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Emma Talbot in Düsseldorf : Ein seltsames Ei im Nest

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Die skurrile Welt der Emma Talbot scheint bunt und niedlich. Dahinter aber liegen verschachtelte Träume, die von Scham, Leidenschaft und Trauer erzählen. Zu sehen sind sie bei der Petra Rinck Galerie.

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          Man muss es einfach so sagen: Die Köpfe von Emma Talbots Figuren sehen, zumindest unter jahreszeitlichem Einfluss betrachtet, ein wenig aus wie Ostereier - glatt und leicht konisch geformt, ohne Gesichter, Nasen oder Münder. Und sie werfen Fragen auf. An wen denn erinnern diese Bilder der britischen Künstlerin, Jahrgang 1969, deren Details so seltsam vertraut erscheinen? Mit der starken Linienführung und den vereinfachten Silhouetten, die das Zeichnerische stets durchscheinen lassen? Mit Künstlerkolleginnen wie Lucy McKenzie mag Talbot die derzeit populäre Liebe zur Arts-and-Crafts-Bewegung der vorletzten Jahrhundertwende verbinden. Doch ihre idiosynkratischen, aber auch aus Literatur und Philosophie gespeisten Erzählungen scheinen vor allem mit Vorläufern wie Henry Darger oder James Ensor zu korrespondieren.

          Die Gleichzeitigkeit von Malerei, Zeichnung, Skulptur und Textilarbeit ist ebenso typisch für Talbot wie der spielerische Umgang mit unterschiedlichen kunsthistorischen Topoi. In ihren verschachtelten Gemälden deuten sich Träume an, bilden sich Erinnerungen ab, werden Themen wie Scham, Leidenschaft und Trauer verarbeitet. Emma Talbot buchstabiert private Mythologien aus. Ihre Geschichten tönen dabei meist in Moll, trotz der vielen Farben und der überbordenden Ornamentik. Doch neben den in Acryl hauchfein auf ungrundiertes Leinen gemalten Bildern widmet sie sich auch der Handarbeit, und das auf eine gänzlich unkonventionelle Art: Genitalien sind golden bestickt oder bunt geblümt, plastisch ausformuliert oder nur angedeutet und mit Perücken ins Surreale verschoben. All das findet sich auf einem „Bed“ zusammen, das ebenso viel mit den stofflichen Kreaturen ihrer französischen Kollegin Annette Messager zu tun hat, wie es wohl auch Reminiszenz an das berüchtigte ungemachte Bett ist, mit dem Tracey Emin einst bekannt wurde.

          Die Täuschung wird evident: Was so lustig bunt, fast niedlich daherkommt, enthält Momente drastischer Sexualität, inspiriert von der Lektüre Pablo Nerudas oder von Georges Batailles berühmter erotischer Erzählung „Die Geschichte des Auges“. Da scheint es schon fast konsequent, dass Emma Talbot demnächst das im Norden Londons gelegene Haus von Sigmund Freud als Ausstellungsort bespielt.

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