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Fotografie : Ikonen im Plakatformat

Neue Abzüge von William Egglestons Meisterwerken bringt Christie’s zur Auktion. Der Fotograf hat sie selbst zusammengestellt. So entstand ist ein „Best of“ seines Œuvres.

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          Unbescheidener kann man eine Auktion kaum nennen, und doch ist jeder Superlativ zu niedrig gegriffen für die Versteigerung von „Photographic Masterworks by William Eggleston“ am 12. März bei Christie’s in New York. Denn was der Katalog präsentiert, sind nicht einfach die 36 Lose einer vermutlich überschaubar kurzen Veranstaltung, sondern das „Best of“ eines OEuvres, in dem die amerikanische Farbfotografie zu ihrem Höhepunkt gefunden hat.

          Freddy Langer
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Ob das Dreirad aus der Kinderperspektive oder der Blick hinauf zur Werbetafel einer Tankstelle irgendwo in Amerikas tiefem Süden; ob der traurig dreinschauende Herr auf dem Hotelbett oder die Dame im blauen Kleid auf der gelb gestrichenen Bordsteinkante; ob die rote Zimmerdecke in einem fragwürdigen Etablissement oder die grün gekachelte Dusche: keines der Eggleston-Bilder mit Ikonenstatus fehlt. Und kein Museumskurator hätte eine bessere Auswahl treffen können. Die Zusammenstellung aber stammt von Eggleston selbst. Und die Abzüge wurden allesamt neu hergestellt - einheitlich im Format 112 mal 152 Zentimeter, einer Größe, die auf dem Fotokunstmarkt schon lange niemanden mehr erschreckt, die aber für Abzüge von William Eggleston bisher ausgeschlossen schien.

          Nur hintergründig erzählt William Eggleston in seinen Bildern vom geistigen Zustand der amerikanischen Gesellschaft, und erschreckend oft sind sie geprägt von einer tief empfundenen Melancholie. In erster Line aber geht es Eggleston auf fast schon paradoxe Weise um die Buntheit der Welt. Seine Bilder sind mitunter wahre Feuerwerke mit Farben von einer Reinheit und Leuchtkraft, wie es sie zuvor in der Fotografie kaum jemals gab. Das lag nicht zuletzt am benutzten Material: den Dye Tranfer Prints, einem Verfahren, dass so aufwendig ist, dass es nur verhältnismäßig kleine Formate zulässt. Längst aber lässt sich mit modernen Techniken wie dem Pigmentdruck die Strahlkraft eines Bilds ins schier Unermessliche übertragen. Das brachte Eggleston - oder zumindest den regen „Eggleston Artistic Trust“ - auf diese eine Idee.

          Dass das Negativ eine Partitur sei, die der Fotograf in seinem Labor auf immer neue Weise interpretieren könne, schrieb freilich schon Ansel Adams, der große Landschaftsfotograf. William Eggleston hat sich nun für die ganz große Oper entschieden. Die Schätzpreise für die Bilder in einer Auflage von jeweils nur zwei Exemplaren reichen von 30.000 Dollar für eine geparkte Limousine bis zu 300.000 Dollar für das Dreirad.

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