https://www.faz.net/-gqz-9hoz9

Ergebnisse: Grisebach : Hinter sozialer Fassade

Ergebnisse der Auktionen Moderne und Zeitgenossen mit einigen Rückgängen

          2 Min.

          Bei den Herbstauktionen von Grisebach in Berlin kam das Spitzenlos unter den „Ausgewählten Werken“, Ernst Ludwig Kirchners „Drei Akte im Wald“ von 1912, auf die untere Taxe von 1, 2Millionen Euro (bis 1,5 Millionen); das Aufgeld eingerechnet, geht das Gemälde jetzt für 1,465 Millionen Euro in eine spanische Privatsammlung. Erich Heckels Blumenbild „Blaue Iris“ aus dem Jahr 1908, dem eine bis 1,5 Millionen Euro zugetraut wurden, blieb allerdings liegen. Dieses Schicksal ereilte auch Otto Muellers „Drei Badende und rotbraune Bäume“ (Taxe 700.000/ 900.000 Euro), wie Paula Modersohn-Beckers Ölgemälde auf Pappe, „Drei Kinder an einem Hang sitzend mit Hund und Pferd“ von 1901 (200.000/300.000) oder Alexej von Jawlenskys „Prerow (Darß), Pommern“ (300.000/ 400.000). Dafür reüssierten Emil Noldes rasantes „Segelboot“ von 1910 bei immerhin 390.000 Euro (400.000/600.000) und der hübsche „Jüngling mit Kopftuch“ von Karl Hofer aus dem Jahr 1924 bei 310.000 Euro (250.000/ 350.000).

          Der deutsche Impressionismus konnte seine Liebhaber aktivieren: Für Lesser Urys Berliner „Hochbahnhof Bülowstraße bei Nacht“ bewilligte eine süddeutsche Privatsammlung 360.000 Euro (250.000/ 350.000), und Lovis Corinths „Flieder im Kelchglas“ von 1923 bestätigte mit 350.000 Euro seine untere Schätzung (bis 450.000). Optische Attraktivität oder ein großer Name allein halfen aber nicht zuverlässig, so wurden Max Beckmanns auf Velin aquarellierte „Liegende“ (250.000/ 350.000) und sein „Holzfäller“ in Aquarell auf Bütten (250.000/350.000) zu ebenfalls empfindlichen Rückgängen. Insgesamt vierzehn der fünfzig ausgewählten Lose blieben unverkauft.

          Nach den Versteigerungen der Sammlung von Bernd Schultz (F.A.Z. vom 3.November), der Kunst des 19.Jahrhunderts und der Fotografie waren zum üblichen Termin die klassischen Sektionen dran. Bei der Moderne mit knapp 270 Positionen schaffte das höchstbewertete Los, Gabriele Münters etwas steifes „Lauensteiner Land“ von 1927, die untere Marge von 100.000 Euro (bis 150.000). Ausreißer nach oben gab es nicht. In einer Suite von 35 Beckmann-Graphiken bestätigten das „Selbstbildnis mit Griffel“ und das „Selbstbildnis mit steifem Hut“ ihre Taxen mit 18.000 und 60.000 Euro. So geschehen auch bei Lotte Lasersteins „Selbstporträt in Braun am Fenster“ von 1947 bei 20.000 Euro (15.000/20.000); ihr junger „Gutsbesitzersohn“ von 1934 kam auf 11.500 Euro (15.000/20.000).

          Die rund 150 Lose der Zeitgenossen mussten auf die positive Performance von Gerhard Richters kleinem, nicht wirklich aufregenden Ölbild auf Hartfaser „IV. 1978 – Studie für ein abstraktes Bild“ von 1978 (250.000/350.000) verzichten. Dafür brachten es Isa Genzkens spiegelnde „Soziale Fassade“ von 2002 auf 72.000 Euro (40.000/60.000) und Tom Wesselmanns Aluminium-Relief „Still Life with Made in Japan Pitcher“ auf 270.000 Euro (180.000/ 240.000). Ein Exemplar der kleinen bronzenen „Berglampe“ von Joseph Beuys erforderte 80.000 Euro (80.000/10.0000) – und Niki de Saint Phalle fand für ihr tollkühnes „Shoot-it-yourself-picture“ von 1964 einen Fan, der starke 42.000 Euro (15.000/20.000) dafür einsetzte.

          Die untere Gesamtschätzung für Moderne und Zeitgenossen lautete, für 1055 Lose, auf 14,5 Millionen Euro. Der Umsatz der drei Auktionstage beläuft sich auf 14,3 Millionen Euro, da schlagen die Rückgänge zu Buche. Insgesamt, inklusive der vorgezogenen Veranstaltungen, brachte der Herbst für Grisebach einen Umsatz von 22,5 Millionen Euro.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.