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„Fine Art“ bei Van Ham : Frauen am Rhein

  • -Aktualisiert am

Artemisia Gentileschi, „Die Heilige Maria Magdalena“, ca. 1650-1654, Öl auf Holz, 68 mal 48 Zentimeter, Schätzpreis 30.000/40.000 Euro. Bild: Van Ham

Große Kunst aus dem Barock kommt von Artemisia Gentileschi und Sofonisba Anguissola: Auktionen mit alter Kunst bei Van Ham in Köln.

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          Schlafend liegt Samson da, neben ihm die schöne Delilah, die von einer alten Frau im Hintergrund eine Schere gereicht bekommt, um den Helden seiner kraftbringenden Haarpracht zu berauben. Auf marktfrischen 152 mal 193 Zentimetern präsentiert sich die bewegte Szene, die über mehr als hundert Jahre lediglich der italienischen Schule zugeschrieben wurde: Nun kam heraus, dass der Bologneser Künstler Lionello Spada wohl im zweiten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts das großformatige Werk schuf, das auf 50.000 bis 80.000 Euro taxiert ist: Es geht als Toplos bei Van Hams „Classic Week“ am 2. Juni in Köln an den Start.

          Unter den 282 offerierten Losen der „Fine Art“ stechen besonders die Werke von drei Künstlerinnen heraus: Zu einem der Lieblingsthemen von Artemisia Gentileschi zählte die Darstellung der Maria Magdalena in Ekstase. Die angebotene, 68 mal 48 Zentimeter messende Version, aus deutschem Privatbesitz stammend, malte die Barockkünstlerin unter der Assistenz von ihrem Mitarbeiter Onofrio Palumbo zwischen 1645 und 1650; sie soll 30.000 bis 40.000 Euro erlösen. Artemisias Zeitgenossin Sofonisba Anguissola ist mit dem Porträt eines jungen Knaben vertreten, dessen elegante Kleidung und wissendes Lächeln auf adlige Herkunft schließen lassen. Die 37 mal 28 Zentimeter kleine Holztafel kommt marktfrisch aus einer Schweizer Sammlung und stammt vermutlich aus der sizilianischen Zeit der Künstlerin, als Anguissola 1573 den Gouverneur von Paternò heiratete (Taxe 35.000/45.000 Euro). Beide Barockkünstlerinnen sind aktuell in der großen Schau des Palazzo Reale in Mailand vertreten, die noch bis Juli läuft.

          Sofonisba Anguissola, „Portrait eines Kindes“, 37 mal 28 Zentimeter, Schätzpreis 35.000/45.000 Euro.
          Sofonisba Anguissola, „Portrait eines Kindes“, 37 mal 28 Zentimeter, Schätzpreis 35.000/45.000 Euro. : Bild: Van Ham

          Und Emilie Preyer zeigt mit einem ihrer detaillierten und feinen Stillleben von Früchten und Nüssen, dass sie ihrem Vater, dem Düsseldorfer Stilllebenmaler Johann Wilhelm Preyer, in nichts nachsteht (20.000/25.000). Von Carl Spitzweg kommt die liebliche Genredarstellung „Der Wäscheplatz vor der Kleinstadt“ von 1879 zum Aufruf, die erst bei genauem Hinsehen amüsante Details preisgibt: etwa die müßige Arbeit der Wäscherin, die sowohl Katze als auch Kleinkind davon abhalten muss, über die frischen Stoffbahnen zu laufen, die zum Bleichen in der Sonne liegen (50.000/70.000). Auf je 40.000 bis 60.000 Euro taxiert sind zwei Ölgemälde von Joos van Cleve und Ridolfo del Ghirlandaio, die die „Heilige Familie“ und „Madonna mit Kind“ darstellen.

          Parrasio Michiel hielt auf seinem großformatigen Bild „Triumph der Venus“ drei Grazien fest, deren nackte Körper in unterschiedlichen Ansichten gezeigt werden. Während sich die mittlere Frau ganzfigurig und das Bildformat vertikal ausfüllend an eine Steinbank lehnt, sind von den beiden anderen Nebenfiguren, die sie flankieren, nur Rücken und Profile zu erkennen (40.000/60.000). Eine niedliche Kindergruppe von Friedrich Kallmorgen, die am Hochufer der Elbe bei Lauenburg spielt, liegt bei 30.000 bis 40.000 Euro. Franz Xaver Simms elegante „Harfenspielerin“ ist auf 20.000 bis 25.000 Euro geschätzt. Insgesamt soll Van Hams Auktion mit Fine Art 820.000 Euro einspielen.

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