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„Old Masters Week“ in London : Die Alten stark wie nie

  • -Aktualisiert am

Die „Old Master Week“ in London ist ein voller Erfolg. Das Kalkül der Crossover-Vermarktung von Alter und neuer Kunst geht auf. Ein Überblick über die wichtigen Auktionsresultate und Museumsankäufe.

          Es ist nicht lange her, dass sich der Defätismus in den Reihen der Altmeisterhändler breitmachte. Wo man auch hinhörte, war die Klage über Materialknappheit und über eine geld- und geltungsbewusste Kundschaft vernehmbar, die keine Kennerschaft beweisen wolle, sondern von spekulativen Interessen motiviert sei. Statt sich das Spezialwissen traditioneller Sammler Alter Kunst anzueignen, stürzten sie sich in ein Wettrennen um Statussymbole der modernen und zeitgenössischen Kunst, obwohl – oder vielleicht gerade weil – die Preise schwindelerregende Dimensionen annahmen. Gewiss haben sich marktfrische, qualitätvolle Werke Alter Meister mit guter Provenienz auch in trüberen Zeiten bewährt, doch wirkte das Segment in den letzten Jahren mitunter wie das Aschenputtel des Kunstmarkts.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          In diesem Sommer macht sich in London ein neuer Elan bemerkbar. Zwar hatten die beiden großen Auktionshäuser – nach dem Rückzug des nun für Dresden bestimmten „Mars“ von Giambologna (F.A.Z. vom 3.Juli) – keine Sensationen aufzuweisen. Aber doch ein, zumal im Bereich der nordeuropäischen Malerei, qualitativ starkes Angebot, mit dem sie denn auch in der Gemälde-Abteilung mehr als fünfzehn neue Künstlerrekorde aufstellten – unter anderen für Rembrandts grandiose späte „Ecce Homo“-Radierung aus dem Nachlass des bedeutenden Graphik-Sammlers Samuel Josefowitz: In einem ungewöhnlichen Schritt bettete Christie’s den einzigen von acht bekannten Abzügen des ersten Zustands, der sich noch in privater Hand befindet, in die Gemälde-Auktion ein. Dort wurde er mit 2,2 Millionen Pfund zum teuersten je versteigerten Altmeister-Druck, obwohl der Preis die höchsten Erwartungen mitnichten erreichte.

          Der Handel erntet die Früchte der Crossover-Strategie

          Vieles, auch auf der besser denn je besuchten „Masterpiece“-Messe, deutet darauf hin, dass der Handel die Früchte der zunehmend raffiniert vermarkteten Crossover-Strategie erntet. Sie will Käufern, die sonst eher zur Moderne neigen, die Hemmschwelle zur Alten Kunst nehmen, zum einen durch ein dekorativ gestaltetes Nebeneinander von Alt und Neu, zum anderen mit dem Argument, dass auf dem Altmeister-Sektor erstrangige Qualität zu geringeren Preisen erwerbbar ist als auf dem überhitzten Markt für moderne und zeitgenössische Kunst.

          Bezeichnend ist, dass der Käufer des teuersten Loses in der Abendauktion bei Sotheby’s – des mit bis zu vier Millionen Pfund veranschlagten, grüblerischen Porträts eines venezianischen Edelmanns von Rubens, das zuletzt in den fünfziger Jahren auf dem Markt war – noch nie zuvor bei einer Altmeister-Auktion mitgeboten hatte. Er erhielt bei 4,6 Millionen Pfund den Zuschlag; so viel hat noch kein Einzelbildnis von Rubens auf einer Auktion gebracht. Das Tafelbild gehörte zu der Auswahl von Porträts aus der Versteigerung, die einige Tage lang in der Kleider-Boutique des, jüngst zur altmeisterlichen Kunst bekehrten, ehemaligen Spice Girls Victoria Beckham ausgestellt waren.

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