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Bericht aus Wien : Es geht nichts über die Bilder der Frauen

  • -Aktualisiert am

Wiener Herbstspitzen: Die Ergebnisse für Alte Meister und 19.Jahrhundert im Dorotheum und Kinsky

          3 Min.

          WIEN, im Oktober

          Sie wollen durch Kunstkauf reich werden? Investieren Sie in Frauen“, titelte jüngst die „New York Times“. Auch wenn der Beitrag den Marktaufschwung Abstrakter Expressionistinnen aufzeigte, so passt der Ratschlag doch ebenso gut zu den Alten Meisterinnen. Bereits im Sommer frohlockte das Wiener Dorotheum über die Akquise einer marktfrischen „Lucretia“ von Artemisia Gentileschi. Die lange unterbewertete Barockmalerin stellt ihre Heldin gen Himmel blickend und in einer dramatischen Drehbewegung dar. Die römische Aristokratin wirkt so stark, dass man nicht denkt, sie könnte das Messer gegen sich selbst richten. Ein Bieter aus Australien eroberte das auf 500000 bis 700000 Euro taxierte Gemälde beim Gebot von 1,6Millionen Euro. Es blieb aber nicht bei dem einen Millionen-Los, auch ein neu entdecktes Porträt von Anthonis van Dyck sauste in den siebenstelligen Bereich: Zwei Millionenzuschläge an einem Abend – das war im Dorotheum noch nie da. Van Dycks „Bildnis einer Adligen mit einem Papagei“ präsentiert eine stolze Dame mit Halskrause, deren Stellung auch durch den exotischen Vogel unterstrichen wird. Der Künstler hat das Bild zwischen 1615 und 1621 in Antwerpen geschaffen, wo er zeitweise Rubens assistierte und sein Händchen für Porträts entdeckte. Seine unpublizierte Aristokratin wechselte jetzt für 1,2Millionen Euro den Besitzer – die Schätzung lag bei 300000 bis 500000 Euro.

          Aus der flämischen Kunst faszinierte die Bieter eine kleinformatige Höllenlandschaft von Jan Bruegheld.Ä.: Das von einem erhöhten Blickpunkt dargestellte Inferno besticht durch Lichtdramaturgie und Feinheit – und reüssierte mit 260000 Euro (Taxe 250000/350000). Für 200000 Euro wurde die originelle „Allegorie des Winters“ zugeschlagen, in der Sebastian Vrancx Stillleben und Dorfszene vereint (140000/180000). Mit 150000 Euro (80000/120000) fuhr auch David Vinckboons’ „Kampf zwischen Karneval und Fastenzeit“ ein gutes Ergebnis ein. Die höchste Steigerung erfuhr jedoch eine „Phantastische Szene mit Venus und Amor sowie Neptun in seinem Wagen“ aus der niederländischen Schule nach 1650, die auf 180000 Euro (30000/ 50000) gekämpft wurde. Ebenfalls 180000 Euro (40000/60000) spielte die „Allegorie des Neids“ von einem Nachfolger des Pieter Bruegeld.Ä. ein.

          Bei den Italienern löste Guido Renis „Fortuna mit dem Geldbeutel“ ihre untere Taxe von 300000 Euro ein. Der Bologneser Einlieferer der 2,3Meter hohen „Heiligen Familie mit dem heiligen Augustinus“ von Gaetano Gandolfi musste sich indes schon mit 220000 Euro (300000/400000) zufriedengeben. Auch Bernardo Strozzis lebendige Szene „Josef als Traumdeuter“ kam nur auf 160000 Euro (180000/220000). Ein Werk aus der rubenesken Reifephase von JeanHonoré Fragonard stellen die „Drei mit Blumen bekränzten Putten“ dar, die mit 190000 Euro (180000/220000) gewürdigt wurden. Aus dem Wiener Rokoko hatte Johann Georg Platzer Erfolg, dessen Kupferplatte „Der Opfertod des Marcus Curtius“ auf dem Forum Romanum ihre obere Schätzung von 120000 Euro zum Gesamtumsatz beitrug.

