https://www.faz.net/-gqz-acvbh

Ergebnisse bei Grisebach : Auf Vordermann

Konrad Lueg, „Bockwürste auf Pappteller“, 1962/63, 100,3 mal 99,7 Zentimeter, Zuschlag 350.000 Euro. Bild: Grisebach GmbH / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Beliebte Zeitgenossen: Ein Blick auf die Ergebnisse der Sommerauktion bei Grisebach in Berlin.

          3 Min.

          Die Abendauktion der „Ausgewählten Werke“ bei Grisebach verlief erfolgreich; von 45 Losen gingen nur vier zurück. Konrad Luegs „Bockwürste auf Pappteller“ von 1962/63 standen nach einem Bietgefecht bei 350.000 Euro, fast dem Dreifache der oberen Schätzung – ein Auktionsrekord für den 1996 gestorbenen deutschen Pop-Art-Künstler. Das Bild wurde erstmals 1963 bei der legendären Ausstellung „Leben mit Pop – eine Demonstration für den Kapitalistischen Realismus“ im Möbelhaus Berges in Düsseldorf gezeigt; ein Kunsthändler aus Nordrhein-Westfalen erhielt den Zuschlag am Telefon. Überhaupt waren die Zeitgenossen Publikumslieblinge: Gerhard Richters „Umgeschlagenes Blatt“ kam auf 600.000 Euro (Taxe 600.000/800.000); sein Porträt „Heidi“ von 1965 lies mit 440.000 Euro (280.000/350.000) die Taxe deutlich hinter sich.

          Kevin Hanschke
          Volontär.

          Konrad Klaphecks gelb-schwarzes Schuh-Stillleben „Ähnliche Eltern“ wurde bei 460.000 Euro (200.000/300.000) einem Bieter im Saal zugeschlagen. Bei 280 000 Euro (300.000/400.000) ging Neo Rauchs Großformat „Autor“ in Öl auf Papier, collagiert auf Leinen, von 1994 ebenfalls an einen Saalbieter. Das mit 700.000 bis eine Million Euro am höchsten bewertete Los, Emil Noldes „Sonnenblume“, enttäuschte – und ging bei 650.000 Euro zurück. Dafür wurde Max Liebermanns „Reiter in der Allee bei Sakrow“ von 1924 für 1,2 Millionen Euro (500.000/700.000) von einem norddeutschen Privatsammler übernommen. Einen weiteren Auktionsrekord gab es für den neusachlichen Künstler Carl Grossberg; sein „Selbstbildnis“ von 1928 geht für 520.000 Euro (300.000/400.000) in eine Privatsammlung in Nordrhein-Westfalen. Auch Heinrich Vogelers symbolistische „Träume II“ von 1912 übertrafen die Schätzung mit 520.000 Euro (200.000/300.000), zugunsten einer Berliner Privatsammlung.

          Neu in der Sammlung des Frankfurter Städelmuseums: Heinrich Hoerle, „Vordermann“, 1932, Wachskreide auf festem Papier, 42,5 mal 35,5 Zentimeter, Zuschlag 120.000 Euro (40.000/60.000).
          Neu in der Sammlung des Frankfurter Städelmuseums: Heinrich Hoerle, „Vordermann“, 1932, Wachskreide auf festem Papier, 42,5 mal 35,5 Zentimeter, Zuschlag 120.000 Euro (40.000/60.000). : Bild: Grisebach

          Für einige Schlüsselwerke der Sander Collection, der ein eigener Katalog galt, gab es rasanten Wettstreit zwischen Saal, Telefonen und Internet, insbesondere bei konstruktivistischen Werken. Zum Star des Abends avancierte das geometrische „Wandbild für einen Fotografen“ von Franz Wilhelm Seiwert aus dem Jahr 1925: Erst gegen das Gebot von einer Million Euro (400.000/600.000) konnte es das Art Institute in Chicago für sich sichern. Seiwerts „Ländliche Familie“ kam auf 110.000 Euro (100.000/150.000). Bei Heinrich Hoerles Wachskreide-Bild „Vordermann“ von 1932 setzte sich das Städelmuseum in Frankfurt gegen die Konkurrenz durch mit 120.000 Euro (40.000/60.000). Hoerles „Selbstbildnis“ von 1931 stieg auf 125.000 Euro (60.000/80.000).

