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Ergebnisse bei Neumeister : Dreister Diebstahl im Freudenhaus

  • -Aktualisiert am

Die Frühjahrsauktionen bescherten Neumeister in München solide Zuschläge und einige Überraschungen: Hier der Überblick.

          3 Min.

          Neumeister stellt dieses Jahr unter seinen Jubiläumsstern: Seit sechs Jahrzehnten versteigert das Münchner Haus Kunst und Kunsthandwerk, nun bereits in zweiter Generation, seit zehn Jahren unter der Geschäftsführung von Katrin Stoll. Zur Frühjahrsauktion mit Alter Kunst bekamen die Angewandten Künste aus Anlass der Feier einen Sonderkatalog. Als dessen gänzlich unverhoffter Höhepunkt sticht ein Silberbecher mit vergoldetem Rand und bunter Emailmalerei hervor: Auf der dargestellten Freudenhaus-Szene stiehlt man einem Alten den Geldbeutel, derweil ihn eine offenherzig dekolletierte junge Frau ablenkt; daneben bekommt ein Mann soeben Wein eingeschenkt. Es geht also munter zu auf dem Werk des Augsburger Silberschmieds Esaias III Busch und des Malers Johann Jacob I Priester, um etwa 1710. Den wilden Wettlauf um den auf 4000 bis 6000 Euro geschätzten Becher entschied erst bei 64.000 Euro Hammerpreis ein Telefonbieter aus England für sich; mit Aufgeld kostete er mehr als 81.000 Euro.

          Die übrige Silberofferte wurde eher verhalten aufgenommen, wie überhaupt bei diesem Katalog rund zwei Drittel Rückgänge einzustecken waren. Interesse weckte eine Sammlung von fünfzig japanischen Tsuben, das sind fein dekorierte metallene Stichblätter von Schwertern: Sie stieg von 3000 auf 12.800 Euro. Ein um 1800 in China gemaltes Set von neun Tapeten für ein Gartenzimmer mit Dekor aus Zierbäumchen und Getier erzielte 17.000 Euro (Taxe 15.000/20.000). Ebenfalls 17.000 Euro (15.000/20.000) verbuchte eine zierliche gotische Madonna, deren um 1400 tätiger schwäbischer Schnitzer ihr ein rosiges Kind in die Arme legte.

          Als die Malerei, auch mit eigenem Katalog, an die Reihe kam, frischte das Bietverhalten bei Bildern des 19.Jahrhunderts auf. So erreichte Johann Jakob Freys 1860 in warmem Licht gegebener „Blick auf Tivoli und die Wasserfälle“ mit 50.000 Euro seine untere Taxe, und Andreas Achenbachs „Holländische Fischer nach dem Fang“ in leuchtender Abendfärbung am Strand gingen für erwartete 20000 Euro weg. Der unermüdliche Entenmaler Alexander Koester hielt sich bei einer Taxe von 30.000 bis 35.000 Euro bestens – mit dem Zuschlag bei 42.000 Euro für „Sieben Enten auf sonnigem Schilfwasser“. Klatschmohn in der Vase, gemalt vom Blütenexperten Gabriel Schachinger, schaffte mit 35.000 Euro die obere Taxe, und Schachingers Stillleben aus duftiger rosa Iris und weißer Gladiole verdoppelte die Erwartung mit 3.3000 Euro (15.000/ 20.000).

          Der Markt läuft sich für Vasarely warm

          Die Sparte Neue Kunst startete mit Klassischer Moderne, und wieder einmal setzte sich dort Gabriele Münter an die Spitze: Ihre 1908 datierte, kleine, locker in Öl auf Pappe skizzierte und von einigen Personen belebte „Dorfstraße“ aus der Murnauer Zeit landete bei 180.000 Euro (150.000/200.000). Fleißig umworben sah sich zuvor Fritz Klimschs Bronze der nackten „Schlangenbändigerin“, um 1899 entstanden, von geschätzten 60.000 bis 80.000 auf 100.000 Euro klettern; es wird vermutet, dass es sich um den bei Noack gefertigten Erstguss handelt. Marc Chagalls „Bible“ in zwei Bänden und illustriert mit 105 schönen träumerischen Radierungen in Schwarzweiß erschien 1956 beim Pariser Verlag Tériade Editeur in einer Auflage von 275 Exemplaren: Die beiden angebotenen, vollständigen Bücher entsprachen mit dem Zuschlag bei 30.000 Euro der Untertaxe. 1960 widmete Chagall sich erneut der Heiligen Schrift, diesmal mit einer Folge von 24 Farblithographien; das Exemplar der „Dessins pour la Bible“, aus einer von zehn Separatfolgen neben der numerierten Auflage, kam auf 36000 Euro (30.000/50.000).

          Vor der großen Vasarely-Ausstellung in Frankfurt im Herbst läuft sich auch der Markt für den lang vernachlässigten Op-Artisten warm: Vasarelys „Sigle Olympique/variante‚ vert-rouge“ von 1972/73, das auf dem offiziellen Logo der Olympischen Spiele in München basiert, entsprach mit 30.000 Euro seiner Schätzung. Mehr erreichte Piero Dorazios Ölbild „Giardino dell’ Imperatore, IX Giorno“, denn die viel- und frischfarbige Komposition vertikaler Streifen von 1968/74 überstieg mit 34000 Euro die verdoppelte Obertaxe.

          Eine bei uns weniger bekannte Künstlerin bescherte der Zeitgenossen-Partie das bestbebotene Los: Von der in ihrer Heimat Georgien gefeierten Malerin Natela Iankoshvili (1918 bis 2007) stammt „Autumn“, eine Ansammlung leuchtend farbiger semiabstrakter Bäume, die auf 40.000 Euro (20.000/25.000) stieg. Einen guten Platz erklomm Markus Lüpertz’ „Triumph der Linie. Eins Mal Eins“, eine Verzahnung farbiger Flächen und schwarzer Linien von 1986; sie kam auf 20.000 Euro (10.000/15.000).

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