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Dora Maar als Fotografin : Frau für surreale Augenblicke

Dora Maar, „Nusch Éluard am Strand La Garoupe“, Sommer 1937, Silbergelatineabzug (Kontaktabzug), 6,4 mal 6 Zentimeter, Taxe 1500 bis 2000 Euro Bild: Artcurial

Sie war Künstlerin, dann erst wurde sie Picassos Muse. In Paris werden unbekannte Fotografien aus dem Nachlass von Dora Maar versteigert: eine einmalige Gelegenheit für Sammler.

          2 Min.

          Als einen exzeptionellen Schatz kündigt Artcurial in Paris die Auktion am 27. und 28. Juni an: „Dora Maar, inédits, fonds photographique“. Es geht um größtenteils bislang unveröffentlichtes Material aus dem Archiv von Dora Maar, vornehmlich aus dem fotografischen Nachlass. 750 Abzüge sind in 400 Lose eingeteilt: Fast jedes Los besteht aus dem Originalnegativ, einem zeitgenössischen Kontaktabzug und einem modernen Abzug im Format von rund 40 mal 30 Zentimetern, gestempelt „Succession Dora Maar“ und nummeriert, der in einer Auflage von bis zu fünf produziert werden kann.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton.

          Artcurial baut auf die inzwischen eminente Zugkraft des Namens. Geboren wurde die Frau, die sich seit Anfang der Dreißigerjahre Dora Maar nannte, als Henriette Theodora Markovitch 1907 in Tours. Sie war Tochter eines kroatischen Architekten und einer französischen Mutter. Aufgewachsen in Buenos Aires, kehrte sie um 1920 nach Frankreich zurück. In Paris studierte sie Malerei und besuchte die École technique de photographie et cinématographie. Als eine „nouvelle femme“ war sie hoch ausgebildet, attraktiv, exzentrisch, ambitioniert und erfolgreich bei der kommerziellen Verwertung ihrer Arbeiten in wichtigen Publikationen, die noch sämtlich in den Händen von Männern lagen.

          Selbstporträt: Dora Maar mit Blumenkrone, 1939, Silbergelatineabzug, 6 mal 6 Zentimeter, Taxe 1500 bis 2000 Euro Bilderstrecke
          Dora Maar : Fotografien aus dem Nachlass

          Dora Maar nutzte ihre technische Perfektion mit der Kamera seit Ende der Zwanzigerjahre für alle damals aufgekommenen Möglichkeiten des Mediums: die Reportage, Akt- und Modefotografie, Porträts. Schon damals erlangte sie mit ihren surreal experimentierenden Fotomontagen Bekanntheit, verkehrte im Zirkel der Surrealisten, gehörte der linksaktivistischen „groupe Octobre“ an, dann der „Contre-attaque“-Bewegung. Mit deren Gründer, dem Schriftsteller und Philosophen Georges Bataille, hatte sie eine Liaison, ehe sie 1936 ihre Beziehung mit Picasso begann. Erwartungsgemäß geriet sie im folgenden Jahrzehnt in dessen überdimensionalen Schatten, obwohl sie als Künstlerin schon zuvor für sich gestanden hatte.

          Viele der nun angebotenen Bilder sind eher als Schnappschüsse zu bezeichnen, entstanden Anfang der Dreißiger- bis Mitte der Vierzigerjahre, meist nicht zur Veröffentlichung vorgesehen. Dennoch ist in ihnen die eigenständige Bildsprache Dora Maars erkennbar. Immer wieder hält sie Straßenszenen in großen Städten fest, Menschen von den Rändern der Gesellschaft oder Kinder. Sie findet unerwartete Perspektiven und Szenarien, wie 1934 eine Skulptur aus dem Pazifik zu Füßen der Säulen des British Museum in London (Taxe 1200 bis 1800 Euro). Insgesamt liegen die niedrigen Schätzungen zwischen 800 und 4000 Euro. Es wird interessant sein, wen diese massive Offerte anspricht. Vorstellbar sind Museen, Sammler von Fotografie oder Anhänger Dora Maars, die ein Souvenir haben wollen.

          Porträts und Fotogramme

          Zu den möglichen Favoriten zählen Selbstpor­träts, vor allem wohl aber die Porträts von Picasso, wie eines, das ihn um 1940 im Badezimmer seines Ateliers in der Rue des Grands Augustins zeigt (2000/3000). Zum Kreis um Picasso und Dora Maar gehörten die Malerin und Fotografin Jacqueline Lamba, die mit André Breton verheiratet war, und Nusch Éluard, die Frau des Schriftstellers Paul Éluard, die Dora Maar 1937 in Antibes fotografierte (1500/2000 bis 3000/4000). In den Achtzigerjahren beschäftigte Dora Maar sich noch einmal mit Fotogrammen. Zur Offerte gehören eigenwillige Experimente wie „Squelettes, disque et fenêtre“ (1500/2000).

          Die Spitzenpreise für fotografische Werke Dora Maars reichen in den sechsstelligen Bereich, legendär ist ihr surrealistisches „Portrait d’Ubu“ von 1936, die Aufnahme eines weichhäutigen Aliens, vermutlich des präparierten Embryos eines Gürteltiers, von dem ein Silbergelatineabzug 2006 bei Sotheby’s in Paris für knapp 150.000 Euro zugeschlagen wurde. Mit solchen Summen ist bei Artcurial nicht zu rechnen, aber es könnte einige Überraschungen geben.

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