          Frauenbildnisse dominierten auch die Ergebnisse in der Sparte 19.Jahrhundert. Das Titellos „Süße Träume“ des Briten John William Godward führt in die römische Antike; die Müßiggängerin am Mittelmeer übertraf mit 210000 Euro (160000/180 000) ihren Schätzwert. Die Grazie und Vertrautheit zweier sehnsuchtsvoller Damen mit Meeresblick fing der Salonmaler Vittorio Matteo Corcos in seinem Hochformat „Dis-moi tout!“ ein, das 180000 Euro (200000/300000) kostete. Für die Überraschung des Abends sorgte die rotgewandete „Junge Bäuerin im geblümten Kleid“ des Moskauer Malers Abram Jefimovich Arkhipov, um 1920, die sich beim Zuschlag von 360000 Euro (200000/250000) als Toplos entpuppte. Nur Waldmüllers „Briefleserin“ fand keine Bieter.

          Im Kinsky mangelte es bei der ersten Tranche der Herbstauktionen an hochpreisigen Losen. Das beste Ergebnis erzielte dort das auf Kupferplatte gemalte „Kirmesfest mit fröhlich tanzenden Dorfleuten“ von Abraham Teniers. Die farbkräftige Bauernszene, die vom Künstler auf der Fahne des Wirtshauses mit 1646 datiert ist, löste die mittlere Schätzung von 70000 Euro (50000/100000) ein. Im selben Jahr bewies der Nature-Morte-Spezialist Adriaen van Utrecht in dem „Küchenstillleben mit erlegtem Wild, Gemüse und Früchten“ sein Können; das Arrangement kostete 55000 Euro (50000/ 100000). Anklang fanden auch die beiden fürstlichen Kinderbildnisse vom Hofmaler Jakob Seisenegger, der Kaiser Ferdinands Nachkommen Maximilian und Elisabeth in prächtiger Kleidung und mit Blumenkranz im Haar verewigte. Die 1537 entstandenen Tableaus, die einst zu einer mehrteiligen Porträtserie gehörten, erfüllten ihre unteren Erwartungen mit je 55000 Euro (50000/100000).

          Bei den Werken des 19.Jahrhunderts nahm ein rührendes Kinderbild die Bieter für sich ein: Franz von Defreggers kleine Genreszene „Spielende Kinder“ von 1906 wurde bei 32000 Euro (25000/50000) zugeschlagen. Waldmüller war auch im Kinsky nicht gefragt, blieb doch das Titellos „Die milde Gabe“ (250000/350000) liegen. Vom Aquarellisten Rudolf von Alt, der mit seiner Staffelei unentwegt in den Kronländern auf Achse war, wechselte eine Ansicht des Wiener Michaelerplatzes für 28000 Euro (10000/20000) den Besitzer: Die kleinformatige Papierarbeit aus dem Jahr 1848 zeigt die Hofreitschule und auch das alte Burgtheater, das 1888 geschliffen wurde. Unter den Landschaften steuerte das Ölbild „Schneeschmelze mit Bauernhof“ von Josef Stoitzner 25000 Euro (12000/24 000) zum Gesamtergebnis bei.

          Die symbolistischen Bildwelten des deutschen Aussteigers Karl Wilhelm Diefenbach befinden sich weiter im Aufwind. Sein „Visionsgemälde“ erlöste im Kinsky gute 10000 Euro (2500/5000); Diefenbachs Hochformat „Sphinx“ kam auf 16000 Euro (7000/14000). Sogar der kitschige „Elfenreigen“ des Wieners Hans Zatzka – bei Wikipedia als „bahnbrechend im profanen Schlafzimmerbild“ gelobt – kletterte auf 23000 Euro (5000/ 10000).

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