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New Yorker Ergebnisse : Umflort bis erleichtert

Der Contemporary Sale war auch für Phillips ein Erfolg

Die Serie der Nachkriegskunst und Zeitgenossen eröffnete Sotheby’s mit Jackson Pollocks „Number32, 1949“ an der Spitze: Für ihn war ein Gebot von dreißig Millionen Dollar (28/35 Millionen) nötig. Jean Michel Basquiats „Flesh and Spirit“ von 1982 kam auf 27 Millionen Dollar (20/30 Millionen), gefolgt von David Hockney mit seinem gut drei Meter breiten „Pacific Coast Highway and Santa Monica“, das 25 Millionen Dollar (20/30 Millionen) erforderte. Gerhard Richters zwei mal zwei Meter messendes, rotes „Abstraktes Bild (747-2)“ von 1991 ging für fünfzehn Millionen (15/20 Millionen) weg, wie anzunehmen ist, an seinen Garantiegeber.

Zum viertteuersten Los des Abends avancierte Kerry James Marshalls Picknick-Bild mit dem ironischen Titel „Past Times“: Der Zuschlag bei 18,5 Millionen Dollar ließ die Schätzung von acht bis zwölf Millionen weit hinter sich – ein Rekord für den amerikanischen Künstler. Der beachtliche Umsatz lautete bei Sotheby’s für 47 verkaufte Lose auf 284,54 Millionen Dollar; gerechnet hatte das Haus mit 210,7 bis 289,6 Millionen.

Der Contemporary Sale von Phillips gestaltete sich erfolgreich für die kleinste der drei Firmen. Auch dort reüssierte der zurzeit unhintergehbare Basquiat; sein „Flexible“ von 1984 schaffte vierzig Millionen, kostet also brutto 45,31 Millionen Dollar. Drei Lose waren auf je zwölf bis achtzehn Millionen geschätzt, mit unterschiedlicher Fortune: Sigmar Polkes „StadtbildII“ von 1968, das aus der Dürckheim-Auktion im Juni 2011 bei Sotheby’s in London über David Zwirner an den Einlieferer gekommen war, wie auch Richters „Abstraktes Bild (811-2)“ von 1994 erlitten Rückgänge.

Dagegen realisierte Robert Motherwells „At Five in the Afternoon“ von 1971, aus der „Elegy“-Serie zum Spanischen Bürgerkrieg, einen Auktionsrekord für den Künstler, mit dem Hammerpreis von elf Millionen Dollar. Warhols Variante aus der späten „Last Supper“-Reihe hielt sich gut mit 7,5 Millionen (8/12 Millionen). Und auch bei Phillips besteht Kerry James Marshall seine aktuelle Favoritenrolle: Sein „Untitled (Blanket Couple)“ von 2014 kam auf 3,6 Millionen Dollar (3,5/5,5 Millionen). 33 verkaufte Lose (von 38) sorgten für einen Bruttoumsatz von 131,56 Millionen, deutlich oberhalb der erhofften rund 117 Millionen Dollar.

Mehr Geld als Kunst auf dem Markt

Christie’s vermittelte an seinem Zeitgenossen-Abend 58 von 64 Losen. An die Spitze setzte sich Francis Bacons „Study for Portrait“ seines Gefährten George Dyer von 1977, mit 44 Millionen Dollar (30 Millionen); der Käufer bezahlt mit Aufgeld 49,8Millionen Dollar für das große Format. Warhols „Double Elvis (Ferus Type)“, eingeliefert von Steve Wynn, kam mit einigem Abstand auf 33,5 Millionen und sein „Most Wanted Men No.11, John Joseph H., Jr.“, dessen einzige weitere Version sich im Frankfurter Museum für Moderne Kunst befindet, noch auf 25 Millionen Dollar.

Jeff Koons’ Klumpen „Play-Doh“ schaffte die ihm zugetrauten zwanzig Millionen Dollar. Dreizehn Werke des wunderbaren Richard Diebenkorn kamen aus der Sammlung von Donald und Barbara Zucker. Sein 2,4 mal zwei Meter großes „Ocean Park No. 126“ setzte einen Auktionsrekord, mit 21 Millionen Dollar (16/20 Millionen). Ebenfalls einen starken Rekord markierte Joan Mitchells leuchtende Abstraktion „Blueberry“ von 1969, bei 14,5 Millionen (5/7 Millionen). 397,15 Millionen Dollar Umsatz verzeichnet Christie’s, gut oberhalb der Erwartung von etwa 320 Millionen.

Soviel lässt sich sagen: Es gibt in Amerika und Asien, sogar in Europa mehr Geld als Kunst auf dem Markt, die es aufnehmen könnte. In New York ist es jetzt noch einmal gutgegangen. Entscheidend wird für diesen Höchstpreismarkt sein, ob es gelingt, den entsprechenden Auktionen wieder wirklich kapitale Werke zuzuführen.

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