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Ergebnisse bei Karl & Faber : Palme auf Frottee

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Gegen den Trend: Das Auktionshaus Karl & Faber verbucht das beste Jahresergebnis seiner Geschichte.

          2 Min.

          Nach seiner Prognose für das Corona-Jahr 2020 gefragt, antwortete Rupert Keim im Mai im Gespräch mit dieser Zeitung: „Selbst wenn die Auktionen gut verlaufen, werden sie wahrscheinlich nicht die Umsätze von 2018 und 2019 erzielen.“ Doch es gab eine positive Überraschung für den Geschäftsführer von Karl & Faber: Mit knapp zwanzig Millionen Umsatz kann er das beste Jahresergebnis in der Geschichte des Münchner Hauses verkünden. Die Gründe dafür? Die schon Monate vor der Krise angelaufene Akquise hatte noch ein gutes Angebot herbeigeschafft, und deutlich stärker als bisher wurde es von Internetbietern wahrgenommen. Besonders aktiv traten deutsche Privatkunden auf. Nach ihrem Ausbleiben im Sommer meldeten sich im Herbst auch die Amerikaner zurück. Zusätzlich habe er mehr private sales denn je abgewickelt, so Keim, und der weitgehende Wegfall der Messen machte sich zugunsten des Auktionsmarkts bemerkbar.

          Die besten Plätze belegte die Klassische Moderne. So auch in der Dezember-Auktion, als Franz Marcs mit dem Aquarell „Rötliches Tier“ und schwarzen „Abstrakten Formen“ recto und verso gefülltes Blatt durch einen Neukunden an die Spitze kam, der mit 350.000 Euro die untere Schätzung bestätigte. Es folgte Gabriele Münters „Dame im Park“, gemalt 1914 am schweizerischen Zufluchtsort Kandinskys, dem Landsitz Mariahalde; den Zuschlag erhielt bei 250.000 Euro (Taxe 250.000/350.000) ein Münchner Privatgebot. Ebenfalls Privat in Norddeutschland bekam Feiningers nächtliche Manhattan-Silhouette „B-B Town“ von 1945 für 185.000 Euro (140.000/180.000).

          Beim Vorbehaltszuschlag von 340.000 Euro (400.000/600.000) stockte August Mackes „Frau mit Kind an der Gartenmauer“ von 1913; noch wird um das Bild verhandelt, das die Erben des Ulmer Sammlers Erwin Mutschler einlieferten. Dessen Hauptleidenschaft galt jedoch abstrakter Kunst, die, im Sonderkatalog thematisch aufbereitet, großen Anklang fand; nur fünf der 73 Lose gingen zurück. Zu einem der Stars avancierte László Moholy-Nagys erster Entwurf zu seinem Ölgemälde „Großes Eisenbahnbild“, das die Sammlung Thyssen-Bornemisza in Madrid bewahrt. Das attraktive, vom Konstruktivismus beeinflusste Blatt, um 1919/20, verdoppelte mit 133.000 Euro fast seine Obertaxe. Zum meistbebotenen Los wurde Friedrich Vordemberge-Gildewarts „Mechanisches Zwischenspiel“: Vierzehn Telefonbieter waren am Start, dazu Aufträge und das Internet. Erst bei 46.000 Euro (10.000/15.000) erging der Hammerschlag für die seltene frühe Collage an ein Privatgebot aus Hamburg. Auch Günther Uecker fehlte in der Sammlung nicht, sein „Wolkenfeld“, 1967 genagelt, traf mit 205.000 Euro die Mitte des Schätzrahmens.

          Nachkriegskunst und Zeitgenossen zeigten solide Resultate, unter anderem für Carla Arcadis zeichenbedeckte Leinwand „Argento Turchese“ von 1964/66, die von 35.000 auf 60.000 Euro sprang. AuchMarcel Broodthaers’ mit Palme und „abc“ bedrucktes Frottee-Bild von 1974 traf mit 100.000 Euro seine Taxe. „Rude“, ein Ölbild von 1993, das Georg Baselitz seinem Exgaleristen Benjamin Katz widmete, verbuchte mit 180.000 Euro die Obertaxe. Glanzvoll führte Kiki Smith eine kleine weibliche Abteilung an, als ein New Yorker Privatbieter ihre riesengroße Zeichnung „Assembly II“ von 50.000 auf 100.000 Euro anhob, bevor New Yorker Handel ebenfalls 100.000 Euro (25.000/35.000) ihrem Bronzerelief „Fox on the Ground“ zugestand.

          Bei den Alten Meistern hatte zuvor der Antwerpener Sebastian Vrancx mit seiner um 1625 gemalten „Plünderung der Schlacht“ gepunktet, die ein russischer Bieter für 85.000 Euro (40.000/60.000) nahm. Carl Spitzwegs „Geologe“ schaffte mit 40.000 Euro (40.000/60.000) Platz eins beim 19. Jahrhundert, dank eines deutschen Museums. Die kleine Wilhelm-Busch-Suite gipfelte im Selbstbildnis mit neun Grimassen, das 20.000 Euro (12.000/15.000) einspielte. Johann Georg von Dillis’ „Süddeutsche Landschaft mit Wanderern“ ging für 30.000 Euro (20.000/25.000) nach Berlin.

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