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Europäischer Kunsthandel : Keine Messen?

Besucher der Kunstmesse Art Cologne sitzen am Eingang zur Messe. Bild: dpa

Für die europäischen Kunsthandelsverbände ist die Art Cologne im November wohl die einzige erwähnenswerte Messe des Jahres.

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          Die Situation ist schon unübersichtlich genug, wegen Covid-19, da macht sie ein unerwarteter Kommentar noch verwirrender. Vor einigen Tagen erging eine Pressemitteilung der „European Federation of Auctioneers“, überschrieben „Zur Situation der Art Cologne im November 2020 aus Sicht der europäischen Kunsthandelsverbände“. Sie beginnt so: „Henrik Hanstein, Sprecher der europäischen Kunsthandelsverbände in Brüssel (EAMC) und Präsident des europäischen Versteigererverbandes (EFA), begrüßt die Entscheidung der Koelnmesse, die Art Cologne im November stattfinden zu lassen.“ Darin ist Henrik Hanstein, dem Chef des Kölner Auktionshauses Lempertz, vollinhaltlich zuzustimmen. Tatsächlich ist das „ein außerordentlich positives Signal für den Kunstmarkt“ – und jetzt weiter –, „da bisher alle Messen ausgefallen und insbesondere die Galerien dadurch sehr belastet sind“. Begrüßt wird die „entschiedene Haltung“ in Sachen der „ältesten Kunstmesse für zeitgenössische Kunst“ als ein „Signal für den Standort und die Bedeutung der Art Cologne“. Dann kommt sehr kernig: „Wenn man Museen und Ikea wiedereröffnet, kann auch die Art Cologne stattfinden. Sie wäre vermutlich dann die einzige Messe für zeitgenössische Kunst, die dieses Jahr noch stattfinden könnte.“

          Erstens, was hat da Ikea zu suchen? Vielleicht sollte man manche Örtlichkeiten doch nicht so leichtfertig miteinander vergleichen. Zweitens, nein – sie wäre überhaupt nicht die einzige Messe ihrer Art, die noch stattfindet! Denn: Zweifelsohne war die Art Cologne, 1967 als „Kölner Kunstmarkt“ begründet, damals eine Schau für Gegenwartskunst. Längst aber nennt sie sich selbst, seit Jahren und aus guten Gründen, „Messe für moderne und zeitgenössische Kunst“. Und – zwar sind einige Kunstmessen in diesem Corona-Jahr zunächst abgesagt worden, aber längst ist bekannt, dass noch vor der Art Cologne vom 18. bis zum 22. November andere Messen in diesem Herbst stattfinden sollen. Da sind zum Beispiel die Art Paris, die vom 10. bis zum 13. September in das Grand Palais in Paris zurückkehren soll, und zumal die traditionsreiche französische Gegenwartskunstmesse Fiac, die am selben Ort vom 22. bis zum 26. Oktober stattfinden soll. Hinzu kommt die „Liste Art Fair“ in Basel, längst nicht mehr bloß Satellit der dort ausgefallenen Art Basel, sondern Zeitgenossen-Schau in Reinform, die ebenfalls avisiert ist für den 17. bis 20. September. Offensichtlich sind diese Schauen unterhalb des Radars von EAMC und EFA geblieben. Das ist ein bisschen schade. Dann steht in der Mitteilung noch: „Auf Vernissagen und dergleichen kann man ohne weiteres verzichten“ – nein, das kann man nicht generell. Dass es in der aktuellen Situation die unbedingte Ratio sein muss, steht außer jeder Frage. Aber auf Dauer braucht die Kunst doch ihre Menschen, und umgekehrt. Das gilt für die Messen so gut wie für die Museen so gut wie für die Galerien – und übrigens auch für die Auktionshäuser, wie man sonst hört.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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