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Ergebnisse bei Koller : Liebesbrief bei Kerzenlicht

  • -Aktualisiert am

Ein Hieronymus von Anthonis van Dyck an der Spitze: Ergebnisse der Auktionen mit Alter Kunst und 19. Jahrhundert bei Koller in Zürich.

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          Ruhig und bedacht schaut der dunkelhaarige Junge den Betrachter an; sein weißer Spitzenkragen ist das einzig auffallende Accessoire seiner Erscheinung. Das marktfrisch aus Schweizer Privatbesitz eingelieferte, vierzig mal 33 Zentimeter große Porträt aus dem Umkreis von Annibale Carracci ging mit einer Schätzung von 4000 bis 6000 Franken bei Kollers Frühjahrsauktion mit Alter Kunst in Zürich an den Start: Der Zuschlag erfolgte erst bei 185.000 Franken. Möglicherweise sah der Käufer doch mehr in dem Gemälde als nur Carraccis Umfeld. Das Spitzenlos der Auktion, ein „Heiliger Hieronymus in der Wildnis“ von Anthonis van Dyck, der sich vermutlich einst in der Sammlung von Peter Paul Rubens befand, übertrumpfte nach einem langen Bietergefecht ebenfalls deutlich seine Erwartungen. Er war taxiert auf 800.000 bis eine Million Franken; der Hammer für das virtuose Frühwerk des Antwerpener Künstlers fiel aber erst bei mehr als dem Doppelten der oberen Schätzung: bei 2,1 Millionen Franken. Tizians zwischen 1545 und 1555 entstandenes „Bildnis eines Edelmannes“, das einst dem Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha gehörte, bliebt mit einer Erwartung von 800.000 bis 1,2 Millionen Franken liegen.

          Die erst kürzlich wiederentdeckte mystische Darstellung des heiligen Benedikts von Filippino Lippi, um 1470/75, übertraf ihre untere Taxe um fast das Dreifache mit einem Zuschlag bei 110.000 Franken (Taxe 40.000/60.000) und geht an einen Sammler in der Schweiz. Roelant Saverys amüsantes Rundstück einer liegenden Kuh aus dem Jahr 1604 brachte es auf stattliche 105.000 Franken (35.000/45.000). Die lebensgroße, um 1655/60 entstandene Darstellung des berühmtesten Liebespaars der Kunstgeschichte von „Venus und Adonis“ aus der Hand von Jacob Jordaens erreichte ihre obere Schätzung von 150.000 Franken; Daniel Fröschls Variante desselben Themas schaffte es auf die untere Taxe von 75.000 Franken. Ein 28 mal 23 Zentimeter großer „Blumenstrauß in einer Porzellanvase“ von Jan Brueghel d. J. reüssierte bei 100.000 Franken (40.000/60.000); Daniel Seghers’ und Cornelis Schuts wunderhübsche Gemeinschaftsarbeit einer „Blumengirlande um eine Kartusche mit Maria und Jesuskind“ wechselte für 75.000 Franken (60.000/80.000) den Besitzer. Unverkauft blieben Luca Giordanos marktfrisches Porträt eines unbekannten Gelehrten (80.000/120.000) und Jan van Goyens atmosphärische Stadtansicht mit Windmühle in Ocker- und Umbratönen (120.000/160.000).

          Am selben Tag versteigerte Koller 68 Lose zur Kunst des 19. Jahrhunderts. Die Spitze der Offerte behauptete Ferdinand Georg Waldmüllers bezauberndes Kerzenlicht-Porträt von 1848, das zwei junge Mädchen beim aufmerksamen Studieren eines Liebesbriefs zeigt: Das 78 mal 64 Zentimeter große Gemälde erwarb ein Schweizer Privatsammler für 190.000 Franken (150.000/200.000). Waldmüllers sonnige Landschaft „Partie aus dem Prater“ von 1833 schaffte ihre Obertaxe mit 60 000 Franken; seine vier Jahre später entstandene Bergansicht vom Watzmann-Gipfel blieb liegen (70.000/90.000). Dieses Schicksal teilten Carl Gustav Carus’ Darstellung von Dante Alighieri beim Verfassen seiner „Vita Nova“ (100.000/150.000) und Carl Spitzwegs Gemälde eines „Nach links sitzenden Orientalen in einem Basar“, das um 1852/53 entstand (30.000/40.000). Capris farbenprächtige Silhouette war Konstantin Ivanovich Gorbatoff wohlvertraut, vier Jahre lang lebte der russische Künstler auf der italienischen Felseninsel: Seine lichtdurchflutete Darstellung überflügelte ihren Schätzwert mit 110.000 Franken (60.000/80.000). Eine von zahlreichen Ansichten des Flusses Touques malte Eugène Louis Boudin 1893; sie zeigt eine teils bewaldete Flussbiegung bei Saint-Arnoult und brachte es auf 85.000 Franken (50.000/70.000). Und Arnold Böcklins „Büßende Maria Magdalena“ von 1895 wurde auf 80.000 Franken (30.000/40.000) angehoben.

          Bei der Auktion mit Zeichnungen Alter Meister avancierte ein Aquarell von Rudolf von Alt, das einen „Sommermorgen in Split“ zeigt, zum Toplos gegen ein Gebot von 30.000 Franken; erwartet waren 9000 bis 13.000 Franken. Anton Mauves Aquarell eines „Pflügenden Bauern in der Dämmerung“ stieg um mehr als das Zehnfache seiner Untertaxe auf 16.000 Franken (1400/2500). Zusammen spielten die Veranstaltungen mit Alter Kunst und 19. Jahrhundert 5,7 Millionen Franken ein; die Erwartungen lagen bei 4,2 Millionen.

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