönlicher Heimat mitgebracht. In der Galerie findet sich das Bücherregal seiner Düsseldorfer Wohnung wieder, als Schwarzweißfotografie in Frontansicht und Originalgröße, anhand derer sich in aller Ruhe studieren lässt, welche Bücher der Mann besitzt (75.000 Euro). Ebenfalls nicht fehlen darf eine neue Version des in Venedig gezeigten „Schattenspiels“, eines Reigens alter Spielzeuge und Haushaltsgegenstände, auf sich drehende Plattformen montiert, denen tanzende Schatten auf die dahinterliegende Wand fallen (100.000 Euro). Dazu sorgt ein „Zollstockhaus“, ganz wörtlich aus einem Metermaß geformt, für deutschen Bricolage-Charme (12.000 Euro).

          Historische Handabdrücke

          Eine echte Überraschung sind die „Handprints“, eine Serie von Drucken historischer Handabdrücke, die eine besondere Geschichte in sich tragen. Sie entstanden ursprünglich in den dreißiger Jahren als Teil der Forschungen der deutschen Ärztin Charlotte Wolff auf dem Gebiet der Chirologie. Die Jüdin Wolff emigrierte 1933 nach Paris und musste 1936 vor den Nationalsozialisten nach London fliehen. In beiden Städten stießen ihre Forschungen auf großes Interesse bei Wissenschaftlern und Künstlern.

          Die Faszination, die Wolffs Arbeiten vor allem auf die Surrealisten ausübte, sorgte dafür, dass ihre psychologischen Handanalysen „Les Révélations Psychiques de La Main“ erstmals ausführlich im Jahr 1935 im surrealistischen Zentralorgan, der Zeitschrift „Minotaure“, vorgestellt wurden. Feldmann, der diese Arbeiten auf der Leipziger Antiquariatsmesse entdeckte, war fasziniert von den, wie er sagt, „schönen Graphiken“ und reproduzierte sie als farbige Tintenstrahldrucke. Mit den Handabdrücken - etwa von André Breton, Marcel Duchamp oder Paul Eluard - entfaltet der Weltensammler Feldmann eine überraschende, neue Variante seines Interesses am Archiv.

          Wirklich sind die Handabdrücke Arbeiten, die nur zunächst untypisch für Hans-Peter Feldmann erscheinen; denn sie verströmen mit ihrem Changieren zwischen Original und unendlich reproduziertem Medium, zwischen Banalem und Besonderem eine gewitzte Schönheit, in direkter Linie von den Surrealisten der Dreißiger zu dem ganz in der Gegenwart ansässigen Künstler mit seinem gelegentlich durchaus surrealen Blickwinkel auf die Welt. Es handelt sich um ebenso ruhige wie erstaunliche Blätter - die mit ihrem Stückpreis von 3000 Euro nicht zuletzt gut in die aktuelle Situation am Kunstmarkt passen.

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