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Ergebnisse aus London : Weniger ist manchmal mehr

  • -Aktualisiert am

Paul Cézanne, „Nature morte de pêches et poires“, 1885-87, Öl auf Leinwand, 38 mal 46,3cm, 18,3 Mio. Pfund (20 Mio.) bei Christie’s Bild: Christie’s

Ergebnisse der Auktionen mit Moderner Kunst bei Christie’s und Sotheby’s in London.

           

          Bei den Abendauktionen mit Impressionismus, Moderne und Surrealismus in London hatte Sotheby’s das stärker kuratierte Programm an Klassischer Moderne, allerdings deutlich weniger Lose im Angebot als Christie’s. Sotheby’s setzte auf museale Qualität, derzeitigen Geschmack und bot Marktfrische: Insgesamt 46 Prozent der Lose waren noch nie bei einer Auktion zum Aufruf gekommen. Christie’s hatte seine Auktion mit einer ausufernden Anzahl impressionistischer Werke unterschiedlicher Attraktivität vollgepackt.

          Aus einer ungenannten Privatsammlung, die unter dem Titel „Hidden Treasures“ vermarktet wurde, kamen bei Christie’s gleich 23 Werke. Dem „Art Newspaper“ zufolge handelt es sich bei den Einlieferern um die über achtzigjährigen Brüder Monte und Neil Wallace aus Boston. Die „Verborgenen Schätze“ waren als eigenes Konvolut der Auktion vorangestellt, was möglicherweise eine Bedingung war, die Christie’s akzeptieren musste, um sich die Sammlung zu sichern, anstatt für den Abendtermin nur die Spitzen auszuwählen. Es war zwar keine Garantie gewährt, der Rückgang von mehr als vierzig Prozent der Lose der Wallace-Kollektion war jedoch unerwartet. Die Spitzenstücke triumphierten; einige zu hoch gegriffene Taxen schreckten Bieter ab. Das erfolgreichste Werk der Sammlung – und des Abends überhaupt – wurde Cézannes wunderbares Stillleben „Nature morte de pêches et poires“, für das bei 18,3 Millionen Pfund der Hammer fiel. Die Erwartung dafür hatte bei „mehr als zwanzig Millionen“ gelegen. Umworbene Trophäen waren auch Renoirs sommerlich flimmernder „Sentier dans les bois“ beim Hammerpreis von elf Millionen Pfund (Taxe 7,5/10,5 Millionen) und Emil Noldes großes Aquarell „Kopf eines jungen Mädchens“, das überraschend auf 500.000 Pfund (120.000/180.000) stieg.

          Nicht der Zeitgeschmack

          Liegen blieben mehrere weibliche Porträts von Van Gogh, Matisse und Van Dongen, die nicht den Zeitgeschmack treffen, sowie Monets gelbe „Iris“ (4/6 Millionen). Zur großen Enttäuschung wurde Monets zwei Meter hohe, tief grün-blaue Teichlandschaft „Saule pleureur et bassin aux nymphéas“, die bei aufgerufenen 36 Millionen kein Interesse fand; mehr als vierzig Millionen hatte man erhofft. „Wenn einer der Interessenten an den Telefonen den Startschuss gegeben hätte, wären die anderen eingestiegen. Wir werden das Bild in den nächsten Tagen sicher an einen von ihnen abgeben“, versicherte der Leiter der Auktion des Abends Keith Gill später. Sammler seien „im derzeitigen wirtschaftlichen Klima“ besonders „preisbewusst“, hieß es.

          Egon Schiele, „Triestiner Fischerboot“, 1912, Öl und Buntstift auf Leinwand, 70 mal 70 Zentimeter, 9,2 Millionen Pfund (6/8 Millionen) bei Sotheby’s

          Christie’s spielte dennoch mit 67 von 82 angebotenen Losen stolze 165,67 Millionen Pfund ein, das zweithöchste Ergebnis mit Impressionismus, Moderne und Surrealismus in London jemals. Denn unter den Losen, die nicht zur Wallace-Sammlung gehörten, waren Gemälde wie Gustave Caillebottes Paar beim sommerlichen Spaziergang, „Chemin montant“; es ging zum Rekordpreis von 14,5 Millionen Pfund (8/12 Millionen) an Bieter im Saal. Ein Rekord wurde auch für Paul Signac mit seiner glühenden exquisiten Seelandschaft „Le port au soleil couchant, opus 236 (Saint-Tropez)“ aufgestellt; sie brauchte mit dem Hammerpreis von siebzehn Millionen Pfund (12/18 Millionen) ihre Garantie nicht. Christie’s lag auch in der Kategorie Surrealismus einmal mehr vorn: Magrittes „Le lieu commun“, eine besonders große Version seines Themas Mann mit Melone auf dem Kopf, stieg auf sechzehn Millionen Pfund (Taxe um 15 Millionen).

          Sotheby’s hatte am Abend zuvor mit 32 Losen insgesamt 87,7 Millionen Pfund umgesetzt. Dieser Umsatz wäre ohne Telefonbieter aus Asien nicht erreicht worden, die sich um fünfzig Prozent mehr als im Februar 2018 beteiligten und Werke von Picasso, Chagall, Pissarro, Kandinsky und Giacometti übernahmen. Der Rekord für eine Venedig-Ansicht Claude Monets konnte mit dem Zuschlag bei 24 Millionen Pfund (20/30 Millionen) für „Le Palais Ducal“ aus dem Jahr 1908 gefeiert werden, dem damit teuersten Los der Auktion. Egon Schieles „Auf dem Bauch liegendes Mädchen“ auf stark gebräuntem Papier stieg gleich zu Beginn auf 1,3 Millionen; die untere Taxe war mit 500.000 Pfund niedrig angesetzt. Schieles „Triestiner Fischerboot“ erzielte wenig später 9,2 Millionen Pfund (6/8 Millionen).

          Unter der Gruppe von Werken, mit denen Sotheby’s das Bauhaus-Jubiläum markierte, triumphierte Oskar Schlemmers „Tischgesellschaft“ aus der Sammlung von Erika Pohl-Ströher. Ein russischer Telefonbieter setzte sich mit 2,15 Millionen (1/1,5 Millionen) durch: Weltrekord für Schlemmer. Kandinskys leuchtende Komposition bunter Kreise, „Vertiefte Regung“, wanderte für 5,4 Millionen Pfund (5,5/7,5 Millionen) in eine europäische Privatsammlung.

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