https://www.faz.net/-gqz-8mlyo

Ausstellung in Paris : Es kann nur einen geben – oder?

  • -Aktualisiert am

Was also schaukelt sanft in der Pariser Galerie vor sich hin? Das hat nun wieder alles zu tun mit dem Zusammentreffen von Marcel Duchamp und Robert Rauschenberg, im Jahr 1953 in New York. Was die beiden, den alteuropäischen Konzept-Strategen und den jungen Pop-Artisten, unbedingt einte, war der starke Affekt gegen die Malerei. Duchamp hatte sie schon in Paris als „retinale Kunst“ gebrandmarkt; Rauschenberg und mit ihm Jasper Johns waren im juvenilen Aufbruch gegen den in Amerika dominierenden Abstrakten Expressionismus. Man freundete sich an. Nun hatte ja Duchamp, längst zum Großkünstler avanciert, mindestens noch einen weiteren Flaschentrockner im Ärmel, im alten Europa: Den musste sein Freund Man Ray gehabt haben, etwa als er ihn 1935/36 für die „Boîte-en-valise“ fotografierte, Duchamps notorische Schachtel mit seinen diversen Schöpfungen. Für eine Gruppenausstellung 1959 mit dem Titel „Art and the Found Object“ in New York, an der Duchamp und Rauschenberg teilnahmen, bat Duchamp nun Man Ray, ihm dieses Ding zu leihen. Aber Man Ray hatte seinen Porte-bouteilles verschmissen. Deshalb erwarb er, wie (vielleicht) schon Suzanne 1916, auf Bitten seines Freundes noch einmal so ein Objekt auf dem Grand Bazar in Paris und schickte es für die Schau nach New York.

Rarissimum auf dem Auktionsmarkt

Ist das kompliziert? Nur ein wenig, und es geht weiter. Robert Rauschenberg kaufte die Skulptur direkt aus der Schau. Auf rosafarbenen Kärtchen (in der Galerie im Original, selbstverständlich unverkäuflich) hat er seine „Note on RR’S aquiring Duchamp bottle rack“ 1995 festgehalten, dort steht auch der damalige Preis: „I was told everything in the exhibition was for sale. I asked how much was the bottle rack. He (der Organisator) said it was $3.00. I bought it.“ Rauschenberg hatte da etwas verstanden, er kannte die Story vom Anfang an, und er freute sich, dass Duchamp ihm das bottle rack signierte, die Inschrift steht innen im unteren Ring: „Impossible de me rappeler la phrase originale M.D./ Marcel Duchamp/ 1960“.

Unübersehbar treibt Duchamp mit der Widmung das Verwirrspiel weiter, das er mit seiner Schwester 24 Jahre zuvor begonnen hatte. Das ist Konzeptkunst – buchstäblich aus erster Hand. Jedenfalls blieb dieser Porte-bouteilles in Rauschenbergs Atelier, bis zu seinem Tod im Jahr 2008 – als der wohl einzig existierende seiner Art. Denn es gibt zwar diverse, etwas höhere Lookalikes, als Objekte in einer Auflage von acht (plus einigen Exemplaren außerhalb der Edition), in Museen auf der ganzen Welt; das Exemplar Nr. 1/8 zum Beispiel befindet sich im Marcel Duchamp Kabinett der Stuttgarter Staatsgalerie. Aber die gehören zu einer Edition, die der Mailänder Galerist Arturo Schwarz 1964 herausbrachte.

Weitere Themen

Topmeldungen

Jérôme Boateng muss den FC Bayern nach zehn Jahren verlassen.

Abschied vom FC Bayern : Boateng im Abseits

Als Hoeneß neulich Boateng anzählte, wurde dieser öffentlich nur von einem Bayern-Mitarbeiter verteidigt: Trainer Flick. Und so könnte die Trennung von Boateng in München noch weitere Folgen haben.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.