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Fiac : Es wird eng im Grand Palais

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Unter Inflationsdruck: Die 39. Ausgabe der Fiac, der Pariser Messe für Gegenwartskunst, begeistert mit Eleganz und namhaften Galerien. Doch man spürt die Folgen der europäischen Finanzkrise.

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          Die geschwungene Steintreppe zwingt zum ruhigen Schritt. Im sanften Bogen geht es hinauf zum Salon d’Honneur des Grand Palais. Von hier oben hat man alles im Blick; ein enges Geflecht aus weißen Stellwänden, darüber der freie Blick bis zur Glasdecke des Grand Palais. Dort scheint der Raum grenzenlos, doch unten wird es langsam eng. Auf der Pariser „Foire Internationale d’Art Contemporain“ treten in diesem Jahr 182 Aussteller an, die - um die mittlerweile rund 485 Euro pro Quadratmeter wieder reinzuholen - ein kleinteiliges Angebot mitgebracht haben.

          Die Fiac ist die teuerste Messe für Gegenwartskunst. Wie jede ihrer Art windet sie sich unterm Neuerfindungsdruck. Die Frieze Art Fair hat sich gerade mit ihrer Erweiterung um Alte Kunst behauptet, mit der Frieze Masters. Das asset in Paris ist die Eleganz; es gibt keine Gruselecken mit überdrehten Aktionen - eine Messe für strenge Ästheten.

          Die Hülle hält jedoch nicht bedeckt, was hervorbricht, wenn die riesenhafte Skulptur von Paul McCarthy „Static (Brown)“ bei Hauser & Wirth zum Blickfang wird. Sie zeigt im Stand-Karree von Perrotin, Hetzler und Matthew Marks George Bush in fraglicher Pose mit einem Schwein - und soll von 2012 sein. Doch man kennt das Motiv schon von Schauen 2010 und 2011; jetzt kostet es 2,5 Millionen Dollar. Muss man dafür nach Paris reisen? Am nächsten Platz - von Zwirner, Gagosian und Greve - blendet Marian Goodman mit Pierre Huyghes bereits beackertem Spruch „I Do Not Own Snow White“ von 2006, in Neonröhren die Wand entlang.

          Im Hauptsaal nerven keine Kategorien, wie sie andere Messen inflationär markieren - Galerien, die jünger als fünf Jahre sind, und Künstler unter vierzig, Einzel- und besondere Gruppenausstellungen. Aber auf der Fiac schwimmt man durch ein weißes Kojenmeer. Ein Open Space, wie es ihn früher auf der Art Cologne gab, könnte diese Eintönigkeit durchbrechen. Da erwischt man sich beim Schwelgen in Erinnerungen, denkt an den Parcours, den die Fiac 2009 der Gegenwartskunst gegenüberstellte, mit Werken im zweistelligen Millionenbereich.

          Der Rundgang endete damals in einem feierlichen Bacon-Raum: Sein „Porträt of George Dyer Talking“ bei L & M aus New York hatte seinen Preis von vierzig Millionen Dollar. Diese Preisdramatik fehlt jetzt vollkommen. Sie wird höchstens durch Besuche des französischen Millionärs François Pinault angedeutet, der gemeinsam mit dem Belgien-Übersiedler Bernard Arnault kam, oder durch das Auftreten von Alberto Mugrabi oder Omer Koc aus der Türkei.

          Reißt man sich vom Anblick unten los und geht weiter hinauf, öffnet sich der gerade renovierte „Ehrensalon“, in dem zum ersten Mal zwanzig Galerien ihre Kunst zeigen. Von hier aus erreicht man auch einen langen Gang, in dem sich weitere kleine Parzellen reihen. Dort drängen sich die Aussteller, die bis vor zwei Jahren noch in einem unwirtlichen Zelt am Louvre unterkamen - und immer noch von ihrer Dankbarkeit zehren, nun Teil des Grand Palais zu sein.

          Im Salon d’Honneur knarzt Parkett, das man sonst nur von kleinen Residenzmessen aus Österreich gewohnt ist. Über den Köpfen, nicht allzu fern: Stuckdecke. In gediegener Atmosphäre sollen hier Aussteller ihr Gespür beweisen, neue Künstler zu etablieren. In diesen Gängen pulsiert etwas, das man bislang von der Fiac nicht kannte: Bei Ellen de Bruijne Projects aus Amsterdam zeigt zum Beispiel Gerlach en Koop, dass „No two things can be the same“, indem er zwei Büromülleimer ineinandersteckt (Edition 3; 3600 Euro).

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