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Pace Gallery klagt auf Betrug : Enkeltrick mit Seurat

  • -Aktualisiert am

Gezeichnet von Opa Seurat? Wohl eher nicht: die Pace angebotene Zeichnung Bild: Artnews/Screenshot F.A.Z.

Die New Yorker Pace Gallery zieht vor Gericht: Ein angeblicher Enkel Georges Seurats soll ihr ein angebliches Werk des berühmten Künstlers verkauft haben. Dabei hatte der nicht einmal Kinder. Und das Bild? Ist wohl auch ein Fake.

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          Da half wohl aller Sachverstand nicht: Die renommierte New Yorker Pace Gallery scheint auf einen nicht einmal besonders raffinierten Betrug hereingefallen zu sein. Ein Mann namens Jean-Pierre Seurat soll sie glauben gemacht haben, er sei ein Enkelsohn Georges Seurats und habe eine Zeichnung desselben zu verkaufen. „Le Suiveur” (Der Verfolger) zeigt zwei Schattenfiguren vor einem erleuchteten Fenster. Im November zahlte Pace offenbar zwei Millionen Dollar, bevor auffiel, dass der 1891 verstorbene französische Künstler keine Kinder und somit auch keine Enkel hatte. Auf seiner Homepage versuchte Jean-Pierre Seurat, sich als „entfernter Cousin” des Pointillisten herauszureden. Doch da war es schon zu spät: Die Galerie hatte die Authentizität der Zeichnung noch einmal gründlicher prüfen lassen – mit negativem Ergebnis.

          Pace klagt nun vor dem Obersten Gericht des Bundesstaats gegen den mutmaßlichen Betrüger und mögliche Komplizen. Verwickelt in den Fall ist auch Constance H. Schwartz, die früher das Nassau County Museum of Art in Roslyn Harbor auf Long Island leitete. Sie soll an Pace herangetreten und den Kontakt zum vermeintlichen Seurat-Enkel hergestellt haben. Verwandt mit dem Künstler soll dieser übrigens nicht sein. Schwartz lockte die Galerie der Anklageschrift zufolge mit der Aussicht auf weitere „Meisterwerke“ aus dem Besitz des angeblichen Nachfahren. Überdies soll die Vermittlerin dem Kunsthändler ein gefälschtes Echtheitszertifikat geschickt haben.

          Ein nie öffentlich gezeigtes Werk aus Familienbesitz?

          Pace habe mit Dokumenten überzeugt werden sollen, die auf Félix Fénéon verwiesen, den französischen Kunstkritiker und Sammler, der den Begriff des Neoimpressionismus prägte. Der 1944 verstorbene Fénéon hatte neben Seurat auch Henri Matisse und Camille Pissarro bekannter gemacht. Vor zwei Jahren hatte das New Yorker Museum of Modern Art ihm eine Ausstellung gewidmet. Eine angebliche Notiz von Fénéons Enkelin soll nun Pace gegenüber als Beleg dafür gedient haben, dass die Zeichnung ein Erbstück sei. Das Blatt sei nie öffentlich gezeigt worden und stets im Besitz der Familie gewesen – was es wohl attraktiv machte für die Galerie, die sich nun mit der öffentlichen Blamage befassen muss.

          Gemälde von Seurat wurden schon für um die 34 Millionen Dollar versteigert – nun muss sich Pace den Vorwurf gefallen lassen, die Galerie habe wegen der Aussicht auf hohe Einnahmen nicht so genau hingeschaut. Die Schuld an dem Schlamassel gibt Pace freilich dem mutmaßlichen Betrüger: Er habe dazu beigetragen, dass das Vertrauen zwischen Käufern, Sammlern und Publikum, dass grundlegend für den Kunstmarkt sei, empfindlichen Schaden erlitten habe, heißt es in der Klageschrift.

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