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Ergebnisse bei Neumeister : Höhenflug mit Kanarienvogel

  • -Aktualisiert am

Beachtliche Provenienz: Eines der beiden Gemälde aus dem Zyklus „Der verlorene Sohn“ von Christoph Janneck, die einst zum Gründungsbestand des „Met“ in New York gehörten. Bei Neumeister erzielten sie 30.000 Euro. Bild: Neumeister

Wertvolle Stücke aus einer Münchner Privatsammlung waren bei Neumeister besonders begehrt. Bei den Alten Meistern lief es etwas ruhiger. Ein Blick auf die Ergebnisse.

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          Schöne Dinge, die ein gepflegtes Münchner Interieur bestückten, wie vor Ort gemachte Aufnahmen zeigen, erzielten ausgezeichnete Ergebnisse auf Neumeisters jüngster Auktion. Da machte ein prächtiger Mainzer Aufsatzschreibschrank Karriere, dem möglicherweise der Möbelkünstler Ulrich Sedlmayr um 1750 den bewegten Umriss gab und die in freiplastischem Rollwerk auslaufenden Lisenen; mit dem Hammerpreis von 100.000 Euro verfünffachte ein süddeutscher Privatbieter die untere Taxe. Zuvor gab bereits Porzellan sein Bestes, als der Handel figürliche Frankenthaler Gewürzbehälter in Gestalt der vier Jahreszeiten aus der Epoche um 1763 bei 15.000 Euro (Taxe 4300) übernahm und als eine etwas frühere Meissener Kaffeekanne, bemalt mit Kauffahrteiszenen und reicher Staffage, für 43.000 Euro (18.000/22.000) an einen Telefonbieter aus Schanghai ging. Überhaupt fand die Sammlung international Anklang: Ein Dürers Kupferstich des Sündenfalls von 1504 nachempfundenes Buchsbaumrelief, geschnitzt zur Zeit der Dürer-Renaissance im frühen 17. Jahrhundert, ergatterte ein Online-Bieter aus Oxford für 22.000 Euro (8000/12.000), und gleich zwei Gemälde schmausender Mönche von Eduard Grützner ließ sich ein Bieter in Russland im Schätzungsrahmen bei 10.000 und 12.000 Euro zuschlagen. Franz Christoph Jannecks zwei Szenen aus der Geschichte des verlorenen Sohns, ehemals zum Gründungsbestand des New Yorker Metropolitan Museums zählend, erzielten mit 30.000 Euro die Untertaxe.

          Spätbarocke opulenz: Aufsatzschreibschrank mit Verzierungen, die vermutlich von Ulrich Sedlmayer stammen, zugeschlagen für 100.000 Euro (20.000).
          Spätbarocke opulenz: Aufsatzschreibschrank mit Verzierungen, die vermutlich von Ulrich Sedlmayer stammen, zugeschlagen für 100.000 Euro (20.000). : Bild: Neumeister

          Deutlich ruhiger lief am zweiten Tag die Altmeister-Offerte, aus der immerhin eine dem jüngeren Jan Brueghel zugewiesene „Paradieslandschaft mit Sündenfall“ hervorstach, als ein Online-Gebot aus Bayern 38.000 Euro (20.000/30.000) bewilligte. Hoch her ging es um den hübschen „Knaben mit Kanarienvogel“; es könnte der Spanier Antonio Carnicero gewesen sein, der da eventuell den Infanten Francisco de Paula porträtierte: Heute würden sich Tierfreunde über das „Spiel“ empören, bei dem Kinder kleine Vögel fliegen ließen, um sie sogleich am Band zurückzuholen, das den Tieren ans Beinchen gebunden war. Museen, Handel und Sammler fochten um das Gemälde, das für 35.000 Euro (10.000/15.000) in Privathand nach Bayern ging. Der Versteigerung von Lesser Urys um 1924 locker gemalter Impression einer „Burgruine im Rheingau“ war die Einigung mit den Erben der Cousine des Künstlers, Lucie Meyerheim, im Sinne einer gerechten und fairen Lösung vorausgegangen. Für 70.000 Euro, zur unteren Taxe, bekam das Werk ein Telefonbieter aus Amerika. Dorthin, nach New York, reist auch das neoimpressionistische Bild „Am Hafen von Amalfi“, das der lange in Berlin tätige Russe Konstantin Gorbatov 1933 schuf; es spielte 38.000 Euro (30.000/50.000) ein. Lisa Kümmel war Jawlenskys Muse, Geliebte, wichtigste Bezugsperson der letzten Jahre und schließlich Nachlassverwalterin des Künstlers. Eine kleine „Meditation“, die er seiner „lieben Lisa“ 1934 widmete, traf mit 40.000 Euro die Mitte der Taxspanne und erfreut nun einen Münchner Sammler. Hingegen ballte sich Interesse aus Österreich hinter Arbeiten Arnulf Rainers, dessen kräftig übermaltes Selbstbildnis „Nachtigall“ von 1970/71 ein Wiener Gebot mit 50.000 Euro die untere Schätzung kostete.

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