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Französische Auktionen 2019 : Auch die Provinz ist stark

  • -Aktualisiert am

Der Markt wächst weiterhin – und das nicht nur in Paris. Besonders die Alten Meister erleben gerade sehr gute Zeiten.

          5 Min.

          Selbst wenn London nach dem Brexit seinen Platz als führende Kunstmetropole nicht verliert, stellte sich der Kunstmarkt schon im vergangenen Jahr darauf ein, dass Paris zum wichtigsten Handelsplatz innerhalb der Europäischen Union avancieren wird. Internationale Galerien eröffneten Dependancen, und die Umsatzzahlen der Auktionshäuser in Paris stiegen. Sotheby’s konnte das beste je in Frankreich erzielte Gesamtergebnis verzeichnen. Bei einem Umsatz von 354,6 Millionen Euro beträgt der Zuwachs 41 Prozent, wozu auch die Auflösung der Sammlung des Künstlerpaars Claude und François-Xavier Lalanne beitrug, die im Oktober 91,3 Millionen Euro einspielte. Das traditionsreiche amerikanische Auktionshaus wurde Mitte des vergangenen Jahres, wie berichtet, vom französisch-israelischen Geschäftsmann Patrick Drahi gekauft und von der Börse genommen. Damit befinden sich die beiden größten internationalen Auktionshäuser nun in französischen Händen.

          Christie’s liegt mit 256,7 Millionen Euro auf dem zweiten Platz und verbessert sich um 9,5 Prozent. In der Firma von François Pinault wurde der monumentale „Parc des Princes“ von Nicolas de Staël aus dem Jahr 1952 zum Spitzenlos des Jahres. Das Gemälde gehört zu einem Zyklus mit Fußballspielern und zählt, an der Grenze zur Abstraktion, zu seinen Hauptwerken; bislang war es in der Familie verblieben. Christie’s hatte den Erben, laut der französischen Fachpresse, eine Garantie von 17,5 Millionen Euro gesichert. Zu diesem Preis wurde das Bild dann auch im Oktober zugeschlagen – ein neuer Künstlerrekord, doch knapp unterhalb der Erwartung von achtzehn bis 25 Millionen Euro.

          Artcurial belegt den dritten Platz im französischen Auktionsmarkt. Das Versteigerungshaus der Unternehmerfamilie Dassault verzeichnet eine Zunahme von vier Prozent bei einem Umsatz von 203,1 Millionen Euro, der allerdings zu einem Viertel die Branche der Sammlerautos einschließt. Bemerkenswert ist, dass Kunst von den Impressionisten bis hin zu den Zeitgenossen um vierzig Prozent zugelegt hat. Auch bei Artcurial erging der höchste Zuschlag im zweiten Halbjahr, in der Sektion Impressionismus und Moderne. Anfang Dezember kam Paul Gauguins „Te BouraoII“ zur Versteigerung, für das ein privater Sammler 7,8 Millionen Euro (Taxe 5/7 Millionen) bewilligte. Die ganz in Blau und Grün gehaltene Landschaft mit den sich schlängelnden Ästen eines „Großen Baums“ soll in Frankreich bleiben; bis 2017 war das Gemälde als Leihgabe im New Yorker Metropolitan Museum zu sehen.

          Nicht nur die global agierenden Giganten Sotheby’s und Christie’s oder der europäisch aufgestellte Auktionator Artcurial liegen im Aufwind. Auch mittelgroße Pariser Häuser wie Aguttes, mit 66 Millionen Euro (plus 30 Prozent), und Tajan, mit 40,8 Millionen Euro (plus 10 Prozent), verzeichnen Zuwachs. Auch ihnen wurden wichtige Werke anvertraut. Ähnliches gilt für Versteigerer in der province, dem Hinterland jenseits von Paris. Sogar der höchste Zuschlag 2019 überhaupt fiel im nordfranzösischen Städtchen Senlis bei Actéon: Eine kleine, bei einer Haushaltsauflösung entdeckte Holztafel, stellte sich als Werk des italienischen Frührenaissancemalers Cimabue heraus. Die auf vier bis sechs Millionen Euro geschätzte „Verspottung Christi“, die vermutlich ursprünglich zu einem Andachts-Polyptychon gehörte, wurde im Oktober nach atemraubendem Bietgefecht für 19,5 Millionen Euro ersteigert.

          Schon im Juni war über ein vor fünf Jahren in Toulouse entdecktes Gemälde, das schließlich Caravaggio zugeschrieben wurde, vom örtlichen Auktionator Marc Labarbe mit dem amerikanischen Sammler James Tomilson Hill verhandelt worden, noch bevor es zur Auktion kam. Der Kaufpreis dieser zweiten Version von „Judith und Holofernes“ bleibt unbekannt, wird sich aber, bei einer genannten, kühnen Schätzung von hundert bis 150 Millionen Euro, im unteren achtstelligen Bereich befunden haben – eine absolute Ausnahme für den französischen Markt. Ein Alter Meister des 14. Jahrhunderts kam Ende November im burgundischen Dijon bei Cortot & Associés unter den Hammer. Das Metropolitan Museum in New York ersteigerte dort, vermittelt von der Londoner Galerie Benappi Fine Art, eine kleine Tafel mit einer „Madonna mit Christuskind“. Sie soll vom Meister von Hohenfurth gemalt worden sein, einem böhmischen Maler der Hochgotik, dessen Name unbekannt ist. Trotz einer Schätzung von 400.000 bis 600.000 Euro bewilligte das Museum fünf Millionen Euro.

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