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Ergebnisse bei Lempetz : Anmutige Vagabunden

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Alte Kunst, 19.Jahrhundert, Moderne und Zeitgenossen bei Lempertz

          In Farben und Details geht beinahe unter, was der um 1520/30 in Antwerpen und Mecheln tätige Meister der weiblichen Halbfiguren in seiner „Weiten Landschaft mit der Bekehrung des heiligen Paulus“ darstellen wollte: Die Soldaten setzen ihren Weg durch die Ebene gen Stadt fort, nur unmittelbar neben dem vom göttlichen Lichtstrahl geblendeten Paulus sprengen die Pferde auseinander und geben den Blick auf das neutestamentliche Ereignis frei. Die in der Herbstauktion bei Lempertz in Köln angebotene Holztafel war auf 100.000 bis 140.000 Euro geschätzt; der Zuschlag erging erst für 330.000 Euro. Bei der Alten Kunst reüssierten auch die auf Pieter Bruegel d.Ä. zurückgehenden vier „Gemälde der Jahreszeiten“ von Abel Grimmer mit 230000 Euro (Taxe 120.000/160.000) und Roelant Saverys von ornithologischer Kennerschaft zeugende „Landschaft mit Rundturm und Bogenbrücke“ von 1625 mit 260.000 Euro (180.000/200.000). Unverkauft blieb das prachtvolle, auf bis 300.000 Euro taxierte Gemälde der „Sechs Apostel“ aus dem Umkreis des Meisters des Siefersheimer Altars. Ein deutscher Sammler erwarb für 140.000 Euro (150.000/170.000) die zwei Apostel „Simon Zelotes und Jakobus der Jüngere“ des in Köln tätigen Meisters der Heiligen Sippe. Für 150.000 Euro (150.000/170.000) ging die um 1525 entstandene „Salome“ des Monogrammisten I.W., der in der Werkstatt Lucas Cranachs tätig war, an einen Schweizer Bieter.

          Leo von Klenzes lichtdurchflutete „Römische Bauten mit Ansicht der Cloaca Maxima“ auf einer Kupferplatte konnten ihre Spitzenposition bei der Kunst des 19.Jahrhunderts behaupten, mit dem Zuschlag von 300.000 Euro (250.000/350.000). Mit Abstand folgen Mikhail Andreevich Berkos’ „Kohlernte“ von 1896 bei 48.000 Euro (10.000/15.000) und Johann Wilhelm Preyers „Stillleben mit Trauben und Reineclauden“ von 1880 bei 37.000 Euro (18.000/22.000). Die Darstellung des „Heiligen Johannes des Täufers“ vom jungen Nazarener Franz Ittenbach spielte 30000 Euro (30.000/35.000) ein.

          Verspielt brachte Picasso 1967 seinen „Homme nu couché“ mit Farbkreide zu Papier: Das ungewöhnliche Motiv führte die Moderne Kunst bei Lempertz an; ein Bieter bewilligte 560.000 Euro (360.000/400.000) dafür. Marktfrisch war Jawlenskys 1925 entstandenes „Porträt Frau Kirchhoff“, das für 240.000 Euro (240.000/260.000) an einen nordamerikanischen Sammler ging. Ebenfalls 240.000 Euro (230.000/260.000) bewilligte ein deutscher Bieter für Nays Scheibenbild „Dominant Grün“ von 1955; „Fischer“, eine frühe figurative Arbeit Nays von 1936, stieg auf 170.000 Euro (130.000/150.000). Zwei Aquarelle von Nolde kamen auf je 140.000 Euro: „See mit zwei blauen Booten vor Berglandschaft“ (100.000/120.000), um 1925/30, und die etwas späteren „Sonnenblume und gelbe Dahlienblüte“ auf Japanpapier (120.000/140.000).

          Albert Oehlens 120 mal sechzig Zentimeter große Holztafel „Industrielle Elfen“ von 2001 lebt von ihrem schwungvollen Farbauftrag; für 260.000 Euro (150.000/200.000) geht sie in Londoner Handel. Übertrumpft wurde das Bild in der Sektion mit Gegenwartskunst von Günter Förgs vibrierenden Rasterstrukturen „Ohne Titel“ aus dem Jahr 2007; dafür war ein Einsatz von 320.000 Euro (150.000/180.000) erforderlich. Die zweiteilige Arbeit „Position of Two Angles of 180°and 159°“ von Bernar Venet, entstanden 1976, konnte ihre obere Taxe verdreifachen und erreichte 90.000 Euro. Georges Mathieus tachistische „Grâces Vagabondes“ von 1991 verdoppelten ihre untere Taxe auf gut 85.000 Euro (40.000/50.000). – Trotz einiger Rückgänge konnte die Alte Kunst insgesamt die Erwartungen von 5,1 Millionen mit 5,2 Millionen erfüllen. Bei der modernen und zeitgenössischen Kunst steht 8,1 Millionen ein Umsatz von 9,2 Millionen Euro gegenüber.

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