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Ergebnisse bei Bassenge : Gemeinsam Lethe schlürfen

René Descartes: „Discours de la méthode“ Bild: Bassenge

Ergebnisse der Frühjahrsauktion mit Büchern und Autographen bei Bassenge.

          1 Min.

          Als einziges Museum unter meist privaten Sammlern gelang dem Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut zur Taxe von 12.000 Euro bei Bassenge in Berlin die Erwerbung jenes letzten Briefs, den Robert Schumann zwei Wochen vor seinem Freitod am 27. Februar 1854 an den ihm nicht immer wohlgesonnenen Julius Stern, den Mitbegründer und späteren Direktors des Berliner Konservatoriums, gerichtet hatte. Nach Streitigkeiten um einen potentiellen Stellenwechsel drang der Komponist auf Versöhnung: „Leben Sie wohl und lassen Sie uns Lethe zusammen trinken.“ Der Lage gemäß online versteigert wurden auch die zwei Spitzenlose: Isaac Newtons „Philosophiae naturalis principia mathematica“ wurde bei 140.000 Euro (Taxe 120.000) vom Londoner Handel übernommen. Ebenfalls nach England wandert für 75.000 Euro (48.000) die Erstausgabe des „Discours de la méthode“ von René Descartes, ein Glanzstück aus der Sammlung des königlichen Bibliothekars Pierre Du Puy. In der Sektion „Moderne Literatur und Kunstdokumentation“ verblüffte der Preis von 37.000 Euro (8000), den ein Münchner Sammler für zwei Bleistiftzeichnungen von Joseph Beuys bewilligte, die er 1965 der Neuauflage eines Novellenbands des Wiener Symbolisten Richard Schaukal beigegeben hatte. Durch die Decke gingen auch 38 Reproduktionen nach Gemälden von Gustav Klimt, die 36.000 Euro (7500) einspielten. Bei den Autographen erinnerte ein für 5500 Euro (2500) verkauftes Handschreiben des Dichters und Orientalisten Friedrich Rückert an die zentrale Rolle, die sein Briefpartner Alexander von Humboldt im Kulturleben der preußischen Monarchie spielte: Durch dessen Intervention erhielt Rückert nicht nur ein Lehramt für Arabisch, Persisch und Türkisch, sondern im Alter auch die ersehnte Pension. Weniger Zuspruch als erwartet erfuhren die großen Namen expressionistischer Lyrik. Georg Heyms eigenhändig notierte Gedichte kamen, privat beboten, nur auf 30.000 Euro (40.000), und Ernst Stadlers Entwürfe für die Anthologie „Praeludium“ enttäuschten eher bei 18.000 Euro (20.000). Else Lasker-Schülers einem bewunderten jungen Mexikaner, dem „Dogen von Locarno“, dediziertes Exemplar der Gedichtsammlung „Theben“ kam auf 4000 Euro (6000). Gefragt war immer noch Bauhaus-Literatur; die im Juli 1922 vorgelegte „Satzung“ der Weimarer Reformschule spielte 5000 Euro (1200) ein.

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