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Frieze Art Fair : Alles fürs Ego

  • -Aktualisiert am

Die Frieze wurde seit ihrer Premiere vor vier Jahren von ihrem eigenen Erfolg überrascht, nun ist sie vom Kunstboom fast überrollt. So wundert es nicht, daß dieses Jahr Hollywood-Stars wie Dennis Hopper und Jude Law fleißig einkaufen.

          Ein fröhliches Model plaudert animiert mit einem vornehmen Schnauzbartträger: Es sind Kate Moss und Cerith Wyn Evans, einer der klügsten Künstler der Insel, und man ist geneigt, sich an klassische Momente der Kulturgeschichte zu erinnern. Aus der Innigkeit in den Polstersesseln der Frieze-Lounge wird kein Traumpaar erwachsen - doch sind es Momente wie dieser, die der Kunstmesse im Londoner Regent's Park Glamour verleihen.

          Die sperrigen Schönen, über die Moss und Evans vielleicht gerade sprechen, kann man ein paar Meter weiter erwerben: zum Beispiel bei Jay Joplings White Cube, wo eine Neonschrift von ihm, als Edition, immerhin noch 35.000 Pfund kostet; eine Wandarbeit, mehr als neunzig Einzelblätter, schwarzweiße Porträtfotos, Buchseiten, aus denen Evans kreisrunde Flecken ausgestanzt hat, 85.000 Pfund. Es ist wieder Saison im Park, wo die Frieze zum vierten Mal ihr weißes Zelt aufgeschlagen hat.

          Vorfreude im Regen

          Als es während der Vernissage für die begehrtesten Sammler noch durchregnete, spannte man mit der Unaufgeregtheit englischer Gentlemen einfach einen Schirm über der Kunst auf und tupfte die Wassertropfen vom cremehell lackierten Leib der „Miss Riley“, einer Rakete aus dem Atelier Cosima von Bonins, die auch mit 150.000 Euro ausgezeichnet ist: Auch bei Regen über dem englischen Rasen versammeln sich dort 150 Galerien mit nicht zu trübender Vorfreude. Die meisten kommen aus Amerika, Großbritannien und Deutschland; Hunderte buhlten vor der Zulassungskommission um Aufnahme. Weil die Kojen größer, die Gänge breiter wurden, ist das Zelt bei fast gleichbleibender Teilnehmerzahl wieder gewachsen, überspannt es inzwischen auch Parkbäume.

          Auch in den hellen Kojen der Frieze Art Fair adelt die (jüngere) Kunstgeschichte den Preis: Frühe Fotoarbeiten von Fischli & Weiss, wie die zehnteilige Serie „The Sausage Photographs“, im Jahr 1979 immerhin in einer Auflage von zwölf erschienen, wird bei Presenhuber für 250.000 Dollar gehandelt; Werke von 2005, wie die in Schwarz getauchten sechsteiligen Serien bei Sprüth/Magers, sind ab 30.000 Euro zu haben. „Moonraker“ von 1980, ein Blick in den Kühlschrank, ist bei Matthew Marks im Bereich von 25.000 bis 50.000 Dollar angesiedelt; genau legt sich der New Yorker ungern fest, der am Eröffnungstag damit beschäftigt war, Gwyneth Paltrow für ein gefälligeres Motiv - Kirschblüten vor grauem Grund von Darren Almond - zu begeistern.

          Hollywood kauft Kunst

          Die Frieze wurde seit ihrer Premiere vor vier Jahren von ihrem eigenen Erfolg überrascht, nun ist sie vom Kunstboom fast überrollt. Amanda Sharp und Matthew Slotover hatten als Herausgeber des Kunstmagazins „Frieze“ eine Messe entworfen, die in London nur die besten der zeitgenössischen Galeristen einlädt. Kritiker waren vom Charme und der Leichtigkeit dieser Messe entzückt, Sammler reisten nun auch aus Amerika an. Unterdessen wuchs die Messe mit dem Gütesiegel Frieze: Hier kaufen Dennis Hopper und die Rubells; Valentino stöbert bei Approach; die turbanlastige Gemälde-Karikatur „Pasha“ von Edward Kay hat beste Chancen, in das Haus von Jude Law einzuziehen; Claudia Schiffer begeistert sich für Scherenschnitte von Simon Periton.

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