          Die Auktion der Kunst des 19. Jahrhunderts mit neunzig Losen verlief mit 22 Rückgängen eher enttäuschend. Wilhelm Leibls Non-Finito „Mädchenkopf“ wurde für 130.000 Euro (100.000/150.000) zugeschlagen und Carl Schuchs Vanitas „Totenschädel mit Rosen“ zur unteren Taxe von 50.000 Euro (50.000/70.000). Der großformatige „Fischzug des Polyphem“ entwickelte sich zum Bieterfavoriten und konnte 87.000 Euro (50.000/70.000) erzielen, geboten von einem deutschen Privatsammler. In einer Pietschmann-Ausstellung 2020 bei Grisebach war das Gemälde von 1892 für 120.000 Euro angeboten worden. Für die intime Zugcoupé-Zeichnung „Morgens früh im Nachtschnellzug“ von Adolph Menzel reichte erst ein Gebot von 165.000 Euro (80.000/120.000). Eugen Brachts „Templerschloß“ von 1915 geht für 150.000 Euro (25 000/35 000) an die Sammlung Sander nach Darmstadt.

          Die Moderne Kunst führt Theo von Brockhusens „Ausflugslokal“ an, das für 85.000 Euro (30.000/40.000) unter den Hammer kam. Das „Porträt Bruno Alexander Roscher“ von Otto Dix errang 80.000 Euro (30.000/40.000). Georg Tapperts „Liegender Akt mit Strümpfen und Schuhen“ in Öl auf Karton ging für 60.000 Euro (35.000/45.000) weg. Fünfzig Lose von 195 gingen hier zurück.

          Bei der zeitgenössischen Kunst verdoppelte Tom Wesselmanns „Study for Bedroom Painting #71 (Double Drop-Out)“ mit 150.000 Euro (70.000/90.000) den Schätzwert. Joseph Beuys’ Gouache „Zwei Frauen“ von 1958 kam mit 100.000 Euro (80.000/120.000) auf die mittlere Taxe. David Hockneys Farb-„Lithograph of Water Made of Thick and Thin Lines, a Green Wash, a Light Blue Wash, and a Dark Blue Wash“ ging für 100.000 Euro (40.000/60.000) weg. Als teuerstes Los der Fotografie brachte Thomas Struths frühe „West 44th Street New York“ 30.000 Euro (20.000/25.000), eingesetzt von einer amerikanischen Privatsammlung. Auch Abzüge von Otto Steinert avancierten: „Verspielter Punkt“ (5000/7000) und „Ohne Titel (Photogramm mit Bällen und Kreisen)“ (7000/9000) erzielten jeweils 18.000 Euro. – Grisebach verzeichnet einen Umsatz von 24,3 Millionen, das Aufgeld eingerechnet, gegenüber einer Netto-Gesamtschätzung von fünfzehn bis 20,5 Millionen Euro.

          Weitere Themen

          Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet Video-Seite öffnen

          Unesco-Welterbe : Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet

          Die deutschen Kurstädte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen worden – neben Kurstädten in weiteren Ländern Europas. Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt schaffte es neu auf die Liste.

          Gestern und heute

          Kölner Ergebnisse : Gestern und heute

          Yves Klein entfacht ein Bietergefecht, und eine Waschgarnitur für eine königliche Mätresse findet neue Liebhaber: Die Ergebnisse der Sommerauktionen bei Lempertz in Köln.

          Topmeldungen

          Einsatz in Kirli: Feuerwehrleute versuchen ein Feuer in der türkischen Provinz Antalya unter Kontrolle zu bringen.

          Brände in Türkei und Italien : Heftige Feuer im Mittelmeerraum

          In der Türkei und in Italien brennen die Wälder. Schuld sind womöglich Brandstifter. Eine seit Anfang der Woche andauernde Hitzewelle in Griechenland geht indes auf ihren Höhepunkt zu – mit Temperaturen von bis zu 45 Grad.
          Markus Söder im Landtag, im Vordergrund Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Rednerpult

          Testpflicht und Impfregime : Söders Sorgen

          Die Testpflicht ist das Eingeständnis von Bund und Ländern, dass ihre Strategie nicht aufgegangen ist. Die Impfmüdigkeit ist zu groß. Der Grund: Eigensinn und Politiker wie Hubert Aiwanger.

          Aufruhr im Schwimmen : Zurück im Doping-Sumpf

          Ryan Murphy wird von Jewgeni Rylow geschlagen. Der Amerikaner spricht im Anschluss von einem Rennen, das „wahrscheinlich nicht sauber“ war – und wird vom Olympischen Komitee Russlands als Verlierer verhöhnt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.