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Aktuelle Kunst : Hängen, Fließen, Sehnen

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Sie ist die Königin unter den zeitgenössischen Künstlers: Die Galerie Karsten Greve zeigt in Köln Werke der Louise Bourgeois.

          Ihr vierzigjähriges Jubiäum feiert die Galerie Karsten Greve in den Kölner Räumen mit einer opulenten Ausstellung der französischen Künstlerin Louise Bourgeois. Karsten Greve hat eine Auswahl vorwiegend hängender Skulpturen versammelt und rückt so einen zentralen Aspekt ihres Werks in den Mittelpunkt. Bourgeois selbst sagte einmal über das Moment des Hängens: „Horizontalität symbolisiert das Verlangen aufzugeben, zu schlafen. Vertikalität entspricht dem Versuch zu flüchten.

          Hängen und Fließen sind Zustände der Ambivalenz.“ Ein eindringliches Bild für die Durchdringung von Hingabe, Krampf und Wehrlosigkeit fand Bourgeois in ihrer berühmten Skulptur „Arch of Hysteria“ von 1993. Sie entstand aus ihrer Beschäftigung mit den Hysteriestudien des französischen Neurologen Jean-Martin Charcot heraus, der im 19. Jahrhundert an der Salpêtrière in Paris lehrte.

          Fettansammlung in Rollen

          Bourgeois verwendet aber den männlichen Körper und gewinnt so eine brisante Umdeutung des Phänomens der Hysterie, das genuin als weibliche Befindlichkeit gilt. Auch in zahlreichen Papierarbeiten wird das Thema des Hängens variiert: so in „Triptych for the Red Rooms“ aus dem Jahr 1994 (Mappe mit 3 Aquatinten; 32.000 Euro) oder in einem kleinen Aquarell „Ohne Titel“ von 2003, das drei hängende Schlingen in Blau auf rosafarbenem Papier zeigt (39.000 Euro).

          Geradezu fröhlich wirkt ein gemeinsam hängendes Paar aus dem Jahr 2002, das über die Jahre einige Rollen aus Fett angesammelt zu haben scheint, die sich glänzend im Aluminiumguß abbilden. In dem vortrefflichen Angebot findet sich auch das Objekt „Heart“ aus dem Jahr 2004 (850.000 Euro), das die in den neunziger Jahren begonnene Beschäftigung der Künstlerin mit dem Nähhandwerk, mit Stoffen und mit der eigenen Biographie in sich erfaßt. Bourgeois’ Eltern besaßen in Choisy-le-Roi bei Paris eine Restaurierungsgswerkstatt für historische Textilien. Aus dieser frühen Umgebung hat sie eine reiche Symbol- und Materialsprache entwickelt, auf die sich auch die dichte Collage „When I was Young“ von 2008 bezieht (950.000 Euro).

          Ungebrochen scheint der bildnerische Erfindungsreichtum der mittlerweile bald achtundneunzigJahre alten Künstlerin, die noch immer in ihrem New Yorker Atelier junge Studenten zum Gespräch über deren und die eigenen Arbeiten einlädt. Möge Louise Bourgeois noch viel Zeit bleiben, ihr eindringliches Formenrepertoire weiterzuentwickeln, in dem sie Archetypen menschlicher Angst und menschlichen Sehnens verhandelt.

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