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Fotokunst : Weder ein Speicherfund, noch die „Helene Anderson Collection“

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Die Spur führt ins Seniorenheim

Auf welchem wundersamen Weg aber wurde 1997 aus der „Foto-Sammlung Kurt Kirchbach“ die „Helene Anderson Collection“? Nach einem Unfall in ihrer Wohnung war Hildegard Kirchbach im Dezember 1993 in die Basler Seniorenresidenz „Sanapark“ eingezogen. Dort starb sie im Juli 1995 im Alter von achtundachtzig Jahren. Die Leiterin dieses Altenheims war die Deutsche Angelika Burdack; Burdack aber hieß jener Mann, den Helene Anderson in den zwanziger Jahren - das hatten Recherchen in der Heimatortskartei Niederschlesien, der Region ihrer Geburt, ergeben - geheiratet hatte. Angelika Burdack war also mit dem Sohn einer Helene Anderson verheiratet; sein Name war Hans-Joachim Burdack. Dieser hatte zusammen mit seiner Ehefrau die Fotos zehn Monate nach dem Tod von Frau Kirchbach im Mai 1996 bei Sotheby's eingeliefert und als Provenienz der Sammlung den Mädchennamen seiner Mutter angegeben. Hätte die Sammlung tatsächlich der Mutter des Einlieferers gehört, so hätte sie „Helene Burdack Collection“ heißen müssen. Der Abteilungsleiter für Fotografie bei Sotheby's, Philippe Garner eben, hat diese erste Fälschung - laut späterem Bekunden - akzeptiert, um zu verhindern, daß der Kunsthandel zu dem Einlieferer vordringt und durch ein hohes Kaufangebot die Auktion unterläuft: Dies sei im Auktionshandel durchaus üblich.

Wie aber war die Sammlung in die Hände der Leiterin des Altenheims geraten? Unter dem Druck der Veröffentlichung der wahren Provenienz der Sammlung (F.A.Z. vom 29. Januar 1998; „Le Monde“ vom 3. Februar 1998) ließen die Verkäufer, das Ehepaar Burdack, über einen Frankfurter Rechtsanwalt erklären, die 234 Bilder seien Angelika Burdack von Frau Kirchbach zu deren Lebzeiten „als Ausdruck der Freundschaft und Dankbarkeit“ geschenkt worden. Außerdem habe Frau Kirchbach ausdrücklich darum gebeten, „das Geheimnis der Herkunft zu wahren“ und ihren Namen im Zusammenhang mit der Sammlung nicht zu erwähnen.

Frau Kirchbach hatte lediglich die letzten anderthalb Jahre ihres Lebens in dem Basler Altenheim verbracht. Im Mittelpunkt all ihrer testamentarischen Vermächtnisse von 1969 bis 1991 stand die Schenkung der Kunstsammlung, als deren Bestandteil 1975 auch ausdrücklich die Fotosammlung erwähnt war, an das Kunstmuseum Basel. Dieser jahrzehntelange Stiftungsplan spricht nicht für ein Bestreben, die Herkunft der von ihrem Mann aufgebauten Sammlungen zu verschweigen. Im Gegenteil: In einigen der Testamente ist in diesem Zusammenhang direkt von der Einrichtung einer „Kurt-Kirchbach-Stiftung“ die Rede. Zudem war es der Leiterin des Altenheims auf Grund ihres Anstellungsvertrags untersagt, Geschenke mit wesentlichem Geldwert anzunehmen.

Eine Kette juristischer Komplikationen

Einmal publiziert, hatten die Verkäufer die vorgebliche Schenkung gegenüber den Erben von Frau Kirchbach plausibel zu machen. Hier aber begann eine Kette von juristischen Komplikationen, die dazu geführt haben, daß auch heute, acht Jahre nach der Auktion, das Schicksal der „Foto-Sammlung Kurt Kirchbach“, der weltweit ersten privaten Sammlung internationaler moderner Fotografie, noch immer nicht geklärt ist.

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