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Züricher Ergebnisse : Maria Magdalena macht Furore

  • -Aktualisiert am

Die Altmeister-Auktion von Koller in Zürich wurde durch rasante Preissteigerungen ordentlich aufgemischt. Für Enttäuschungen sorgten lediglich einige Gemälde des 19. Jahrhunderts. Ein Blick auf die Ergebnisse.

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          Rasante Preissteigerungen sorgten bei der Altmeister-Auktion von Koller in Zürich dafür, dass das Feld ordentlich aufgemischt wurde. Zwar konnte sich das repräsentative Barockporträt des korsischen Gouverneurs Paolo Gregorio Raggi von der Hand Bernardo Strozzis, das mit einer Taxe von 180 000 bis 250 000 Franken an der Spitze stand, auf den vorderen Rängen behaupten, mit einem Zuschlag bei 180 000 Franken.

          Es musste sich allerdings dem wahrhaft morbiden „Memento Mori Stillleben“ mit Musikinstrumenten, Büchern, Noten, Skelett, Schädel und Rüstung von Carstian Luyckx geschlagen geben: Das um 1668/69 entstandene Ölgemälde gehört in direkten zeitgeschichtlichen Zusammenhang mit den Kriegswirren in den spanischen Niederlanden und der Eroberungspolitik LudwigsXVI.; auf 30 000 bis 40 000 Franken geschätzt, fiel der Hammer erst bei 450 000 Franken. Mit Aufgeld bezahlt der ungenannte Käufer 538 000 Franken für das Bild, das lange Zeit in Familienbesitz war.

          Ebenfalls deutliche Steigerungen erfuhren das „Porträt einer italienischen Adligen“ von Antonis van Dyck, das er während seines Aufenthalts in Genua um 1625 malte; es fand für 220 000 Franken (Taxe 20 000/30 000) einen Abnehmer. Und eine, auf einer achteckigen Leinwand festgehaltene „Heilige Magdalena“, die Artemisia Gentileschi zugeschrieben wird, stieg auf 160 000 Franken, gegenüber einer Taxe von lediglich 8000 bis 12 000 Franken. Es folgt, nach Strozzis erwähntem Porträt, mit 150000 Franken (150 000/250 000) die Holztafel mit dem „Thronenden Heiligen Petrus als Papst“, die der Meister von Langa im Jahr 1420 für einen Altar anfertigte. Die „Bewaldete Flusslandschaft mit einem Haus, Passanten und einem Angler“ von Meindert Hobbema, um 1663, erzielte 135000 Franken (100000/150000) und das im frühen 17.Jahrhundert entstandene „Stillleben mit Katze, Fischen, Austern und Flusskrebsen“ von Clara Peeters war einem Bieter den Einsatz von 110 000 Franken (100 000/150 000) wert.

          „Heimliche Studie“ konnte sich über einen Zuschlag freuen

          Eine Enttäuschung gab es bei der Auktion mit Gemälden des 19. Jahrhunderts. Immerhin konnte sich dort Eduard Grützners humorige „Heimliche Studie“ von 1892, auf der drei Mönche einen weiblichen Akt eingehend betrachten, über einen Zuschlag bei 85 000 Franken (40 000/60 000) freuen, ebenso wie Leo von Klenzes 1855 entstandene „Italienische Klosterhalle mit Benediktinermönchen und Ausblick auf Capri“ über das Ergebnis von 65 000 Franken (25 000/ 35 000) und die das Sublime beschwörende „Gebirgslandschaft mit Wasserfall, Burganlage und Reisendem zu Pferd vor einer Hütte“, die Johann Christian Dahl 1816 schuf, über einen Hammerpreis von 60 000 Franken (25 000/35 000). Aber das unangefochtene Spitzenlos des Abends, der auf 500 000 bis 700 000 Franken taxierte „Dämon“ von Kuzma Petrov-Vodkin aus dem Jahr 1904, blieb unverkauft.

          Der Rückgang dieser sphärischen Komposition des russischen Avantgardisten wirkte sich auch auf das Gesamtergebnis der März-Auktionen bei Koller aus; deren untere Erwartung hatte bei 3,35Millionen Franken gelegen. Besonders dem guten Abschneiden der Alten Meister verdankt sich der schließliche Gesamtumsatz in Höhe von vier Millionen Franken.

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