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Sammlung Gutmann : Gesuchtes Restitutionsgut

  • -Aktualisiert am

Erzengel im Einsatz: Ein Anhänger mit der Darstellung des heiligen Michael im Kampf gegen den Teufel, um 1610, Rubin, Perlen und Emaille, 5,2 mal 5 Zentimeter, spielte 11.000 Euro ein. Bild: Neumeister

Objekte aus der Sammlung des jüdischen Bankiers Fritz Gutmann, der im KZ ermordet wurde, kamen beim Auktionshaus Neumeister in München zum Aufruf. Die Suche nach weiteren Objekten aus seiner Kollektion dauert an.

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          Auch achtzig Jahre nach dem Verlust ist die Suche nach Objekten aus der Sammlung Gutmann noch immer im Gange. Erst im Mai dieses Jahres bekamen die Erben des jüdischen Kunstsammlers Friedrich „Fritz“ Gutmann achtzehn Teile zurück, die sich in der Karl und Magdalena Haberstock-Stiftung im Augsburger Schaezlerpalais befanden.

          Fritz Gutmann, Sohn und Erbe des Gründers der Dresdner Bank, Eugen Gutmann, hatte die bedeutende väterliche Sammlung weiter ausgebaut, die er dann 1942 in Vorbereitung seiner Flucht den Kunsthändlern Karl Haberstock und Julius Böhler in Kommission gab. Bald darauf ermordeten die Nazis ihn und seine Frau in Konzentrationslagern. Nicht zuletzt erst durch Recherchen von Fritz’ Enkel Simon Goodman waren Objekte aus der Sammlung als Privatentnahmen Haberstocks – eines der Hauptlieferanten des „Führermuseums“ in Linz – identifiziert und schließlich restituiert worden.

          Neumeister versteigerte sie jüngst in zehn Lots, die zwar keine Alten Meister, Impressionisten oder hochbedeutende Gold- oder Silberschmiedearbeiten umfassten, Dinge also, die diese Sammlung berühmt machten, aber doch hübsche Petitessen. Besonders gefragt war ein Schmuckanhänger mit der kleinen Figur des heiligen Michael im Kampf mit dem Teufel. Die Arbeit aus Gold, Rubin, Perlen und buntem Emaille, die um 1610 in Augsburg gefertigt worden sein könnte, spielte 11.000 Euro ein (Taxe 7000 bis 9000 Euro). Unter einigen Meissen-Stücken fielen zwei Sakeflaschen mit 16.000 Euro (20.000/25.000) ins Gewicht. Ein Damensekretär aus der David-Roentgen-Nachfolge ging zurück.

          Zuschlag bei 24.000 Euro: Giovanni Domenico Tiepolo „Nessos und Deïaneira“, Feder und Pinsel in Braun, laviert, auf Bütten. 19,5 mal 27,5 Zentimeter
          Zuschlag bei 24.000 Euro: Giovanni Domenico Tiepolo „Nessos und Deïaneira“, Feder und Pinsel in Braun, laviert, auf Bütten. 19,5 mal 27,5 Zentimeter : Bild: Neumeister

          Aus dem Angebot von Asiatika pickte ein Telefonbieter aus China eine im Katalog nur mit wenigen Angaben versehene Balustervase mit Blaudekor für stolze 10.000 Euro (400/500). Die Grafik-Abteilung verbuchte satte Steigerungen für Giovanni Domenico Tiepolos Feder- und Pinselzeichnung von „Nessos und Deianeira“ – mit 24.000 Euro Hammerpreis verdoppelte sie ihre Obertaxe – sowie für Atlanten von Alexis-Hubert Jaillot, dessen „Atlas nouveau, contenant toutes les parties du monde“ mit 25 000 Euro leicht über die obere Schätzung kam. Sein Seeatlas „Le Neptune Francois…“ von 1693 konnte die ihre mit 75.000 Euro mehr als verdoppeln. Bei Malerei des 19. Jahrhunderts stand der Orientmaler Ferdinand Max Bredt bestens mit „Brautschmuck“ da, den zwei junge, leicht bekleidete Damen anprobieren, was einem französischen Bieter 52.000 Euro (15.000/20.000) entlockte. Platz eins der zeitgenössischen Kunst belegte der in seiner Heimat stark gefragte Lette Normunds Braslins mit seinem Ölbild „Moonlight Bath“. Das Lichtbad, das sieben hyperrealistische weibliche Akte vor himmelblauem Grund nehmen, kletterte von 4000 auf 32.000 Euro.

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