https://www.faz.net/-gqz-x3i4

Fotokunst : Die Suche geht weiter

  • Aktualisiert am

In London sind jetzt wieder Fotos aus der Sammlung Kirchbach aufgetaucht - sie umfasste 600 Spitzenwerke. Seit Jahren beschäftigen sich die Gerichte mit dem Fall.

          Im Mai 1997 versteigerte das Londoner Auktionshaus Sotheby's eine fulminante Privatsammlung der modernen Fotografie unter dem Namen „The Helene Anderson Collection“. Die kapitalkräftigsten Privatsammler und bedeutendsten Museen der Welt wetteiferten um die darin angebotenen Meisterwerke und bezahlten für ein einzelnes Foto bis zu 100.000 Euro und mehr. Heute, mehr als zehn Jahren später, wissen diese Käufer immer noch nicht, ob sie rechtmäßige Eigentümer ihrer damaligen Erwerbungen sind oder ob sie die kostbaren Fotos eines Tages zurückgeben müssen.

          Denn bereits ein halbes Jahr nach der Auktion konnten wir in dieser Zeitung nachweisen, dass die Provenienz der Sammlung gefälscht war. Bei den 234 Bildern der bedeutendsten Fotoavantgardisten der zwanziger Jahre, unter ihnen Man Ray, El Lissitzky, Edward Weston, László Moholy-Nagy, Umbo und Albert Renger-Patzsch, handelte es sich in Wirklichkeit um einen Teil der internationalen Foto-Sammlung, die der Dresdner Industrielle Kurt Kirchbach in den Jahren 1929 bis 1932 zusammengestellt hatte.

          Umstrittenes Erbe

          Die Witwe des 1967 verstorbenen Kurt Kirchbach, Hildegard Kirchbach, verbrachte die letzten anderthalb Jahre ihres Lebens in einem Basler Seniorenheim, das von einer in Heitersheim im Breisgau lebenden Angestellten namens Angelika Burdack geleitet wurde. Kurze Zeit nach dem Tod Frau Kirchbachs im Juli 1995 lieferte diese gemeinsam mit ihrem Ehemann, Hans-Joachim Burdack, die fraglichen Fotografien bei Sotheby's in London zur Auktion ein und deklarierte sie als Sammlung ihrer Schwiegermutter, deren Mädchenname Helene Anderson war. So wurde aus der „Foto-Sammlung Kirchbach“, der weltweit ersten privaten Sammlung internationaler moderner Fotografie, die „Helene Anderson Collection“, eine nie existierende Sammlung, die auch heute noch in Zeitungsmeldungen, Seminararbeiten und bei Provenienzangaben in Auktionskatalogen herumgeistert.

          Die Frage, ob die Burdacks legitime Eigentümer der Fotografien waren und demgemäß bei der Londoner Auktion überhaupt eine rechtskräftige Eigentumsübertragung stattfinden konnte, harrt bis heute einer gerichtlichen Klärung. Unter dem Druck der Veröffentlichung der wahren Provenienz der Sammlung (F.A.Z. vom 29. Januar 1998) ließen sie über einen Frankfurter Rechtsanwalt erklären, die 234 Bilder seien Angelika Burdack von Frau Kirchbach kurz vor deren Tod „als Ausdruck der Freundschaft und Dankbarkeit“ für gute Pflege geschenkt worden. Allerdings durfte die Heimleiterin laut Anstellungsvertrag keine Geschenke von größerem Wert annehmen. Und klein war dieses angebliche Geschenk nicht: Der Verkauf der Fotografien in London erbrachte seinerzeit umgerechnet rund 5,5 Millionen Mark. Da von den Burdacks weder eine Schenkungsurkunde vorgelegt noch Zeugen für den Schenkungsvorgang benannt werden konnten, haben die Erben der Witwe Kirchbach Strafanzeige wegen unrechtmäßigen Besitzes gegen sie erstattet sowie eine Zivilklage auf Herausgabe des Auktionserlöses gegen sie erhoben.

          Es ist allerdings bis heute unklar, wer überhaupt zur Zivilklage gegen die Burdacks berechtigt ist. Dies liegt daran, dass die Erbfrage in Sachen Kirchbach auch nach zwölf Jahren gerichtlicher Auseinandersetzung nicht geklärt ist. Dabei geht es nicht nur um Geldvermögen und Immobilien, sondern ebenso um eine bedeutende Kunstsammlung, deren Kernstücke Gemälde von Marc und Hodler, Aquarelle von Nolde und ein umfangreiches Konvolut Corinth-Graphiken sind. Drei Parteien beanspruchen dieses Erbe. Werner Stauffacher, ein Wirtschaftsanwalt aus Zürich, von dem Frau Kirchbach in den letzten drei Jahren ihres Lebens beraten wurde, hatte das Erbe sofort nach ihrem Tode angetreten.

          Verfügung wird angefochten

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bayern 3:3 in Amsterdam : „Ein sensationell gutes Spiel“

          Beim 3:3 der Münchner in Amsterdam spielt der Fußball verrückt. Trainer Niko Kovac ist zufrieden. Doch die Partie offenbart einige Baustellen beim FC Bayern. Vor allem einer spricht sie an.

          Vor EU-Gipfel in Brüssel : Maas bleibt hart bei Brexit-Vertrag

          Nach ihrem überstandenen Misstrauensvotum will Theresa May das Brexit-Abkommen in Brüssel nachverhandeln – doch dafür sieht die Bundesregierung kaum Chancen. Man sei „auf alles vorbereitet“, sagt der Außenminister.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.