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Ergebnisse bei Van Ham : Der Herbst war sehr freundlich

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Ladislaus von Czachórski, „Träumendes Mädchen“, 1896, Öl auf Leinwand, 36 mal 57 Zentimeter, Zuschlag: 165.000 Euro (Taxe 80.000/120.000). Bild: Van Ham

Erwartungen übertroffen: Ergebnisse der „Classic Week“ und der „Modern Week“ bei Van Ham in Köln.

          3 Min.

          An die Spitze der „Fine Art“-Offerte, die Van Ham in Köln während seiner „Classic Week“ versteigerte, kletterte ein wunderschönes „Träumendes Mädchen“ von Ladislaus von Czachórski. Das 1896 entstandene Ölbild, das durch seine Stofflichkeit fasziniert und den scheinbar unbeteiligten Blick der jungen Frau, die beim Sticken innehält, kommt nun beim Zuschlag von 165.000 Euro (Taxe 80.000/120.000) in eine Berliner Privatsammlung. Eugen von Blaas’ marktfrische „Zwei Venezianerinnen“ aus demselben Jahr, eigentlich die Spitze unter 241 Losen, geht für 120.000 Euro (130 000/190 000) nach Amerika. Sein kleines Porträt einer rothaarigen Schönheit Venedigs wechselte für 35.000 Euro (25.000/28.000) den Besitzer. Und „Die Enten am Brünnele“ von Alexander Koester schafften 36.000 Euro (35.000/40.000).

          Bei den Alten Meistern wurde Bartolomeo Manfredis „David mit dem Haupt des Goliath“ zum teuersten Los: Das marktfrische, 129 mal 95 Zentimeter große Gemälde in dramatischem Hell-Dunkel erreichte seine untere Taxe von 100.000 Euro (bis 120.000). Das Paar bezaubernder Kinderporträts, die Cornelis Jonson van Ceulen 1629 malte, reüssierte bei 68.000 Euro: Erwartet waren 25.000 bis 35.000 Euro für die beiden Bilder aus der Privatsammlung von Thomas Olbricht, die Van Ham im Herbst 2020 in mehreren Tranchen auktionierte. Für eine Überraschung sorgte die Darstellung der Legende des heiligen Nikolaus, der drei Ritter vor der Hinrichtung rettet: Die nur 26 mal 22 Zentimeter kleine Tafel stammt von Luca Signorelli, ist Teil eines Altarbilds, das der Künstler für die Kirche S. Niccolò in Cortona um 1508/10 malte, und erzielte deutlich über der Schätzung 68.000 Euro (10.000/15.000). Annibale Carraccis „Studienkopf eines jungen Mannes“ wurde zur Untertaxe von 25.000 Euro (bis 30.000) zugeschlagen. Insgesamt setzte Van Ham mit „Fine Art“ 2,6 Millionen Euro um, erwartet waren 2,3 bis drei Millionen.

          Tom Blackwell, „Exciting Celine. Monaco“, 2014/15, Öl auf Leinwand, 135,5 mal 204 Zentimeter, Zuschlag: 150.000 Euro (80.000/120.000 Euro). Bilderstrecke
          Ergebnisse bei Van Ham : Der Herbst war sehr freundlich

          Knapp zwei Wochen später folgte die „Modern Week“ des Hauses. Bei der modernen Kunst überzeugte die rein abstrakte „Enseigne pour une école de moustiques“ von Max Ernst, mit der Taxe von 100.000 bis 150.000 Euro das Spitzenlos der Abteilung. Das 1961 entstandene, tiefblaue Ölgemälde sicherte sich ein deutscher Online-Bieter bei 135 000 Euro. Marc Chagalls spätes doppelköpfiges Selbstbildnis von 1977, das ihn halb als Mensch und halb als Ziege darstellt, geht zur unteren Taxe von 80.000 Euro (bis 120.000) in eine Privatsammlung in Nordrhein-Westfalen. Auch Picassos unbetitelte Tuschezeichnung einer Frau samt Hündchen von 1954 schaffte ihre untere Erwartung von 70.000 Euro (bis 90.000). Louis Marcoussis’ kubistisches Stillleben mit einer Ananas von 1920 blieb mit dem Vorbehaltszuschlag von 40.000 Euro (70.000/90.000) deutlich unter Taxe. Paul Kleinschmidts amüsante Darstellung einer „Gähnenden Dame“ in der Damenkapelle von 1937 geht für 43.000 Euro (bis 60.000) in eine süddeutsche Sammlung.

          Zum Spitzenreiter unter den Nachkriegskünstlern wurde Fernando Botero mit zwei monumentalen, 1976/77 entstandenen Plastiken: Das zwei Meter breite und 150 Zentimeter hohe, bronzene „Still Life with Watermelon“ überzeugt durch seine schlichte Sachlichkeit; es geht zur Untertaxe von 150.000 Euro (200.000: Auflage 6) nach Amerika. Die goldglänzende, zwei Meter hohe Bronze „Bird on a Column“ wechselt, deutlich über der Erwartung, für 135.000 Euro (70.000/90.000; Auflage 6) in eine Privatsammlung in Monaco. Die gigantische Bronze „Wächter“ der Düsseldorfer Künstlerin Hede Bühl bereichert gegen den Einsatz von 55.000 Euro (12.000/18.000; Auflage 6) künftig eine amerikanische Sammlung. Karl Otto Götz’ dynamische Farbexplosion „Claudia“ von 1993 war einem hessischen Sammler 85.000 Euro (40.000/60.000) wert. Und Richard Lins minimalistisches Ölbild „Early Spring“ bekam bei 110.000 Euro (80.000/120.000) ein chinesischer Handel. Günther Ueckers mit Golfbällen bestückte Leinwand „Bunker“ erreichte mit 150.000 Euro (bis 200.000) ihre untere Schätzung, und auch Imi Knoebels dreiteiliges Großformat „Bank Holiday“ schaffte seine Untertaxe von 100.000 Euro (bis 150.000).

          Das gut zwei Meter breite fotorealistische Ölgemälde „Exciting Celine. Monaco“ von Tom Blackwell reüssierte über der Erwartung bei 150.000 Euro (80.000/120.000) – damit das Toplos bei den Zeitgenossen. Wolfgang Tillmans’ großformatiges Unikat „Paper Drop (Black)“ von 2001 kam auf den Zuschlag bei 70.000 Euro (100.000/150.000), während es Thomas Ruffs Fotoarbeit „17h 51min/-18°“ in ähnlichem Format von 1991 auf 48.000 Euro (50.000/70.000; Auflage 2) brachte; das Motiv aus Ruffs bekannter Sternbilder-Serie erwarb ein süddeutscher Online-Bieter. Zwei farbgewaltige, in kräftigem Orange gehaltene Gemälde von David Schnell und von Adrian Ghenie erzielten 80.000 und 60.000 Euro (Taxe je 60.000/80.000).

          Insgesamt brachte es Van Hams „Modern Week“ auf 7,3 Millionen Euro Umsatz inklusive Aufgeld; die Erwartungen lagen bei 5,05 bis 7,2 Millionen. Generell hat das Kölner Haus Grund zur Freude: 2020 ist mit dem Gesamtjahresergebnis von knapp vierzig Millionen Euro und einem Plus von gut zehn Prozent gegenüber 2019 das umsatzstärkste Jahr in der Geschichte der Firma – und das trotz der Corona-Pandemie.

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