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Frühjahrsauktion bei Koller : Vom König des Himmels

  • -Aktualisiert am

Koller versteigert Gemälde und Zeichnungen alter Meister und Kunst aus dem 19. Jahrhundert in Zürich: Eine Vorschau.

          2 Min.

          Bei seinen traditionellen Frühjahrsveranstaltungen präsentiert das Schweizer Auktionshaus Koller in Zürich diesmal ein besonders reiches Angebot. Am 27. März werden Gemälde, Zeichnungen und Graphik Alter Meister, außerdem Kunst aus dem 19. Jahrhundert aufgerufen. Dazu kommen noch 26 Werke einer Schweizer Privatsammlung, die am selben Tag in einer eigenen Sektion versteigert werden: Max Liebermanns 1918 entstandenes Ölgemälde „Blumenterrasse im Wannseegarten nach Norden“, das den geliebten Garten der 1909 erworbenen Sommerresidenz des Malers zeigt, ist dort mit einer Erwartung von 250.000 bis 350.000 Franken das Spitzenlos. Im Hintergrund der geometrisch angelegten Beete kann man den Fischotterbrunnen von August Gaul erkennen. Drei Jahre später malte Liebermann die „Schlittschuhläufer im Tiergarten“ (Taxe 150.000/200.000 Franken), die sich seit 1985 in eben dieser Sammlung befindet.

          Aus ihr kommt auch Lovis Corinths Porträt „Maske im weißen Kleid“ von 1902, das so einnehmend wie faszinierend ist: Hinter der jungen Frau im tiefdekolletierten Ballkleid, deren Kopf mit schwarzem Schleier und schwarzer Maske verhüllt ist, und die kokett lachend am Betrachter vorbeiblickt, verbirgt sich Corinths spätere Ehefrau, Charlotte Berend-Corinth (100.000/150.000). Von Jean-Baptiste Camille Corot kommen drei Landschaften zum Aufruf, darunter „Passiance (Landes)“ aus dem Jahr 1872, dessen Provenienz sich bis ins Atelier des Künstlers zurückverfolgen lässt (40.000/60.000). Und Eugène Boudin hielt um 1890 auf 34 mal 26 Zentimetern die „Hafenansicht bei Trouville“ fest (40.000/60.000): ein sehr beliebtes Motiv Boudins, den sein Kollege Corot einst als „König des Himmels“ gerühmt hat.

          Das Spitzenlos unter den 32 angebotenen Gemälden des 19. Jahrhunderts ist das zarte Bildnis eines kleinen Mädchens mit Blumenkorb. Der italienische Maler Eugen von Blaas bannte die brünette Schönheit mit einer fotografisch anmutenden Plastizität auf die 81 mal 49 Zentimeter große Holztafel. Das 1898 entstandene, marktfrische Gemälde befindet sich seit mehreren Generationen in Schweizer Privatbesitz und soll nun 60.000 bis 80000 Franken einspielen. Von Henri Fantin-Latour stammt das 1869 entstandene „Früchtestillleben mit Aprikosen“ (35.000/50.000).

          Ebenfalls ein Früchtestillleben sorgt unter den 83 Gemälden der Alten Meister für Aufsehen: Das Ölgemälde wurde erst kürzlich in einer Privatsammlung in der Schweiz entdeckt; gemalt hat es die Mailänder Künstlerin Fede Galizia. Lediglich zwanzig der kompositorisch reduzierten und naturalistischen Stillleben von der Tochter des Miniaturmalers Nunzio Galizia sind bekannt; das bei Koller angebotene soll 150.000 bis 200.000 Franken einbringen. Preislich angeführt wird die Altmeister-Offerte von einer monumentalen Darstellung der „Mystischen Vermählung der Heiligen Katharina“: Auf der 165 mal 98 Zentimeter großen Holztafel schuf der Florentiner Frührenaissance-Künstler Bicci di Lorenzo mit Tempera auf Goldgrund eine ausgewogene Komposition mit zarten Figuren in Bedeutungsperspektive; das anmutige Werk ist auf 250.000 bis 350.000 Franken geschätzt. Auf Marten van Clevesd.Ä. „Bauernhochzeit im Freien“ tummelt sich eine fröhliche Gesellschaft ganz im Stil der Brueghels (150.000/200.000). Charles François Lacroix de Marseille zeigt auf seinen zwei großformatigen Gegenstücken von 1776 phantasievolle „Mediterrane Hafenansichten“ (200.000/300.000). Zwei üppige Blumenbouquets liefern Balthasar van der Ast (200.000/300.000) und Cornelius de Heem (120.000/180.000).

          Unter den 73 Zeichnungen bestechen die zwei schwarzweißen Kreidezeichnungen auf Bütten mit zarten Frauendarstellungen von François Boucher: „Buste de jeune Fille“ (10.000/15.000) und „Junges Mädchen mit Vogelkäfig und Kind“ (8000/ 12.000). Franz von Stuck zeichnete 1904 auf 29 mal 25 Zentimetern eine „Kentaurin“; das Blatt wird für 2000 bis 3000 Franken im Originalrahmen angeboten und befand sich einst im Besitz der Enkelin des Malers, Hilde Rauck-Heilmann. Höhepunkt bei der Alten Graphik ist Canalettos marktfrische große Ansicht von Dresden mit der Hofkirche (8000/12.000). Zusammen sollen die Auktionen drei Millionen Franken einspielen.

          Hinweis der Redaktion: Die Auktionen sind verschoben und finden voraussichtlich im Juni statt.

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