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Ergebnisse bei Ketterer : Es geht voran

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Die Herbstauktionen verbreiten bei Ketterer beste Stimmung. Hier stehen die wichtigen Zuschläge.

          Nach drei Tagen Herbstauktionen mit Kunst des 20. und 21.Jahrhunderts herrschte bei Ketterer ausgezeichnete Stimmung. Mit einem Resultat von 23,5 Millionen Euro (inklusive 25 Prozent Aufgeld) beansprucht das Haus für sich „die beste Auktion des Jahres in Deutschland“. Die vordersten Plätze teilen sich Werke der Klassischen Moderne mit lebenden Klassikern, was der diesmal im Katalog vorgenommenen Mischung beider Gruppen entsprach. Das Siegerpodest besetzt Emil Noldes Ölgemälde „Herbstwolken, Friesland“ von 1929. Es gehörte einst dem großen Sammler Bernhard Sprengel, der es den jetzigen Einlieferern schenkte. Sie konnten sich über den Zuschlag bei 1,35 Millionen Euro freuen, womit eine Telefonbieterin aus Russland die mittlere Schätzung (Taxe 1,2/1,5 Millionen Euro) bewilligte; mit Aufgeld bezahlt sie mehr als 1,68 Millionen Euro. Günther Ueckers „Zärtlicher Garten“ war insofern eine Überraschung, als das frühe Werk von 1964 in einem für Uecker ungewöhnlichen Rosé gehalten ist und in den Nagel-Wogen zwei menschliche Körper angedeutet scheinen: Internationale Interessenten überflügelte ein Privatgebot aus Brandenburg beim Hammerschlag von 1,17 Millionen Euro (600.000/800.000). Gerhard Richters Porträt des rheinländischen Unternehmers und Sammlers Willy Schniewind in der Art eines unscharfen Fotos ging nach dem Aufruf bei 700.000 Euro zur unteren Taxe von 800 000 Euro (bis 1,2 Millionen) an ein Gebot aus Taiwan. Dann folgt wieder Klassische Moderne: Ein Berliner Privatsammler bekam August Mackes 1913 am Thunersee aquarellierte „Begrüßung“ gegen viele Mitbewerber für 750.000 Euro, weit über der Schätzung von 350.000 bis 450.000 Euro. Mit diesen vier Losen schaffte es Ketterer unter die Top Ten der deutschen Auktionen (F.A.Z. vom 22.Dezember 2018).

          Als Nächster erscheint Baselitz mit dem 1991 gemalten „Mäanderlied (28.VII.91/2.VIII.91)“, geadelt mit Alfred-Neven-DuMont-Provenienz, bei 530.000 Euro (300.000/400.000), gefolgt von Erich Heckels „Badenden am Stein“, für die eine, wie verlautet, „bedeutende süddeutsche Expressionismus-Sammlung“ die untere Taxe von 500000 Euro einsetzte. Analysen ergaben, dass es sich bei Lehmbrucks „Gebeugtem weiblichen Torso“ um eine erste Gipsguss-Variante aus der Pariser Zeit handelt – eine Rarität, die deutsche Privatgebote auf 300000 Euro (160000/180000) hoben. Auch Kirchner schnitt recht gut ab, für das marktfrische Ölbild „Haus auf der Staffel“, das die Hütte der Familie Rüesch zeigt, in der Kirchner den Sommer 1918 verbrachte, fiel der Hammer bei 320.000 Euro (200.000/300.000) und für das Pastell „Selbstporträt mit Gerda (Mann und Sitzende im Atelier)“ bei 400.000 Euro, der unteren Schätzung. Ebenfalls 400.000 Euro (400.000/ 600.000) erreichte das bestverkaufte von vier Nay-Werken, die „Schwarze Sternenbahn“ von 1955.

          Noch nie wurde für ein Gemälde Konrad Klaphecks auf einer Auktion so viel bezahlt wie die 420.000 Euro (200.000/ 300.000), die jetzt seine „Royal“-Schreibmaschine von 1957 einspielte. Hingegen hob sich keine Hand für Sol LeWitts Open-Cube-„Pyramid“ (300.000/ 400.000). Einen vorderen Platz unter den Plastiken eroberte dafür Tony Craggs rotnasige kugelige Bronze „Versus“ von 2012 mit 300000 Euro (250.000/350.000). Im 61 Lose umfassenden Zeitgenossen-Angebot erschien Imi Knoebel mit nicht weniger als sieben Arbeiten, unter denen „Anima mundi 41-5“ nach ausdauerndem Gefecht für 115.000 Euro (70.000/90.000) an einen schriftlichen Auftrag ging. Auch von Balkenhol stand eine ganze Auswahl zur Verfügung, besonders reüssierte das große Relief „Mann“ von 1987 bei 48.000 Euro (40.000/60.000). Einzelstücke stellten Karin Kneffels „Ohne Titel“-Gemälde eines Dalmatiners auf rot-weißen Fliesen von 2003 mit 75.000 Euro (70.000) dar oder Norbert Biskys „Es geht voran“, drei blonde Jungmänner mit geschulterten Stangen, mit 62.000 Euro (20.000/30.000).

          Den Gesamterlös des Jahres 2018 gibt Ketterer mit rund 52 Millionen Euro an, eingerechnet die 25 Prozent Aufgeld für Kunstwerke und auch die Buchauktionen, die, bei einem Aufgeld von 27 Prozent, mit 3,3 Millionen Euro schlossen. Das 19.Jahrhundert trug 2,4 Millionen Euro bei, etwas mehr als die Hälfte davon erzielte die entsprechende Herbstauktion mit 128 Losen. Deren Held hieß Ivan Aivasovsky, der Meermaler, dessen atmosphärisch starkes Gemälde „Ruhige See“ von 1887 einem russischen Privatsammler das Gebot von 170.000 Euro (120.000/150.000) abverlangte. Die „Wochenstube“ im Schweinekoben, die Max Liebermann 1888 mit niedlichen Ferkelchen füllte, hing zuletzt als Dauerleihgabe in der Liebermann-Villa am Wannsee. Erst bei 130.000 Euro (60.000/80.000) besiegte ein süddeutscher Sammler im Saal ein Museum. Publikumsliebling Carl Spitzweg konnte mit einem typischen Sujet, einem auf lauschiger Terrasse in Öl skizzierten lesenden Herrn „Am Sonntagmorgen“, 70.000 Euro (40.000/60.000) einbringen.

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