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Expressionismus und Neue Sachlichkeit : In den Augen eine Vorahnung

  • -Aktualisiert am

Was Deutschland durch Hitler verloren ging, zeigen die Bilder der Ausstellung „Einsame Propheten“. Daniella Luxembourg hat Werke des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit in London versammelt.

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          „Einsame Propheten“ nennt Daniella Luxembourg die Künstler des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit, die in den zwanziger und beginnenden dreißiger Jahren eifrig gesammelt wurden, bis das Hitler-Regime sie als „entartet“ diffamierte, zu Ausgestoßenen machte und mit wenigen Ausnahmen ihre Existenzen zerstörte. Ihnen gilt die erste Ausstellung, welche die ehemalige Teilhaberin des Auktionshauses Phillips, de Pury & Luxembourg als eigenständige Händlerin veranstaltet; nicht selten agiert sie für den New Yorker Kosmetikerben Ronald Lauder.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Zusammen mit dem Münchner Galeristen Michael Hasenclever hat sie aus weitgestreuten Sammlungen eine bemerkenswerte Auswahl von rund neunzig Werken großer Namen wie Beckmann, Klee, Dix, Feininger, Nolde, Kirchner, Schlemmer und Nußbaum sowie weniger bekannter Künstler zusammengebracht, die sie nun bei Agnew's in London in Kommission anbietet. Der gediegende viktorianische Rahmen lässt das kantige, widerborstige Wesen dieser Werke besonders nachdrücklich wirken.

          Unwiederbringlich verloren

          Was Deutschland durch Hitler verlorengegangen ist, vermittelt Oskar Kokoschkas 1926 entstandenes Porträt des Kulturpolitikers Leo Kestenberg, der voller Tatkraft den Vordergrund dominiert, während seine Frau im Hintergrund am Klavier sitzt - der Inbegriff der deutsch-jüdischen Bildungswelt, deren Unwiederbringlichkeit mehrere Ausstellungsstücke verkörpern. Kestenberg nahm das Gemälde mit, als er nach Palästina emigrierte. Es hing lange als Leihgabe im Jerusalemer Israel Museum, stand unlängst bei der New Yorker Galerie St. Etienne zum Verkauf und ist nun für ein Museum reserviert.

          Zu den anderen Höhepunkten zählen Lyonel Feiningers witziges Frühwerk, „Das Rathaus von Swinemünde“, das 2001 bei Phillips, de Pury & Luxembourg 3,3 Millionen Dollar erzielte und nun in gereinigtem Zustand als Leihgabe aus einer französischen Sammlung mit den kessen Damen des Ostseebades einen heiteren Akzent setzt. In Rudolf Schlichters Bildnis Carola Nehers, der ersten Polly in Brechts „Dreigroschenoper“, sind die melancholischen Augen der Schauspielerin angefüllt mit böser Vorausahnung. Das für rund 500.000 Pfund angebotene Porträt aus dem Jahr 1929 berührt umso mehr, wenn man weiß, dass sie als Opfer der stalinschen „Säuberung“ 1942 in der Sowjetunion elend umkam.

          Der Reiz dieser Zusammenstellung liegt auch in den kraftvollen Werken kaum bekannter Künstler, wie den suggestiven Stiefeln der Käte Hoch oder dem Stillleben mit Hut und Kragen von Albert Heinrich. Auch Manfred Hirzel dürfte nur Eingeweihten ein Begriff sein. Sein beredtes Porträt des Gebrauchsgraphikers Georg Goedecker kann sich mit den Besten messen.

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