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Fotografie : Bei Licht betrachtet: Rechtsprobleme beim Handel mit Fotografien

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Rechtliches Neuland

Dabei gilt es zu beachten: Der Jurist, der sich mit den Rechtsproblemen künstlerischer Fotografie befaßt, betritt oftmals rechtliches Neuland. Einschlägige Gerichtsentscheidungen sucht man meist vergebens, was nicht zuletzt der Diskretion der Beteiligten geschuldet sein dürfte. Streitigkeiten, die es zweifelsohne gab und gibt, werden in aller Regel ohne die Hilfe staatlicher Gerichte beigelegt. Der Handel mit künstlerischer Fotografie findet deshalb aber nicht im rechtsfreien Raum statt: Denn für andere Bereiche der seriellen Kunst - insbesondere die Druckgraphik - gibt es schon seit längerem juristische Grundsätze, die wegen der ähnlichen Interessen- und Sachlage im großen und ganzen auch auf die Fotokunst Anwendung finden können.

Das Problem der Neuanfertigung

Wie bei jedem Sachkauf hat der Fotograf oder der Galerist, der einen „Abzug“ - also das durch fotografische Verfahren hergestellte, mehr oder weniger dauerhafte Bild - verkauft, dafür einzustehen, daß dieser auch den marktüblichen Qualitätsanforderungen und Standards entspricht, daß nämlich, wie es juristisch heißt, die Ist- mit der vereinbarten oder zumindest marktüblichen Soll-Beschaffenheit übereinstimmt.

Sollte ein Mangel vorliegen, kann der Käufer die üblichen Gewährleistungsrechte geltend machen. Er kann also vom Verkäufer die Beseitigung des Mangels oder die Lieferung eines neuen, mangelfreien Abzugs verlangen. Da solche Mängel an Fotografien, abgesehen von den Möglichkeiten der Restaurierung bei Beschädigungen, häufig irreparabel sind, kommt in aller Regel nur die Neulieferung in Betracht. Dies kann allerdings in der Praxis problematisch sein, insbesondere wenn es sich um eine limitierte Auflage handelt, da der Verkäufer dann unter Umständen keinen vergleichbaren Abzug mehr zur Hand hat, der dem mangelhaften entspricht und den er anstelle des mangelhaften übergeben könnte. Hier kann der Käufer dann einen geringeren Kaufpreis zahlen oder von dem Geschäft zurücktreten. Ob der Mangel mit einer Wertminderung einhergeht, ist dabei unerheblich. Es fragt sich aber, inwieweit die Neuanfertigung exakt des gleichen Exemplars mit derselben Auflagenkennzeichnung durch den Künstler zulässig ist, sofern das alte Exemplar zweifelsfrei zerstört worden ist.

Mängel an Abzügen, wie Verfärbungen oder andere Veränderungen, zeigen sich indes häufig erst nach vielen Jahren. Dann sind Gewährleistungsansprüche gegen den Verkäufer meist aber nicht mehr durchsetzbar, da solche beim Sachkauf innerhalb von zwei Jahren nach Übergabe verjähren. Hier wird sich der Käufer nur mit einer entsprechenden Garantieerklärung des Verkäufers behelfen können, durch die die Verjährungsfrist hinausgeschoben wird.

Einfluß auf den Wert existierender Editionen

Aber nicht nur Mängel am konkreten Werkstück können sich wertmindernd auswirken. Da der Wert eines Abzugs maßgeblich von der Limitierung der Edition abhängt, kann auch die Herstellung von Nachauflagen durch den Künstler selbst den Wert schon existierender Editionen beeinträchtigen. Damit aber nicht genug: Welche - nicht nur juristische - Bedeutung für die Auflagen-Definition hat die Bezeichnung einer Fotografie mit den Kürzeln „A.P.“ (“Artist Proof“) oder „P.P.“ (“Printer's Proof“) oder auch die Bezeichnung einer Fotografie als Museums- oder Ausstellungsabzug? Wann spricht man bei einer Fotografie von einem Unikat? Voraussetzung ist daher, daß die Auflagenangaben eines Fotografen korrekt sind und dieser nicht später noch Mehrstücke, also zusätzliche Originale, produziert. Eine integre Haltung von allen Beteiligten, von Künstler und Galerist, bezüglich der zugesicherten Auflage ist deshalb unabdingbar.

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