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Fotokunst : Weder ein Speicherfund, noch die „Helene Anderson Collection“

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Gegen dieses Urteil ging Werner Stauffacher in Revision an das Appellationsgericht Basel-Stadt. Dieses bestätigte im Dezember vergangenen Jahres die Ungültigkeitserklärung des Testaments auf Grund von „Sittenwidrigkeit“, ging in der Wortwahl seiner Entscheidung jedoch noch über das Zivilgericht hinaus, indem es Stauffacher für „erbunwürdig“ erklärte, da die Art und Weise der Annahme der letztwilligen Verfügung der Frau Kirchbach in seiner Position als Rechtsbeistand der Erblasserin dem Tatbestand der arglistigen Täuschung gleichkäme.
Werner Stauffacher hat inzwischen Berufung gegen dieses Urteil am Bundesgericht in Lausanne angemeldet. Das Verfahren befindet sich zur Zeit noch im Stadium des Schriftenwechsels. Mit einem Urteil des Bundesgerichts wird frühestens im Frühjahr 2006 gerechnet.

Das Ende bleibt offen

Die Verkäufer der „Foto-Sammlung Kurt Kirchbach“, Angelika und Hans-Joachim Burdack, haben zwischenzeitlich das Land verlassen. Allem Anschein nach sind sie nach Frankreich übergesiedelt. Die von Professor Dr. Pascal Simonius, dem Basler Rechtsanwalt Eckberts von Bohlen und Halbach, gegen sie angestrengte Strafanzeige wegen unrechtmäßigen Besitzes und Zivilklage auf Herausgabe des Auktionserlöses und möglicher weiterer Kirchbach-Fotos in ihrem Besitz ist sistiert. Sie wird erst wiederaufgenommen, wenn durch die Entscheidung des Bundesgerichts die Frage geklärt ist, wer der rechtmäßige Erbe ist. Da bislang von den Burdacks weder eine Schenkungsurkunde vorgelegt noch Zeugen für den Schenkungsvorgang benannt worden sind, gehen beide Erbparteien davon aus, daß eine wirksame Schenkung nicht vorliegt, somit die Burdacks nicht zum Verkauf der Fotografien berechtigt waren.

Sollte das Bundesgericht das Urteil des Basler Appellationsgerichts bestätigen, wäre das Vermächtnistestament Hildegard Kirchbachs von 1987 auszuführen, das beinhaltete, die Kunstsammlung dem Kunstmuseum Basel zu schenken. Von Bohlen und Halbach hat gegen Sotheby's den Anspruch auf die Fotosammlung aus dem Testament von 1987 am Gericht in London angemeldet. Diese Klage ist bis zur endgültigen Klärung des Erbanspruchs ebenso sistiert. Eckbert von Bohlen und Halbach will dem Vernehmen nach möglichst viele der 1997 veräußerten Fotos zurückverlangen, um sie dem Kunstmuseum Basel zu übergeben. Mehrere Museumskuratoren haben für den Fall, daß die Bilder am Ende in das Basler Kunstmuseum gelangen werden, bereits ihr Einverständnis signalisiert, die Fotos zurückzugeben, falls Sotheby's sich genötigt sehe, dem Anspruch von Bohlens zu entsprechen und die Fotos zurückzurufen. Wie die privaten Sammler reagieren würden, ist ungewiß. Einige haben bereits angedroht, Sotheby's zu verklagen, falls sie genötigt würden, sich von ihren glücklichen Erwerbungen trennen zu müssen.

Inzwischen ist auch in die Suche nach dem verschollenen Teil der „Foto-Sammlung Kurt Kirchbach“ wieder Bewegung geraten. Am 24. November werden in der Villa Griesebach sieben Fotos aus der ehemaligen Kirchbach-Sammlung zum Kauf aufgerufen, die nicht aus einem Schweizer Altenheim stammen, sondern offenkundig bereits in den siebziger Jahren in der ehemaligen DDR erworben worden sind.

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