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Frühjahrsauktionen bei Koller : Schmetterlingsfänger mit Don Juan unter der Brücke

  • -Aktualisiert am

Jan Wellens De Cock, „Die Versuchung des Heiligen Antonius“, Öl auf Holz, 27,7 mal 37,2 Zentimeter, 50.000/70.000 CHF bei Koller. Bild: Koller

Vorschau: Frühjahrsauktionen mit Alter Kunst und neunzehntem Jahrhundert bei Koller in Zürich

          Todesmutig reiten die nackten Krieger auf die bewaffneten Soldaten zu; die Steinbrücke, auf der die beiden kämpferischen Stämme aufeinandertreffen, scheint kurz vor dem Zusammenbruch. Inspiriert von Peter Paul Rubens’ „Schlacht der Amazonen“ wählte Arnold Böcklin für sein 1889 entstandenes Ölgemälde „Der Kampf auf der Brücke“ einen knappen Bildausschnitt in Nahsicht, der die Brutalität der Szenerie noch verstärkt. Die dynamische Komposition auf 96 mal 149 Zentimetern ist das Spitzenlos der Auktion mit Kunst des 19. Jahrhunderts bei Koller in Zürich: Am 29. März kommt es für 250.000 bis 350.000 Schweizer Franken unter den Hammer. Deutlich friedliebender erscheint da Carl Spitzwegs „Schmetterlingsfänger“ von 1840. Seit 1981 befindet sich das Ölbild in Schweizer Privatbesitz und ist auf 70.000 bis 100.000 Franken taxiert. Zwei Gemälde der deutschen Maler Carl Morgenstern und Oswald Achenbach stechen aus der Offerte durch ihre besondere Lichtintensität heraus: Morgenstern hielt mit seiner Vedute von 1863 „Venedig mit Blick auf den Dogenpalast und Santa Maria della Salute“ (Taxe 60.000 bis 80.000 Franken) gekonnt den Sonnenaufgang über der Lagunenstadt fest, während Achenbach eine „Fröhliche Gesellschaft in der Campagna mit Blick auf den Vesuv“ (30.000/40.000 Franken) in gleißender Mittagshitze abbildet.

          Jan Van Noort, „Die Begegnung von Preziosa und Don Juan – eine amouröse Szene.“ Öl auf Leinwand, 131,5 x 172,5 cm, Taxe 100.000/140.000 CHF bei Koller.

          Ebenfalls am 29. März kommen 97 Lose zur Alten Kunst bei Koller in Zürich zum Aufruf – preislich angeführt von einer amourösen Szene aus der Hand des Niederländers Jan van Noordt: Auf 131 mal 172 Zentimetern präsentiert sich das imposante und guterhaltene Gemälde im prunkvoll verzierten Schnitzrahmen mit Jagdmotiven: „Die Begegnung von Preziosa und Don Juan“ entstand um 1660 und ist auf 100.000 bis 140.000 Franken geschätzt. Mehr als 100 Jahre früher malte Lucas Cranach d. Ä. zusammen mit seiner Werkstatt das Bildnis des sächsischen Kurfürsten und wichtigen Mäzen der bildenden Künste Friedrichs des Weisen. 1505 wurde Cranach von ihm als Hofmaler nach Wittenberg berufen, wo der Künstler fast ein halbes Jahrhundert für drei aufeinanderfolgende Kurfürsten tätig war. Das Ölgemälde auf Buchenholz von 1525 misst 38 mal 25 Zentimeter, befindet sich seit 1974 in Schweizer Privatbesitz und trägt eine Erwartung von 90.000 bis 120.000 Franken. Vom Pionier der eigenständigen Wald- und Tierlandschaften zu Beginn des 17. Jahrhunderts, Roelandt Savery, kommt eine „Felsige Landschaft mit Gebirgsbach, Löwen, Leoparden, Papagei und anderen Vögeln“ (30.000/50.000 Franken) zum Aufruf. Das marktfrische Ölgemälde „Die Versuchung des Heiligen Antonius“ (50.000/70.000 Franken) von Jan Wellens de Cock war bislang lediglich durch eine Gravur in der Sammlung der National Gallery of Art in Washington D. C. bekannt, nun wurde es in einer europäischen Privatsammlung wiederentdeckt und dem Antwerpener Manieristen zugeschrieben.

          Albert Anker, „Schreibender Junge“, Feder in Braun, 16 mal 21,2 Zentimeter, Taxe 2.000/2.500 CHF) bei Koller.

          Bei den 90 offerierten Zeichnungen Alter Meister stechen die hübsche kleine Federzeichnung eines schreibenden Jungen von Albert Anker ins Auge, die auf 2000 bis 2500 Franken taxiert ist, und eine um 1525/30 entstandene Federzeichnung auf Bütten von Hans Weiditz d. J.: Das marktfrische Blatt misst 18 mal 22 Zentimeter und zeigt „Würfelnde Landstreicher und bäuerliches Paar“ (10.000/15.000 Franken). Insgesamt erwartet Koller für seine Frühjahrsauktionen mit Gemälden des 19. Jahrhunderts und der Alten Kunst, Graphiken und Zeichnungen rund 2,8 Millionen Franken. Ein weiteres Highlight versteckt sich unter den 274 angebotenen Losen in Kollers Buch-Auktion am 26. März in Zürich: Das wunderbar illustrierte Magnus Opus der Maria Sibylla Merian mit dem Titel „Dissertatio de generatione et metamorphosibus insectorum Surinamensium“ handelt von der Flora und Fauna Surinams und ist auf 60.000 bis 90.000 Franken geschätzt. 1726 veröffentlicht, brachte dieses kluge Traktat der Tochter des bekannten Graveurs Matthäus Merian d. Ä. postum noch großen Ruhm in ihrer Heimat ein.

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