https://www.faz.net/-gqz-9sd1y

Fiac Paris : Etwas verspielt, keine Risiken

  • -Aktualisiert am

Die 46. Foire Internationale d’Art Contemporain (Fiac) in Paris setzt auf sichere Werte.

          4 Min.

          Am Eingang zum Grand Palais in der Avenue Winston Churchill wird der Besucher von einer Installation empfangen, die bauschige Fäden schlingernd in die Luft bläst. Es ist eine der skurrilen Maschinen vom belgischen Künstler Vivien Roubaud: „Sucre cristal n° 3“ speit tatsächlich Zuckerwatte, die je nach Windböen poetische Filamente bildet, die von denen, die davon klebrig umzingelt werden, begeistert probiert oder schimpfend vom Mantel geklopft werden. Wer in die Luft guckt, entdeckt die rote Leuchtschrift von Sylvie Fleury oben am Dach des Petit Palais: „Yes to all“ lautet der ironische Spruch (95.000 Euro bei der Galerie Ropac) und scheint symptomatisch für die derzeit überbordende Kunstszene der Stadt.

          Sonst bleibt bei der Fiac, der Pariser Messe für zeitgenössische Kunst, alles beim bewährten Alten. Sie hat in den vorigen Jahren, unter der Leitung von Jennifer Flay, ihre wiedergewonnene Stärke als eine der weltweit wichtigsten Messen konstant bewiesen. Und sie hat ihr optimales Format gefunden: Neben der eigentlichen Messe bieten die frei zugänglichen Außensektoren mit dem „Hors les murs“-Parcours und der kuratierten Sektion „Fiac Projects“ vor und im Petit Palais ein reiches Programm. Nun reden schon alle vom großen Umzug, denn von 2021 an wird der Grand Palais restauriert. Dann wird auch die Fiac in ein provisorisches Gebäude verlegt, das für vier Jahre auf dem Champ-de-Mars hinter dem Eiffelturm in die Wiesen gesetzt wird.

          Diesmal treten 199 Galerien aus 29 Ländern an. Im Gesamteindruck wirkt die 46. Ausgabe der Fiac gediegen und unaufgeregt, allenfalls etwas verspielt. Anlass zu Kontroversen wird sie nicht geben. Es scheint ein Bedürfnis nach Sicherheit zu geben, nach sicheren Werten wie nach Konsens. Auf überdimensionale Blickfang-Werke wird weitgehend verzichtet. Die große knallige Blume von Yayoi Kusama, die für zwei Millionen Dollar am Stand von Victoria Miro blüht, bildet eine Ausnahme. Kusama hat außerdem die Place Vendôme im Außen-Parcours mit einem aufblasbaren, zehn Meter hohen Kürbis bestücken dürfen, ein beliebtes Fotomotiv. Selbst die Megagalerie Gagosian, die sonst ihre BlueChip-Künstler gruppiert, notorisch ohne Preisangaben und Beschriftungen, hat diesmal einen historischen Stand kuratiert. Er führt an die Französische Riviera der fünfziger Jahre und kopiert die von Jean Cocteau einst mit mythologischen Figuren bemalten Wände der Villa Santo Sospir; gezeigt werden Werke von Picasso und Calder, Giacometti oder Léger.

          Auch einige andere Galerien wollen – obwohl das Feld Kunstmarkt heißt – keine Preise nennen, schon gar nicht, wenn es teuer wird. Bei Thaddaeus Ropac lässt sich in aller Transparenz in Erfahrung bringen, dass der Hauskünstler Georg Baselitz pekuniär aufgewertet wurde. Im nächsten Jahr steht die große Retrospektive im Centre Pompidou an; derzeit zeigt Ropac in seiner Dependance im Pariser Vorort Pantin jüngste Werke. Am Stand hängt ein Gemälde von 2019 mit der schon bekannten, auf dem Kopf stehenden Silhouette zweier wie im Licht zitternder Körper; es wurde für 1,2 Millionen Euro verkauft. In Frankreich hält Pierre Soulages die Position des großen abstrakten Altmeisters der Gegenwart; er wird im Dezember, zu seinem hundertsten Geburtstag, mit einer Louvre-Ausstellung geehrt. Karsten Greve vertritt sein Werk und zeigt drei der „outre-noir“-Gemälde aus jüngerer Zeit (von 800.000 bis 1,55 Millionen Euro).

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die zweite Woche öffentlicher Anhörungen in den Impeachment-Ermittlungen beginnt.

          Amtsenthebungsermittlungen : Der Oberstleutnant und der Amigo

          In den Impeachment-Ermittlungen im Kongress werden heute Alexander Vindman und Kurt Volker angehört. Die Demokraten wollen der Öffentlichkeit darlegen, wie Donald Trump die Ukraine-Politik für seine Wiederwahl missbrauchen wollte.

          Hongkonger Aktivisten umstellt : „Sie vertrauen der Polizei nicht“

          Bis zu 500 Protestler könnten an der Polytechnischen Universität in Hongkong von der Polizei eingekesselt sein. Aus Angst vor Festnahmen weigern sie sich, den Ort zu verlassen. Regierungschefin Lam schloss den Einsatz von Gewalt nicht aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.