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Auktion : Frühling allenthalben

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Am 25. Mai lockt Ketterer in München mit seiner Auktion 19. Jahrhundert - darunter Werke des Tiermalers Wilhelm Kuhnert und Franz von Stucks. Ein Blick in den Katalog

          Von sofort an konzentriert Ketterer in München seine Offerte Alter Kunst ganz auf Werke des 19. bis frühen 20. Jahrhunderts. Zur Begründung verlautet, man beobachte „großes Interesse an dieser Epoche“, mehr als zwanzig Prozent Neukunden bei jeder Auktion sprächen für sich. Ein Hauptlos der kommenden Versteigerung am 25. Mai entstand jedoch einen Tick früher, nämlich in der Zeit um 1795/97, als Caspar David Friedrich, in Kopenhagen studierend, die alte, von Bäumen umwachsene Kirche im Dorf Lyngby mit brauner Feder zeichnete; an dem Blatt hängt eine bunte Provenienz: Friedrichs Enkel verkauft es 1916 dem Berliner Galeristen und Friedrich-Sammler Wolfgang Gurlitt, der gibt es 1936 seinem Vetter weiter, jenem zwielichtigen Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, den der „Schwabinger Kunstfund“ bei seinem Sohn Cornelius kürzlich wieder in die Schlagzeilen rückte. Schon nach einem Jahr überlässt Gurlitt die Zeichnung der Hamburger Zigarettenfabrikantengattin Hanna Reemtsma. Die schenkte sie 1986 einem Freund, dessen Familie nun 30 000 bis 40 000 Euro für das Kirchlein erwartet.

          Nördliche Landschaft preist inmitten vieler Alpenstücke und bildgewordener Italien-Sehnsucht auch Walter Leistikows waldgesäumter, silbrig schimmernder „Grunewaldsee“ von 1902 (Taxe 40 000/60 000 Euro). Nicht verorten lassen sich dagegen Fluss- und Hügelkulisse, vor der Ludwig von Hofmann sechs junge halbnackte Menschen als „Tanzende in weiter Landschaft“ Ausdrucks- und Schleiertanz üben lässt; das marktfrische Breitformat befand sich bisher in Familienbesitz (50 000/70 000). Einen Zusammenhang des Werks mit Wandbildern der Villa Kaufmann in Dresden können die Experten nur vermuten. Erwiesen ist dagegen, dass Ferdinand Georg Waldmüller drei heute als Triptychon gerahmte Figuren als Entwurf zu einem ungewöhnlichen Auftrag malte: Für die Löwen-Apotheke in der Wiener Josefstadt schuf er große Werbetafeln, die mit Hygieia, Hippokrates und Galen Bezüge zur Medizin der griechischen Antike herstellten (25 000/ 35 000); der Entwurf zur vierten Figur, „Flora“, gelangte bereits 1971 separat auf den Kunstmarkt.

          Franz von Stucks Gemälde „Frühling“ war bislang unbekannt. Die auf 30 000 bis 50 000 Euro geschätzte Variante des allegorischen Motivs eines jungen, von seiner bekränzten Mähne umwallten Mädchens im Profil, entstand um 1900/02 und steckt, eine schöne Zugabe, im originalen Künstlerrahmen. Insgesamt sieben Werke repräsentieren Stucks Kunst, mit dabei ein etwa 1914 entstandenes Halbfigurenporträt seiner Frau Mary Lindpaintner, auch dieses im Stuck-Rahmen (20 000/30 000), sowie eine schöne Vorzeichnung zum Gemälde „Inferno“ (3000/4000).

          Breite Auswahl dürfte Anhänger des Tiermalers Wilhelm Kuhnert freuen, achtzehn Losnummern umkreisen insbesondere die auf Reisen studierte Fauna Afrikas. Affen, Kaffernbüffel, Elefant, Dromedar skizzierte der Künstler in diversen Techniken (Taxen von 200 Euro an). Zu seiner Lieblingsspezies gibt es auch zwei Ölgemälde: Die mit ihren Jungen spielende Löwenmutter und der König der Tiere an der Tränke erfordern je 25 000 bis 35 000 Euro.

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