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Auktionen bei Koller : Benedikt ruht in sich, Dante hat eine Vision

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Unter Tränen: Arnold Böcklins „Büßende Maria Magdalena“, 1895, Tempera auf Karton auf Hartfaserplatte, 36,6 mal 36,6 Zentimeter, Taxe 30.000/40.000 Franken. Bild: Koller Auktionen, Zürich

Es gibt einiges zu sehen bei Koller in Zürich: An der Spitze der Frühjahrsauktionen stehen Gemälde von Van Dyck und Tizian.

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          Die anstehenden Frühjahrsauktionen von Koller in Zürich haben einiges zu bieten: Am 26. März wird die Offerte mit 76 Losen zur Alten Kunst vom „Heiligen Hieronymus in der Wildnis“ angeführt. Die 47 mal vierzig Zentimeter große Holztafel stammt von Anthonis van Dyck und trumpft mit einer außergewöhnlichen Provenienz auf: Vermutlich erwarb Peter Paul Rubens das Gemälde direkt von seinem Schüler Van Dyck, der zwischen 1616 und 1620 als freier Mitarbeiter in Rubens’ Werkstatt in Antwerpen tätig war. Danach befand sich das Bild wohl erst in der Sammlung des flämischen Malers Jan Wildens und später in der seines Sohns Jeremias Wildens, bevor es in europäischen Privatbesitz ging. Nun kommt das virtuose Frühwerk mit einer Erwartung auf Nachfrage von 800.000 bis eine Million Franken unter den Hammer. Auch Tizians eindringliches „Bildnis eines Edelmanns“, das zwischen 1545 und 1555 vermutlich als Freundschaftsporträt entstand, hat eine beachtliche Herkunft vorzuweisen: Es befand sich einst im Besitz des Herzogs von Sachsen-Coburg und Gotha, aus dessen Familie das britische Königshaus Windsor hervorging. Auch hier liegt die Taxe bei 800.000 bis 1,2 Millionen Franken.

          Venus und Adonis aus den Niederlanden

          Jan van Goyen liefert zwei atmosphärische Stadt- und Flussansichten: Die ganz in Ocker- und Umbratönen gehaltene Darstellung mit Windmühle von 1651 ist auf 120.000 bis 160.000 Franken geschätzt; der etwas frühere Blick auf Nijmegen, um 1639, soll 60.000 bis 90.000 Franken einbringen. Lebensgroß und in sich verschlungen präsentiert Jacob Jordaens, geschaffen 1655/60, „Venus und Adonis“ in dem Moment, als sich der Jüngling aus den Fängen der liebeshungrigen Göttin zu befreien versucht (Taxe 100.000/150.000 Franken). Etwa sechzig Jahre zuvor hielt Daniel Fröschl eine ähnliche Szene zwischen den beiden Liebenden auf einer 32 mal 24 Zentimeter großen Kupfertafel fest (75.000/100.000).

          Sehnig: Anthony van Dyk, „Der heilige Hieronymus in der Wildnis“, um 1616/20, Öl auf Holz, 47,1 mal 40,4 Zentimeter, Taxe 800.000 bis 1 Million Franken.
          Sehnig: Anthony van Dyk, „Der heilige Hieronymus in der Wildnis“, um 1616/20, Öl auf Holz, 47,1 mal 40,4 Zentimeter, Taxe 800.000 bis 1 Million Franken. : Bild: Koller Auktionen, Zürich

          Marktfrische zeichnet nicht nur das Porträt von Luca Giordano aus, das einen unbekannten Gelehrten in zerschlissener Kleidung und grellem Licht zeigt (80.000/120.000), sondern auch eine der zahlreichen und wunderschönen „Blumengirlanden um eine Kartusche mit Maria und Jesuskind“ aus der Hand der Maler-Symbiose von Daniel Seghers und Cornelis Schut (60.000/80.000). Nach neuesten kunsthistorischen Forschungen lässt sich ein „Heiliger Benedikt“ von 1470/75, der innere Ruhe ausstrahlt, dem Jugendwerk von Filippino Lippi zuordnen; der Florentiner Künstler bannte Benedikt stehend auf eine 63 Zentimeter hohe messende Holztafel (40.000/60.000). Und auf 35.000 bis 45.000 Franken taxiert ist Roelant Saverys amüsantes Rundstück einer liegenden Kuh aus dem Jahr 1604.

          Kerzenlicht bei Waldmüller

          Ebenfalls am 26. März offeriert Koller 68 Lose zur Kunst des 19. Jahrhunderts, mit drei typischen Gemälden von Ferdinand Georg Waldmüller als Highlights: Mit der Schätzung von 150.000 bis 200.000 Franken ist sein bezauberndes Kerzenlicht-Porträt von 1848, auf dem zwei junge Mädchen eng aneinandergeschmiegt einen Liebesbrief lesen, das Spitzenlos der Auktion. Waldmüllers 1837 entstandene Bergansicht vom Watzmann-Gipfel wird für 70.000 bis 90.000 Franken angeboten, während seine „Parthie aus dem Prater“ von 1833 auf 40.000 bis 60.000 Franken geschätzt ist.

          Auf dem angebotenen Gemälde von Carl Gustav Carus schreibt Dante Alighieri konzentriert an seiner „Vita Nova“, während ihm eine Vision von Beatrice, seiner verstorbenen Jugendliebe, erscheint. Im Hintergrund der atmosphärischen Szenerie erkennt man Florenz in seiner ganzen Pracht, den Geburtsort des italienischen Dichters, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 700. Mal jährt (100.000/150.000). Eine mit Tränen auf der Wange in sich gekehrte „Büßende Maria Magdalena“ im Seitenprofil von Arnold Böcklin ist ein Beispiel seiner mystischen Ästhetik (30.000/40.000). Von Konstantin Ivanovich Gorbatoff kommt eine lichtdurchflutete Ansicht von Capri zum Aufruf (60.000/80.000), und Carl Spitzweg zeigt einen „Nach links sitzenden Orientalen in einem Basar“ um 1852/53 (30.000/40.000). Die Erwartungen für beide Auktionen zusammen liegen bei 4,2 Millionen Franken.

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