https://www.faz.net/-gqz-rfrd

Fotografie : Bei Licht betrachtet: Rechtsprobleme beim Handel mit Fotografien

  • -Aktualisiert am

Die Schaffensfreiheit des Künstlers

Daneben ist es aber für Fotokünstler auch durchaus üblich, verschiedene Editionen desselben Motivs zu produzieren - in unterschiedlichen und deutlich unterscheidbaren Formaten oder Ausschnitten freilich; denn identische Nachauflagen sind auch nicht von der rechtlich geschützten Schaffensfreiheit des Künstlers gedeckt. Die Schaffensfreiheit des Künstlers ist zum einen nur dann schutzwürdig, wenn die Nachauflage eindeutig als Neuabzug gekennzeichnet ist. Dann bestehen Einwände höchstens aus künstlerischer, nicht aber aus rechtlicher Sicht. Zum anderen hat sich eine Nachauflage einer Fotografie, ist sie nicht eindeutig als solche bezeichnet, dann zumindest in Umfang und Maß des einzelnen Neuabzugs zu unterscheiden. Also gilt: Der einzelne Neuabzug darf ohne entsprechend eindeutige Kennzeichnung keine verwechslungsfähige Reproduktion des ursprünglichen Abzugs sein.

Nachvertragliche Handlungs- und Unterlassungspflichten

Unabhängig von einer ausdrücklichen Exklusivitätsgarantie besteht für den Künstler aber auch eine vertragliche Enthaltungspflicht, keine derartigen Nachauflagen anzufertigen: In der Rechtsprechung und im juristischen Schrifttum ist es anerkannt, daß auch nach der eigentlichen Vertragsabwicklung nach Treu und Glauben gewisse nachvertragliche Handlungs- und Unterlassungspflichten bestehen können. Dem Vertragspartner sollen die durch den Vertrag gewährten Vorteile nicht wieder entzogen oder vermindert werden, wodurch der Vertragszweck gefährdet oder vereitelt werden könnte. Eine wertmindernde Nachauflage käme dieser Vertragsvereitelung gewiß sehr nahe.

Rechtssicherheit für Zweitkäufer

Was gilt aber, wenn zwischen den Beteiligten gar kein (Kauf-)Vertragsverhältnis besteht? Dies betrifft vor allem die Zweitkäufer einer Fotografie, die in den seltensten Fällen über eine vertragliche Beziehung zum Künstler oder Erstgaleristen verfügen, sondern lediglich zu einem privaten Sammler oder weiteren Galeristen. Denkbar ist dann, daß die Bezeichnung einer Fotografie als aus einer bestimmten Auflage stammend (zum Beispiel 4/8 = Nummer 4 aus einer Auflage von 8 Fotografien) ein selbständiges Garantieversprechen des Künstlers darstellt, daß von einer Fotografie eben nur eine bestimmte Anzahl von Abzügen existiert und es sich bei der vorliegenden um eine bestimmte Nummer daraus handelt. Dies hat für die Rechtssicherheit des späteren Erwerbers einen entscheidenden Vorteil: Zum einen kann der Zweitkäufer sich sicherheitshalber die Ansprüche seines Vorbesitzers gegenüber dem Künstler abtreten lassen. Zum anderen kann er dann eigene Ansprüche gegen „seinen“ Verkäufer geltend machen. Werden die Ansprüche gegenüber einem Galeristen oder Händler verfolgt, sind diese unter Umständen nachfolgend gezwungen, sich wiederum bei dem betreffenden Fotografen schadlos zu halten.

Letztlich ist der Handel gefordert, sich verbindliche Regeln über seine Gepflogenheiten zu geben. Diese gilt es dann einzuhalten und zu überwachen. Ein etwaiger Verstoß gegen die vereinbarte Branchenübung muß mißbilligt und unter Umständen dann auch sanktioniert sein. Die wilden Gründerjahre des Fotografie-Markts sind vorbei. Der funktionierende Markt hat sich Form und Inhalt zu verleihen, um auch in Zukunft seine Attraktivität nicht zu verlieren.

Weitere Themen

Warnung vor dem Hund

Schnäppchen : Warnung vor dem Hund

Die hessische Polizei warnt: Bei einem „Ballon Dog“ von Jeff Koons könnte es sich um Diebesgut handeln.

Topmeldungen

Mit sehr vielen Subventionsmilliarden treibt der Staat beispielsweise den Ausbau der Windenergie voran.

Staatliche Investitionspolitik : Finanzpolitik aus der Mottenkiste

Die Idee, staatliche Investitionsprogramme für Klimaschutz, Bildung und Digitalisierung auf dem Reißbrett zu planen, hat nichts Progressives an sich. Sie erinnert an die Naivität, mit der linke Politiker früher staatliche Investitionslenkung chic fanden.
Ein Journalist zeigt eine Kopie der Fotomontage, die der chinesische Diplomat Zhao Lijian am Montag auf Twitter postete: Das Bild zeigt einen australischen Soldaten, der einem Kind ein blutiges Messer an die Kehle hält.

Fotomontage empört Australien : „Die chinesische Regierung sollte sich schämen“

Ein Pekinger Diplomat kritisiert australische Kriegsverbrechen und postet eine Fotomontage eines australischen Soldaten, der einem Kind ein blutiges Messer an die Kehle hält. Scott Morrison ist empört – und fordert eine Entschuldigung.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.