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Fotokunst : Weder ein Speicherfund, noch die „Helene Anderson Collection“

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Zwei Parteien stritten um dieses Erbe vor dem Basler Zivilgericht. Beide machten ihre Ansprüche an der „Foto-Sammlung Kurt Kirchbach“ durch Klageeinreichungen sowohl gegen die Burdacks als auch gegen Sotheby's in London geltend. Sotheby's informierte daraufhin die Käufer der „Anderson-Auktion“, daß die Eigentumsfrage an den von ihnen erworbenen Fotos noch nicht geklärt sei - und sie ist es heute noch nicht.

Unmittelbar nach dem Tod von Frau Kirchbach hatte der Züricher Wirtschaftsanwalt Dr.Werner Stauffacher, der Frau Kirchbach in den letzten drei Jahren ihres Lebens beraten hatte, ihr Erbe angetreten und die Kunstsammlung - allerdings ohne die Fotosammlung - in Besitz genommen. Als Legitimation verwies er auf eine handschriftliche „letztwillige Verfügung“ Hildegard Kirchbachs vom Dezember 1993, dem Monat, in dem sie in das Altenheim „Sanapark“ aufgenommen worden war.

Die Gültigkeit dieses Testaments wird seit nunmehr zehn Jahren von dem Münchner Industriellen Eckbert von Bohlen und Halbach bestritten. Kurt und Hildegard Kirchbach waren seit den fünfziger Jahren mit der Familie Bertholds von Bohlen und Halbach befreundet. 1953 hatte Kurt Kirchbach seine Werke in Düsseldorf an die Bohlen IndustrieGmbH verkauft. Eckbert von Bohlen war 1987 an Stelle seines verstorbenen Vaters Berthold testamentarisch als Erbe von Hildegard Kirchbach eingesetzt worden, mit der Verpflichtung, die in einem separaten Legatentestament festgelegten Vermächtnisse, insbesondere an das Kunstmuseum Basel, auszuführen und den übrigen Nachlaß an gemeinnützige Einrichtungen zu verteilen.

Die „Anderson-Story“

Da mit dem Vermächtnis an das Basler Museum plötzlich öffentliche Belange sichtbar wurden, begannen sich die Schweizer Medien für die „Anderson-Story“ zu interessieren. Die beiden Kontrahenten um das Erbe der Sammlung Kirchbach waren zudem in ihren jeweiligen Ländern prominente Persönlichkeiten. So förderte die Recherche des Politmagazins „Rundschau“ im Schweizer Fernsehen DRS 1998 zutage, daß Werner Stauffacher bereits vor dem Antritt des Kirchbach-Erbes eine Klientin aus einem Altenheim beerbt hatte. Die Angehörigen auch dieser Erblasserin hatten gegen seinen Erbanspruch geklagt, waren aber vor Gericht unterlegen. Im Frühjahr 2002 kam Dr. Stauffacher im Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal um die Kölner Müllverbrennungsanlage erneut in die VIP-Berichterstattung. Zeitungsberichten zufolge soll ihm der Abfallunternehmer Trienekens zehn Millionen Mark für die Beratung bei der Behinderung von Rechtshilfeersuchen deutscher Ermittler in der Schweiz gezahlt haben.

Es dauerte sechs Jahre, bis die Klage von Bohlen gegen Stauffacher im Oktober 2001 am Zivilgericht Basel-Stadt verhandelt wurde. Das Gericht erklärte die letztwillige Verfügung Hildegard Kirchbachs zugunsten von Stauffacher „unter dem Gesichtspunkt der Sittenwidrigkeit“ für ungültig. Da Frau Kirchbach ihrem Anwalt zwei Jahre zuvor eine Generalvollmacht für den Fall erteilt hatte, daß sie selbst nicht mehr voll urteilsfähig sei, sah es das Gericht als gegeben an, daß Stauffacher gegen sein Mandat verstoßen habe, als er, anstatt Frau Kirchbach zwecks Wahrung ihrer Interessen zur Beratung an einen unabhängigen Notar zu verweisen, die ungewöhnliche Erbofferte annahm.

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