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Galerieausstellung : Ein Denkmal in der Manier von Manhwa

  • -Aktualisiert am

Ausdrucksstarke Konfliktmodelle: In der Galerie KOW in Berlin nimmt der türkische Künstler Ahmet Ögüt die sozialen, politischen und ökonomischen Probleme unserer Zeit ins Visier.

          Von jeder Biennale bleiben einige einprägsame Kunstwerke im Gedächtnis haften, die den eigentlichen Anlass überdauern. Bei der fünften Berlin Biennale im Jahr 2008 – die kuratiert war von Adam Szymczyk, dem Leiter der jüngsten, gerade zu Ende gegangenen Documenta – zählte dazu eine Intervention von Ahmet Ögüt in den Kunst-Werken. Der türkische Künstler hatte das Basement komplett mit Asphalt planieren lassen. Entsprechend krass war die Wirkung des düsteren Untergrunds in dem leeren Saal: Man fühlte sich zugleich drinnen wie draußen, empfand aber den versiegelten Boden als besonders aggressiv. Gut zehn Jahre zuvor hatte Hans Haacke – in der Gruppenausstellung „Deutschlandbilder“ – den Lichthof des Gropiusbaus mit Betonplatten ausgelegt, die, ähnlich verstörend, den Autobahnbau im „Dritten Reich“ vergegenwärtigten. Ögüts Asphalt zielte nicht auf die deutsche Vergangenheit: Er richtete das Augenmerk auf eine kompromisslose Modernisierung ländlicher Regionen in der Türkei, die, so der Künstler, nicht nur Verkehrswege schafft, sondern auch einer staatlichen Kontrolle Vorschub leistet. „Ground Control“ nannte der 1981 geborene, heute in Berlin und Amsterdam lebende Ögüt sein so einfaches wie expressives Environment, das zu betreten regelrecht physisches Befremden bereitete.

          Die Berliner Galerie KOW zeigt eine Auswahl von Arbeiten der vergangenen zehn Jahre und bietet damit einen Überblick über das Werk eines Künstlers, der sich sämtlicher Medien bedient, um ausdrucksstarke Bilder zu finden für soziale, ökonomische, politische Konflikte in der Zivilgesellschaft. Die entstehen etwa dann, wenn Hauseigentümer sich weigern, ihren Besitz für öffentliche Baumaßnahmen herzugeben. Davon berichten einige Skulpturen, denen die Lust an der Bricolage anzusehen ist: Als Modelle im Maßstab eins zu hundert verharren drei „Nagelhäuser“ jeweils in einer weiten Wüstenei standhaft auf einem einsamen Erdzahn und widersetzen sich dem Abriss.

          Jenes „Hotel Résistance“, das der Ausstellung ihren Titel gibt, stammt dem Künstler zufolge aus Zürich, die Bewohner gaben ihrem Haus diesen Namen in Anlehnung an ein benachbartes Hotel Renaissance. Auf Granitsockeln sind darum drei Männer in Bronze gegossen, die sich in seltsamer Choreographie und scheinbar valentinesken Posen ergehen. Irgendetwas zerrt an diesen Figuren. Aber was? Das erfährt man im Souterrain in Gestalt bronzener Hunde; bei welcher Gelegenheit diese auf wen losgelassen wurden, erfährt man nicht. Wohl aber fügen sich die Skulpturen zu einem unkonventionellen Mahnmal für die Opfer einer Gewalt, die, wo und wann auch immer, zu Unrecht im Namen staatlicher Ordnung verübt wird.

          Dann erinnert Ahmet Ögüt an zwei Demonstranten aus Südkorea und der Türkei, diesmal in Form eines Animationsfilms im Stil von Manhwa, den Comics aus Südkorea – „United“. Dargestellt ist der Tod von Lee Han-yeol 1987 in Seoul und von Enes Ata 2007 in Ögüts Heimatstadt in Diyarbakir; beide kamen durch Tränengasgeschosse ums Leben. In dem Kurzfilm auferstehen sie von den Toten und geben mit heiteren Mienen Tipps, wie man sich gegen derlei Attacken schützen kann. „Vereint“ sind die beiden Fälle durch den Umstand, dass Südkorea die Türkei mit Tränengas beliefert. (Preise bis 35 000 Euro. Bis zum 28. Januar.)

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