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Wiener Auktionen : Einsam im Feld

  • -Aktualisiert am

Ergebnisse der Auktionen im Dorotheum und im Kinsky.

          2 Min.

          Ein geliehener heiliger Sebastian leistete Rudolf Wacker 1927 im Atelier Gesellschaft. Der Vorarlberger brachte die antike Holzskulptur zusammen mit einem Kaktus auf die Leinwand – und verdiente mit dem Verkauf des Bilds genug für den Kauf der Schnitzfigur. Briefe deuten darauf hin, dass sich der Künstler zu jener Zeit selbst als Märtyrer fühlte, denn sein magischer Realismus erntete Verrisse. Nun spielte „Stillleben mit St. Sebastian“ im Wiener Dorotheum 300.000 Euro (Taxe 80.000/140.000) ein. Bei der Konkurrenz im Kinsky krönte ein neuer Künstlerrekord die Sparte Klassische Moderne: Dort kletterte Koloman Mosers Männerakt „Feldeinsamkeit“ von geschätzten 250.000 bis 500.000 Euro auf stolze 750.000 Euro; die lange unterbewertete Malerei des Secessionisten erlebt seit geraumer Zeit einen Aufschwung.

          Intime Frauenakte von Schiele waren in beiden Häusern gefragt. Im Dorotheum konnte ein amerikanischer Telefonbieter die ausdrucksstarke Kreidezeichnung „Sich entkleidende Frau“ von 1917 für 220.000 Euro (180.000/260.000) erobern; im Kinsky stieg ein zart mit Bleistift skizzierter Akt auf gute 180.000 Euro (70.000/140.000). Von Klimt vermittelte das Kinsky das aparte „Brustbild einer Frau im Profil nach links“ von 1904/05 bei 170.000 Euro (75.000/150.000). Zu den vielen Papierarbeiten dort zählte Albin Egger-Lienz’ mit Aquarellfarben gemalter „Sämann“, dessen Zuschlag 135.000 Euro (100.000/200.000) betrug. Im Dorotheum kam Alfons Waldes „Einsamer Berghof“ auf 230 000 Euro (280.000/340.000) und das Dorfbild „Sonntag in Tirol“ auf 140.000 Euro (80.000/140.000). Im Kinsky hingegen scheiterte Waldes „Begegnung“ am Limit von 150.000 Euro. Was für ihn die Alpen, waren für Norbertine Bresslern-Roth die Tiere: Als Überflieger punkteten ihre „Flamingos“ mit 90 000 Euro (100.000/200.000); ihr exotischer Frauenakt samt Kalb „Fernes Land“ schaffte jedoch mit dem Zuschlag bei 80.000 Euro nur die halbe Untertaxe. Im Dorotheum rutschte Fernando Boteros Ölbild „Paar mit Schirm“ trotz Entstehungsjahr 2004 in die Offerte Klassische Moderne, wo es zur Untertaxe von 18. 000 Euro wegging. Tamara de Lempickas unvollendetes „Mädchen mit weißem Tuch“ von 1952 wechselte bei 130.000 Euro (80.000/120.000) den Besitzer.

          Koloman Moser, „Feldeinsamkeit“, 1912/13, Öl auf Leinwand; zweiteilig; gesamt: 129 mal 122 Zentimeter: Zuschlag 750.000 Euro (Taxe 250.000/500.000).

          Maria Lassnigs waches Auge auf einer 33 mal 42 Zentimeter großen Leinwand wurde bei den Zeitgenossen im Dorotheum zum Hit: Die Bieter kämpften es von den erwarteten 50.000 bis 60.000 Euro auf 185.000 Euro hoch. Nur knapp dreizehn Zentimeter misst Warhols quadratischer Siebdruck „Flowers“ von 1964 in Schwarzweiß, der mit 180 000 seine obere Taxe einlöste. Unter den gestisch-abstrakten Werken fand von Hans Hartung ein Quadrat in 180 Zentimeter Anklang: 160.000 Euro (90.000/120.000) kostete das an Lichtreflexe erinnernde Gemälde. Eine etwas ältere Dripping-Arbeit Hartungs erreichte 150.000 Euro (90.000/ 120.000). Die Obertaxe übertraf auch Emilio Vedova, dessen 1984 mit Sand und mediterranen Farben gestaltetes Hochformat auf 150.000 Euro (80.000/120.000) kam. Auch der Marktwert von Vedovas Landsfrau Carla Accardi steigt kontinuierlich, wie die 85.000 Euro (75.000/85.000) für ihre Schwarzweiß-Komposition „Integrazione n. 2“ von 1957 belegen. Bei der zeitgenössischen Kunst im Kinsky enttäuschte das Toplos, „Die Fenster eines Fluidoid“ von Hundertwasser, mit dem Höchstgebot von 170.000 Euro (150.000/250.000) nicht. Und Maria Lassnigs Doppelporträt „Der Frank und die Frankfurterin“ schaffte seine untere Taxe von 150.000 Euro.

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