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Elizabeth Taylors Nachlass : Vom Luxus der Schönheit

Haute Couture und märchenhafter Schmuck einer Diva: Der persönliche Nachlass von Elizabeth Taylor wird in New York versteigert.

          3 Min.

          Die Mischung aus Sinnlichkeit, Eros und Glamour, die Elizabeth Taylors Beziehung zu Schmuck kennzeichnet, lässt sich durch eine Anekdote wie aus „Tausendundeiner Nacht“ veranschaulichen. Während sie wenige Monate nach ihrer Heirat mit dem Filmproduzenten Mike Todd nichtsahnend ihre Runden im Schwimmbecken ihrer südfranzösischen Villa drehte, überraschte sie ihr dritter Mann mit einem Cartier-Collier aus Rubinen und Brillanten. Dann hängte er ihr passende Ohrringe an, und schließlich holte er zur Vervollständigung noch ein Armband hervor. Da kein Spiegel vorhanden gewesen sei, habe Elizabeth Taylor sich im Wasser betrachtet, bevor sie, beglückt jauchzend, den Ehemann mit sich zog: Narziss und Lorelei in Personalunion. Es sei „ein perfekter Sommertag gewesen und ein perfekter Tag der Liebe“, erinnerte sich die Schauspielerin später.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Ihr Biograph J.Randy Taraborrelli schildert, wie der Filmstar „selbstverständlich!“ mit dem spätviktorianischen Diadem aus Platin, Gold und Diamanten geschwommen sei, das ihr Mike Todd ebenfalls schenkte - mit der Erklärung, sie sei seine Königin. Einer anderen Legende zufolge soll sich Elizabeth Taylor - unmittelbar nachdem sie die Tiara erhielt - in ein Nebenzimmer zurückgezogen haben, um wenig später zurück zu kommen - splitternackt bis auf das Juwel. Was danach geschah, bedarf nicht der expliziten Schilderung, auf die ihr Biograph besteht; allerdings stellt er anheim, ob die Geschichte stimmt. Die Bilderfolge aus einem Amateurfilm, der die Schwimmbecken-Szene festhält, vermittelt zwar die erotisch aufgeladene Atmosphäre und die ausgesprochen weibliche Freude der Beschenkten. Dass sie jedoch mit der Tiara im Wasser plantschte, lässt sich eindeutig nicht bestätigen.

          Juwelen bieten sich für romantische Histörchen an, zumal wenn sie verführerischen Frauen gehört haben, wie der acht Mal verheirateten Elizabeth Taylor, die als Inbegriff der Diva gilt bis heute. Bereits als Kinderstar gefeiert, bekannte sie später, dass sie sich an keinen Tag erinnere, an dem sie noch nicht berühmt gewesen sei. Die Preziosen des im März gestorbenen Stars, die das Auktionshaus Christie’s in einer monumentalen Werbeaktion als die „Kronjuwelen Hollywoods“ vermarktet, werden vom 13.Dezember an nebst Kleidern, Accessoires und Memorabilia ihrer Film- und Bühnenauftritte in New York versteigert.

          Die fast tausend Lose sind wie eine Biographie in Objekten: In den Juwelen spiegeln sich die Liebschaften: Die Kleider der von ihr bevorzugten Häuser wie Dior, Chanel, Versace und Michael Vollbracht dokumentieren die Entwicklung der Haute Couture in der zweiten Hälfe des zwanzigsten Jahrhunderts. In dem sechsbändigen, selbst schon zum Sammlerstück stilisierten Katalog, der den Glamour um Elizabeth Taylor auf die Spitze treibt, belegen unzählige Fotos die bewegte Vita - darunter auch jenes von Cecil Beaton, auf dem sich die für einen Proust-Ball der Rothschilds im Jahr 1971 in schwarzer Spitze aufgetakelte Beauté mit der Haarkreation von Alexandre wie eine als Kleopatra verkleidete Kameliendame darbietet. Das Valentino-Kleid steht mit einer vorsichtigen Schätzung von bis zu 2000 Dollar ebenso zum Verkauf wie die auf 2000 bis 3000 Dollar taxierte Aufnahme von Cecil Beaton.

          Elizabeth Taylor trug die Trophäen ihrer vielen Affären und Freundschaften wie eine zweite Haut. Ihre Klunker und extravaganten Couture-Kleider verliehen ihrem Wesen auf spektakuläre Weise Ausdruck. Richard Burton, in den sie sich in Rom bei den Dreharbeiten für „Cleopatra“ verliebte - was dem Juwelier Bulgari, wie das Auktionsangebot reichlich belegt, freilich sehr zugute kam - behauptete, den vielgerühmten Augen seiner späteren Frau ablesen zu können, ob ihr etwas gefalle. Von diesen violetten Augen ließ sich der italienische Juwelier zu mit Reihen von Diamanten und vielfarbigen Saphiren besetzten Ohrclips inspirieren, die mit bis zu 150000 Dollar ausgezeichnet sind.

          Das oben erwähnte Cartier-Ensemble von Mike Todd wird in drei Einzellosen verkauft. Zu ihm kommt auch der passende Rubin- und Brillantring mit einem Schätzwert von bis zu 1,5Millionen Dollar zum Aufruf, den Richard Burton bei Van Cleef&Arpels für seine Frau besorgte. Sie soll ihn beim Auspacken ihrer Geschenke in ihrem christmas stocking übersehen haben, bis ihre kleine Tochter sie darauf aufmerksam machte. Zu jedem der wichtigsten Stücke gibt es eine Anekdote. Über die sogenannte „Pelegrina“-Perle, die im 16.Jahrhundert aus dem Pazifik gefischt wurde und später so suggestiv in Elizabeth Taylors Dekolleté nistete, wird sogar ein ganzes Buch geschrieben. Der Taj-Mahal-Diamant, der einst der, im Mausoleum verewigten, Lieblingsfrau des Großmoguls Shah Jagan gehörte, wurde - typisch für die abenteuerlich-impulsive Beziehung zwischen Richard Burton und Elizabeth Taylor - bei einer Zwischenlandung in New York erworben.

          Der die Reinheit akzentuierende Schliff des Elizabeth-Taylor-Diamantrings aus ehemaligem Krupp-Besitz ließ sie an „Stufen in die Ewigkeit und ins Jenseits“ denken. Sie selbst betrachtete sich bloß als provisorische Treuhänderin dieser Gaben. Es ist, als habe sie deren Zerstreuung ihr Leben lang inszeniert.

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