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Fotografie : Der andere Robert Mapplethorpe

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Für diese Ausstellung hat sich die Galerie Thaddaeus Ropac in Paris ein ganz besondere Kuratorin gesucht: Sofia Coppola. Sie zeigt dabei eine neue Facette des amerikanischen Fotografen.

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          Nach dem Theaterregisseur Robert Wilson und dem Modedesigner Hedi Slimane hat die Galerie Thaddaeus Ropac nun die Filmregisseurin Sofia Coppola gebeten, aus dem reichen Fundus der Robert Mapplethorpe Foundation in New York eine Ausstellung für die Pariser Galerieräume zusammenzustellen. „Robert Mapplethorpe curated by Sofia Coppola“, eine Auswahl von vierzig Bildern, überrascht mit einer weniger bekannten Facette des 1989 im Alter von 42 Jahren gestorbenen amerikanischen Fotografen.

          Sofia Coppola wählte aus den Porträts oder Aktaufnahmen, die zu den Ikonen der Fotografie des 20. Jahrhunderts gehören, nur spärlich aus, und sie ließ die provokanten erotischen Szenen weg. Stattdessen konzentrierte sie sich auf einen intimeren Aspekt von Mapplethorpes Werk. Ihre Bildergalerie lässt eine sanfte, scheinbar harmlose Atmosphäre entstehen, wie wir sie aus ihren Filmen „The Virgin Suicides“ oder „Lost in Translation“kennen. Mit ihrer Wahl, größtenteils Silbergelatine-Abzüge vom Format 40,6 mal 50,8 Zentimeter, offenbart Sofia Coppola den liebevollen, aber keineswegs sentimentalen Blick des Fotografen auf Kinder wie „Honey“ (1976) oder „Melia Marden“ (1983) und Tiere: Der Hund „Muffin“ (1981) erscheint wie eine stolze, pelzumhüllte alternde Diva, und das leicht verschreckte „Kitten“ in der Sofaecke (1983) erkennt man erst auf den zweiten Blick.

          Den äußerst stilisierten Porträts von „Paloma Picasso“ (1980) und „Marisa Berenson“ (1983), deren sommersprossiger Rücken mit dem marmorweißen Profil kontrastiert, stehen die weniger förmlichen und einfühlsameren Aufnahmen von „Annabelle’s Mother“ (1978) und „Stella Astor“ (1976) gegenüber. Die klassischen Blumenstillleben, meist Orchideen, bilden in der Auswahl Sofia Coppolas den Kontrapunkt zum horizontalen Motiv der „Waves“ (1980, 1981) und einer kontemplativen „Winter Landscape“ (1979). „Puerto Rico“ (1981) gibt als Schnappschuss einer Kokospalme im Wind ein eher banales Motiv wieder, zugleich lebendig und monumental. (Die Preise für die Abzüge, in Auflagen von fünf bis fünfzehn Exemplaren, liegen zwischen 12.000 und 50.000 Dollar.) Die einzige Farbaufnahme des Ensembles, „Cattleya Orchid“ (1982, Auflage 5/6), kostet 90.000 Dollar. Ihr Verkaufserlös dient der Robert Mapplethorpe Foundation zur Förderung von Fotografie und Aidsforschung.

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