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Frieze Art Fair : Kunst – nicht nur der Umwelt zuliebe

Darum geht es auch im Werk der schwarzen Amerikanerin Kara Walker, die in der Turbinenhalle der Tate Modern gerade den dreizehn Meter hohen, vor sardonischen kunsthistorischen Anspielungen wimmelnden Brunnen „Fons Americanus“ installiert hat, an dessen Spitze eine verzerrte Venusfigur Wasser aus ihrem Busen und ihrem aufgeschlitzten Hals ausstößt. Eine Maquette dafür steht bei der New Yorker Galerie Sikhema Jenkins.

Bei der Amerikanerin Kara Walker kommen die verschiedenen Stränge zusammen, die im Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklungen auch im Kunstbetrieb vorrangige Bedeutung gewonnen haben: Geschlecht, ethnische Herkunft und Kolonialismus. Sie finden auf der Frieze-Messe leitmotivisch Niederschlag, aber auch auf der Frieze Masters. Das will nicht heißen, dass die Männer zu kurz kämen. Wie gewohnt mischen sich auf der Master-Messe Altmeister-Werke, wie etwa bei Johnny van Haeften, mit gelungenen und weniger gelungenen Zusammenstellungen von Alter und neuer Kunst und thematischen Schauen, unter denen zum Beispiel der Stand des auf indische und islamische Kunst spezialisierten Händlers Prahlad Bubbar mit seinem 1930 von Eckart Muthesius für den Palast des Maharadschas von Indore entworfenen, von innen beleuchteten Tisch (1,2 Millionen Dollar) besonders ins Auge sticht.

Auffallend ist die an jüngste Auktionserfolge anknüpfende Präsenz von Albert Oehlen an mehrere Ständen, darunter bei Emanuel von Baeyer, der eine Auswahl großformatiger expressionistischer Kaltnadelradierungen Oehlens mit Bäumen aus den achtziger Jahren anbietet. Auch die Fülle von Werken italienischer Nachkriegskünstler – darunter am Gemeinschaftsstand von Colnaghi und Ben Brown die mit Kugelschreiber auf Papier gezeichneten, auf Leinwand gelegten Paneele von Alighiero Boetti, die mit der vor der Koje aufgestellten antiken ägyptischen Porphyrvase harmonieren. Sie ist von einem Sammler zeitgenössischer Kunst erworben worden, ein Bespiel für den Erfolg des Cross-Over-Modells. Die Galerie Trinity Fine Art bietet nur ein einziges Werk: Botticellis Bildnis des Freischärlers und Dichters Michele Marullo. Sein Haken liegt darin, dass ein ausländischer Käufer mit der spanischen Regierung verhandeln müsste über Länge und Form einer Ausfuhrgenehmigung. Ganz werde der spanische Staat das Gemälde nie gehen lassen, gesteht eine Mitarbeiterin – weshalb der Preis bei „nur dreißig Millionen Dollar“ liege.

Frieze London und Frieze Masters bis 6. Oktober – Regent’s Park, London.

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