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Fotos der Dahlemer Sammlung : Die Bilder der Anderen

Thomas Florschuetz, „Ohne Titel (E.B.) 09“, 2016/2021, Archivpigmentdruckt, 92 mal 63 Zentimeter, Ed. 5, 9.000 Euro. Bild: Galerie Volker Diehl

Thomas Florschuetz hat in Dahlem die ethnologische Sammlung fotografiert, die in den Schlossneubau umgezogen ist. Seine Bilder entlarven Widersprüchliches. In der Berliner Galerie Diehl stehen sie zum Verkauf.

          3 Min.

          Es gibt Bilder, deren seismografische Qualität man erst beim zweiten oder dritten Hinsehen begreift. Der schnelle Blick gleitet an ihnen ab oder entdeckt nur die schöne Komposition, das Verhältnis von Farbe und Grauflächen: Aber dann sind da seltsame Widerhaken in diesen Aufnahmen, die den Blick zurückziehen und den Kopf nicht mehr verlassen. Eine der Aufnahmen, die der Künstler Thomas Florschuetz im Herbst des Jahres 2016 im Ethnologischen Museum in Berlin-Dahlem machte, zeigt tatsächlich sehr seltsame Haken: Man sieht eine leere Vitrine, ein Podest, goldgelbe Wände, an denen einmal Exponate befestigt waren – und zwar mit schwarzen Haken. Die Dinge selbst wurden schon herausgenommen. Man sieht sozusagen eine Absenz, und die macht vieles sichtbar.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Nachdem eine Expertenkommission beschlossen hatte, die ethnologischen Sammlungen zukünftig im Humboldt Forum im nachgebauten Stadtschloss zu zeigen, endete in Dahlem eine Epoche, die dort 1964 mit der Eröffnung von Carl Eberts und Fritz Bornemanns modernem Erweiterungsbau für das Völkerkundemuseum begonnen hatte; die ethnologischen Sammlungen wurden in einem modernen Haus mit Glasfassaden gezeigt. Bronzen, Holzschiffe und Masken wurden in einer fast klinischen Atmosphäre präsentiert, der Unterschied zwischen den aseptischen Oberflächen von Stahl und Glas und der Patina der Objekte effektvoll inszeniert. Die europäische Moderne interessierte sich seit ihrem Beginn für das, was ihr als „archaische Kulturen“ erschien. Picasso, Le Corbusier und viele andere versuchten, in der Beschäftigung mit den außereuropäischen, „primitiven Künsten“ eine kulturelle Erneuerung in Gang zu setzen. Die Gewaltgeschichte, die viele dieser Objekte in die europäischen Sammlungen gebracht hatte, interessierte niemanden so recht.

          Thomas Florschuetz, „Ohne Titel (E.B.) 02“, 2016/2021, Archivpigmentdruck, 92 mal 63 Zentimeter, Ed. 5, 9.000 Euro. Bilderstrecke
          Fotos der Dahlemer Sammlung : Die Bilder der Anderen

          Noch die Idee, die Dahlemer Sammlungen als Ausdruck von einem aufklärerischen Interesse Deutschlands an der Welt im Großselbstdarstellungs-Showcase der Berliner Republik, dem neuen Schloss, zu zeigen, ist getragen von einer aus heutiger Sicht erstaunlichen eurozentristischen Ausblendungsleistung: Denn die Art und Weise, wie etwa die Benin-Bronzen ins Land kamen, kann allenfalls als Beleg für ein eher kriegerisches Interesse Europas an der Welt gelten und nicht ohne größere Torsionen in humboldtianisches Aufklärungslicht getaucht werden. So gesehen, markiert die Schließung Dahlems, die den Umzug der zu Repräsentanten eines weltoffenen Deutschlands ernannten Objekte auf die Museumsinsel einleitete, einen ideologischen Bruch: Fünf Jahre später ist klar, dass die Metalltafeln und Skulpturen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, die einst den Königspalast im Königreich Benin im heutigen Nigeria geschmückt hatten und von den Kolonialherren brutal geraubt wurden, zurückgegeben werden müssen.

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