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Fotografie : Die Puppe, die Idealfrau

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Großmeister der „piktorialistischen“ Fotografie

Museales Niveau bietet auch Rudolf Kicken, der seine Heinrich-Kühn-Ausstellung mit dem provozierenden Untertitel „Big Pictures“ versieht. Kühn war um 1900 in Europa der Großmeister einer an Malerei orientierten „piktorialistischen“ Fotografie. Und deren „Edeldrucke“ erforderten so viele graphische, fotochemische und handwerkliche Arbeitsgänge, dass solche Abzüge prinzipiell rar und in großem Format, wie die Franzosen so schön sagen, geradezu „rarissime“ sind.

Eine Ausstellung nur mit Großformaten ist also etwas Besonderes, und wenn man die geschmackvoll gehängte Ausstellung bei Kicken sieht, kann man auf Anhieb nachempfinden, wie die Kunstfotografen des Fin de siècle mit solch gemäldehaften Formaten die Museumswände eroberten, wobei der heutige Betrachter eher die Bilder bevorzugt, die am wenigsten an Worpswede erinnern und stattdessen etwas genuin Fotografisches haben: Es kann sich in der schnappschusshaften Intimität eines Interieurs ebenso äußern wie in der vereinfachten Geometrie einer Landschaft. Das größte Format bei Kicken misst 77 mal 59 Zentimeter; die Preise beginnen bei 30.000 und enden, von einem Ausreißer abgesehen, bei 100.000 Euro. (Bis 21. April.)

Verfremdete Idealfrau

Kicken und Berinson liegen im mittlerweile „alten“ Galeriezentrum von Berlin-Mitte, aber auch der jüngere Galerienbezirk am Checkpoint Charlie kann mit zwei monographischen Fotoausstellungen aufwarten. Isabella Czarnowska (vormals Kacprzak) dokumentiert unter dem Titel „Ninfa moderna 1968 - 1989: Vera Lehndorff, Holger Trülzsch“ die lange Zusammenarbeit des Fotografen mit seinem Modell. Trülzsch hat seine Idealfrau in Fotografien, als Gipsabguss und in graphisch verfremdeten „Oxydographien“ verewigt - allesamt Zeugnisse einer nicht nachlassenden Huldigung, die den Charme von Modefotografie und Werbung virtuos in die Ästhetik fotografischer Performance überführt. Die Abzüge sind Unikate oder haben Auflagen von fünf; die Preise bewegen sich zwischen 4000 und 20.000 Euro. (Bis 14. April.)

Die Galerie Nordenhake schließlich bietet eine repräsentative Übersicht über die beeindruckende Körperfotografie von John Coplans. Coplans, Kunstkritiker von Rang, begann 1984, schon jenseits der sechzig, sich selbst zu fotografieren. Er inszeniert die Körperteile vor der Kamera in ausgefallenen Posen, und dieser Schuss augenzwinkernden Humors macht seine Fotokunst spielerischer als die brutale Choreographie etwa der Bruce-Nauman-Videos. Souverän fügt Coplans seine Aufnahmen schließlich zu fast skulpturalen Diptychen und Triptychen zusammen. In Auflagen von sechs oder zwölf liegen die Preise bei 10.000 bis 40.000 Euro. (Bis 14. April.)

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