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Galerie Jubiläum : Laubloser Baum, entblätterte Damen: Vierzig Jahre Kicken

Seit 1974 widmet sich die Galerie Kicken voller Leidenschaft der Photographie. Mit einer Jubiläumsausstellung würdigt sie nun die eigene Geschichte - und die des Mediums.

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          Mit dem Tod des Galeristen Rudolf Kicken im Sommer des vorigen Jahres hat der Fotokunstmarkt eine seiner prägenden Figuren verloren. Vierzig Jahre lang hatte sich Kicken dafür starkgemacht, dem technischen Bildmedium einen Platz unter den klassischen Künsten zu schaffen. Zunächst in Aachen, später in Köln und am Schluss in Berlin waren seine Galerien stets mehr als nur ein Raum, um Bilder aufzuhängen.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Fast möchte man sie als Signalstationen bezeichnen. Wenn sich dort nach stundenlangen, oft hitzigen Gesprächen Abzüge auf den Tischen fast schon zu Skulpturen stapelten, fand darin Kickens hemmungslose Leidenschaft für die Fotografie ihren vollkommenen Ausdruck. Zugleich bezeugten die wie Ikonen, in wertvollen, teils riesigen Rahmen präsentierten Fotografien an den Wänden seine Wertschätzung des einzelnen Bilds. Dass seine große Liebe der klassischen Moderne galt, vorneweg der strengen Ästhetik des Bauhauses, sowie dem radikalen Verlangen nach Schönheit bei den Piktoralisten, war unverkennbar. Dennoch fanden sich bei ihm neben Klassikern stets auch Entdeckungen junger Fotokünstler. So trat Kicken ebenso als Direktor eines imaginären Museums auf wie als Talentscout.

          Annette Kicken, seine Frau und Geschäftspartnerin seit vielen Jahren, hat die Leitung der Galerie übernommen. Ihre jüngste Präsentation zum vierzigjährigen Bestehen lässt keinen Zweifel daran, dass sie das Programm konsequent fortführen wird. Die Präsentation ist vordergründig eine Rückschau auf die eigene Historie, weshalb einige - unverkäufliche - Leihgaben aufgenommen wurden. Sie fasst aber mit gut vierzig Beispielen auch die Entwicklung des Mediums im zwanzigsten Jahrhundert zusammen: Von Heinrich Kühns windzerzausten Bäumen in einer wildromantischen Klippenlandschaft aus dem Jahr 1898 über Albert Renger-Patzschs laubloses Bäumchen von 1928 bis zu einem Blumenstillleben von Jitka Hanzlová aus unseren Tagen. Oder: Von Helmar Lerskis dramatischer Gesichtsstudie aus dem Jahr 1935 über Picassos ernsten Blick bei Arnold Newman, 1954, bis zur erschütternd traurig blickenden Romy Schneider 1961 bei einem Besuch in F. C. Gundlachs Hamburger Atelier. Es gibt beeindruckende Architekturfotografien von Werner Mantz aus den zwanziger und von Wilhelm Schürmann aus den siebziger Jahren. Stephen Shore und Alfred Seiland stehen stellvertretend für Tendenzen der Farbfotografie. Arbeiten von Wilhelm Schürmann, André Gelpke und Heinrich Riebesehl erinnern an die Anfänge der Galerie in den Siebzigern und zugleich an die einer neuen Kunstfotografie in Deutschland - teils als Fortsetzung der Neuen Sachlichkeit, teils in der Nachfolge von Otto Steinerts subjektivem Sehen. Die Preise beginnen bei 1200 Euro und steigen bis 60.000 für Frantisek Drtikols Akt hinter einer runden Scheibe sowie 80.000 Euro für die Tänzerin Lizica Codreanu, die Constantin Brancusi 1923 in extrovertierter Pose aufgenommen hat. Dass über solche Preise niemand mehr erschrickt - auch das hat mit Kickens Galeriearbeit zu tun.

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