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Alte Handschriften und Drucke : Europa kommt

  • -Aktualisiert am

Geschichte einer Patrizierfamilie: Sebald Schürstab, Salbüchlein u. Familienchronik, um 1484, Deutsche Handschrift auf Pergament, für 42.000 Euro verkauft Bild: Hartung & Hartung

Mittelalterliche und frühneuzeitliche Drucke waren wieder der Renner. Die Ergebnisse der jüngsten Auktion bei Hartung & Hartung übertreffen Erwartungen, auch dank einem ungebrochenen europäischen Interesse.

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          Das Engagement amerikanischer Antiquare habe seit Pandemiebeginn nachgelassen, sagt Felix Hartung, bemerkt aber einen umso stärkeren europäischen Markt: Ihm verdankt Hartung & Hartungs jüngste Auktion 85 Prozent des Umsatzes. Kann sich eine Zuschlagsrate von 130 Prozent in Relation zur Schätzpreissumme schon sehen lassen, lag sie in der Abteilung Handschriften noch höher. Mittelalterliche und frühneuzeitliche Manuskripte waren der Renner, darunter ein Andachtsbuch aus dem 15. Jahrhundert, das in volkstümlichen Illustrationen auch Weltliches wie eine Ostereisuche darstellt. Obwohl inkomplett, verbuchte es dank eines wohl im Auftrag bietenden Händlers einen Zuschlag bei 65.000 Euro (Taxe 4000). Das ebenfalls nicht vollständige Dokument Sebald Schürstabs zu Geschichte seiner Nürnberger Patrizierfamilie, geschrieben um 1484, nahm schweizerischer Handel bei 42.000 Euro (30.000).

          Prächtige Einbände

          Im diesmal angebotenen Teil der von Hartung aufgelösten Stammbuchsammlung besetzte das 1855 begonnene Kalendarium der Prinzessin Elisabeth von Hessen und bei Rhein mit 17.000 Euro etwas unter Erwartung den ersten Platz. Beachtliche Nachfrage hob Alte Drucke über die Taxen, etwa die „kombinierte Straßburg-Durlacher Bibel“ von 1529/30, die einem inländischen Sammler 30.000 Euro (6000) wert war.

          Aus demselben Nachlass stammten „Der Psalter teutsch zu singen“ – Luther hatte ihn 1524 „mit fleyß“ übersetzt –, der auf 5500 Euro (800) stieg, und das 1516 in Nürnberg gedruckte „Büchlein genant das wurtzgertlein der andechtigen übung“; hier siegte französischer Handel bei 10.500 Euro (2000). Dass Sigmund von Herbersteins „Rervm Moscoviticarum commentarii“ von 1556 13.000 Euro (8000) einspielte, lag auch am prächtigen Einband der Zeit. Gleiches gilt für Nicolaus Panormitanus de Tudeschis’ „Lectura super V libris Decretalium“, die ein deutscher Sammler bei 50.000 Euro (28.000) sicher hatte.

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