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Spekulation mit Kulturgütern : Wie die „Maske der Winde“ für immer verloren ging

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Einst im Dresdner Völkerkunde­museum, heute unbezahlbar: Maske von den Mortlock-Inseln Bild: Christie's

Aus sechzig Mark werden 9,2 Millionen Euro: Wie eine Maske aus Mikronesien in den Strudel des Kunsthandels geriet und der Öffentlichkeit entzogen wurde. Ein Gastbeitrag.

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          Es war ein Weltrekord: Bei 9,17 Millionen Euro erging im Sommer vergangenen Jahres bei Christie’s in Paris der Zuschlag an einen anonymen Bieter. Während der Versteigerung einer Privatsammlung wechselte eine knapp siebzig Zentimeter hohe Holzmaske aus Mikronesien zum höchsten Preis, der je für ein ozeanisches Artefakt erzielt worden war, den Besitzer. Der Schätzwert von 500.000 bis 700.000 Euro für das Objekt von beherrscht-strenger, nur leicht konvexer Form mit spartanischer Bemalung war um das fast Fünfzehnfache übertroffen worden.

          Bei Auktionen ist Diskretion Ehrensache. In Paris hatten Bieter aus achtzehn Ländern um die besten Exponate gewetteifert. Die meisten blieben unsichtbar für die Öffentlichkeit; sie waren telefonisch oder online zugeschaltet. In welches Land, in wessen Sammlung, Bankschließfach oder Zollfreilager die Holzmaske kam, wurde nicht publik. Durch den anonymisierten Kunsthandel ist einmal mehr ein singuläres außereuropäisches Kulturdokument, das die Qualität eines Weltkulturerbes hat, der Öffentlichkeit entzogen worden.

          Hundert Jahre befand die Maske sich im Besitz des Völkerkundemuseums Dresden, bevor sie 1975 auf den Kunstmarkt gestoßen wurde. Bei den exorbitanten Preissteigerungen, die dort stattfinden, ist kein Museum in der Lage, ein solches Objekt auf einer Auktion zu erstehen. Die Weggabe war ein „point of no return“. Für die Herkunftsgesellschaften muss die Geldmacherei mit einem ehemals sakralen Kulturgut ihrer Vorfahren wie Hohn erscheinen. Sie mindestens mit der Hälfte am Gewinn partizipieren zu lassen, wäre ein Gebot der Stunde.

          Knapp 70 Zentimeter misst die „Maske der Winde“, hier auf einer historischen Aufnahme der Staatlichen Kunstsammlung Dresden.
          Knapp 70 Zentimeter misst die „Maske der Winde“, hier auf einer historischen Aufnahme der Staatlichen Kunstsammlung Dresden. : Bild: SKD

          Die „Maske der Winde“ stammt von den Mortlock-Inseln (heute Nomoi) des Karolinen-Archipels (heute Bundesstaat Chuuk der Föderierten Staaten von Mikronesien) und zählt zu den ältesten und seltensten Artefakten der Region. Der mit einer mikronesischen Frau verheiratete und in Pohnpei (Ponape) lebende gebürtige Pole Johann Stanislaus Kubary erwarb sie 1877 noch vor der deutschen Kolonialzeit im Auftrag des Godeffroy-Museums in Hamburg, aus dem sie nach Dresden kam. Der hohe Auktionspreis, den die Tapuanu-Maske, wie sie auf Nomoi genannt wird, erzielte, hängt wesentlich damit zusammen, dass ihr Alter und ihre Authentizität verbürgt sind: durch die Herkunft aus einem für seine qualitativ hochstehende Sammlung berühmten öffentlichen Museum.

          In der Dresdner Sammlung war die Maske ein Unikat, keine Dublette. Es ist schwer verständlich, warum ein Museum dieses weggeben konnte, und zwar – wie in Leipzig auch – im „Tausch“ gegen in der Regel zwar zahlenmäßig mehr, jedoch weniger bedeutungsvolle Objekte. Alle Versuche, Licht in die zwischen 1974 und 1992 stattgefundenen Tauschaffären zu bringen, in die osteuropäische Museen wie das Ethnographische Museum in Budapest involviert waren, liefen ins Leere. Die Dimensionen der sowohl horizontal (geographisch) wie vertikal (bis in die höhere Verwaltung) verankerten Tausch- und Beziehungsnetzwerke, an denen offensichtlich viele Akteure partizipierten, aber nur wenige in Erscheinung traten, sind nur erahnbar. Sie lassen jedoch, wenn auch auf niedrigerem Niveau, Erinnerungen an den Fall Alexander Schalck-Golodkowski und die „Kommerzielle Koordinierung“ des DDR-Ministeriums für Außenhandel wach werden.

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